Druckschrift 
Die Elemente der Entwicklungslehre des Menschen und der Wirbeltiere : Anleitung und Repetitorium für Studierende und Ärzte
Entstehung
Seite
360
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

360

Elftes Kapitel.

16. Die Sulci sind Einschnitte, welche auf die Hirnrinde beschränktund je nach der Zeit ihrer Entstehung tiefer oder seichter sind (primäre,sekundäre, tertiäre Sulci).

17. Die Fissuren treten im allgemeinen früher als die Sulci auf.

18. Der Riechnerv ist nicht einem peripheren Nervenstamm gleich-wertig, sondern, wie die Augenblasen und der Sehnerv, ein besonderer,durch Ausstülpung aus dem Stirnlappen der Großhirnhemisphärenentstandener Hirnteil (Riechlappen, Lobus olfactorius mit Bulbus undTractus olfactorius). (Mächtige Entwicklung des Riechlappens beiniederen Wirbeltieren [Haien], Verkümmerung beim Menschen.)

II. Entwicklung [des peripheren und des sympathischen Nerven-systems. 1. Die Spinalknoten entwickeln sich aus einer Nervenleiste,welche aus der Verschlußstelle des Nervenrohrs jederseits zwischenihm und dem Hornblatt nach abwärts wächst und sich in der Mitte jedesRückensegments zu einem Ganglion verdickt.

3. Die sympathischen Ganglien des Grenzstranges sind wahr-scheinlich abgeschnürte Teile der Spinalknoten.

4. Über die Entwicklung der peripheren Nervenfasern bestehenzwei verschiedene Hypothesen: 1. Die peripheren Nervenfasern wachsenaus dem Zentralnervensystem hervor und verbinden sich erst sekundärmit ihrem peripheren Endapparat. 2. Die Anlagen des peripheren End-apparats (Muskeln, Sinnesorgane) und das zentrale Nervensystemhängen von frühen Stadien der Entwicklung an durch Protoplasma-fäden und durch Zellen, die zu Ketten aneinander gereiht sind, zusammen.Aus den Verbindungen entstehen die Nervenfasern.

III. Entwicklung des Auges. 1. Die seitlichen Wandungen derprimären Vorderhirnblasen stülpen sich zu den Augenblasen aus.

2. Mit dem Teil der primären Vorderhirnblase, der zum Zwischen-hirn wird, bleiben die Augenblasen durch einen Stiel, den späterenSehnerven, verbunden.

3. Die Augenblase wandelt sich in den Augenbecher um, indemihre laterale und ihre untere Wand durch die Anlage der Linse unddes Glaskörpers eingestülpt werden.

4. An der Stelle, wo die primäre Augenblase mit ihrer Seiten-wand an das äußere Keimblatt anstößt, verdickt sich dieses, senktsich zur Linsengrube ein und schnürt sich zum Linsensäckchen ab.

5. An der hinteren Wand des Linsensäckchens wachsen die Zellenzu Linsenfasern aus, vorn werden sie zum Linsenepithel.

6. Die Linsenanlage wird zur Zeit ihres Wachstums von der Tunicavasculosa lentis, die sich später rückbildet, eingehüllt.

7. Die Membrana pupillaris ist der vordere, hinter der Pupillegelegene Teil der Tunica vasculosa lentis.

8. Die Entwicklung des Glaskörpers veranlaßt die Augenspalte.

9. Der Augenbecher hat doppelte Wandungen: ein äußeres undein inneres Epithelblatt, die an der Öffnung des Bechers, welche dieLinse umfaßt, und an der Augenspalte ineinander übergehen.

10. Zwischen die Linse und das dicht anliegende Hornblatt wachsenMesenchymzellen aus der Umgebung hinein und bilden Hornhaut undÜESCEMETSche Membran, von denen sich die letztere durch einen Spalt-raum, die Augenkammer, gegen die Tunica vasculosa lentis absetzt.

11. Der Augenbecher sondert sich in einen hinteren Abschnitt,in dessen Bereich sich sein inneres Blatt verdickt und zur Netzhaut