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Die Elemente der Entwicklungslehre des Menschen und der Wirbeltiere : Anleitung und Repetitorium für Studierende und Ärzte
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Elftes Kapitel.

Die erste Anlage der Linse erfolgt beim Hülinerembryo schonam 2. Tage der Bebrütung, beim Kaninchen etwa 10 Tage nach derBefruchtung des Eies, beim Menschen am Anfang der 4. Woche (Fig. 328).An der Stelle, wo das Hornblatt über die Oberfläche der primären Augen-blase hinzieht, verdickt es sich ein wenig und liefert die Linsenplatte (lp),welche sich bald darauf zu einer kleinen Grube einstülpt (Fig. 5291g).Indem die Linsengrube sich vertieft, wobei ihre Ränder sich entgegen-wachsen und sich endlich berühren, entwickelt sich aus ihr das Linsen-säckchen (Fig. 3301s). Dasselbe bewahrt noch eine Zeitlang durcheinen soliden Epithelstrang (Ist) den Zusammenhang mit seinem Mutter-boden, dem Hornblatt. Zu dieser Zeit wirddie laterale Wand der Augenblase gegen die _^__

mediale Wand zu eingestülpt.

hibgl

stzh

Sn

Fig. 329.

Fig. 330.

Fig. 331.

Fig. 329 u. 330. Zwei Schemata zur Entwicklung des Auges.

Fig. 329. Die primäre Augenblase (au), durch einen hohlen Stiel (st) mit demZwischenhirn (zh) verbunden, wird infolge der Entwicklung der Linsengrube (lg)eingestülpt.

Fig. 330. Die Linsengrube hat sich zum Linsensäckchen (Is) abgeschnürt. Ausder Augenblase ist der Augenbechcr mit doppelten Wandungen, einer inneren (ib) undeiner äußeren (ab), entstanden. Ist Linsenstiel, gl Glaskörper.

Fig. 331. Plastische Darstellung eines Augenbechers mit Linse und Glaskörper.

ab äußere Wand des Bechers, ib innere Wand desselben, h Hohlraum zwischenbeiden Wänden, welcher später ganz verschwindet, Sn Anlage des Sehnerven (Augen-blasenstiel mit Rinnenbildung an seiner unteren Fläche), aus Augenspalte, gl Glas-körper, / Linse.

Hand in Hand mit diesen Vorgängen wird die primäre Augen-blase auch von unten her eingestülpt längs einer Linie, die von der Gegendder Linsenplatte (Fig. 328 lp) zum Augenblasenstiel (st) reicht und sichauf diesen selbst eine Strecke weit noch fortsetzt. Gleichzeitig wucherthier vom einhüllenden, embryonalen Bindegewebe eine Blutgefäßschlinge,in weiche, gallertige Substanz eingebettet, gegen die untere Fläche derprimären Augenblase und ihres Stieles vor (Fig. 331 aus) und nimmtan der Bildung des Glaskörpers teil, wie später noch genauer besprochenwerden wird.

Wenn wir uns den fertig ausgebildeten Augenbecher noch etwasnäher ansehen, so zeigt er zwei Eigentümlichkeiten (Fig. 331). Einmalbesitzt er an seiner unteren Wand noch einen Defekt; denn es verläufthier eine Spalte (aus) vom Rande der weiten, die Linse (/) umfassendenÖffnung bis zum Ansatz des Stiels (Sn). Sie bezeichnet die Stelle, ander das umgebende Mesenchymgewebe in die Becherhöhle hineingewachsenund eine der Grundlagen für den Glaskörper (gl) geliefert hat; sie führtden Namen der fötalen Augenspalte. Anfänglich ist sie ziemlichweit, verengert sich dann aber mehr, indem die Ränder der Spalte zu-sammenrücken, und schließt sich endlich vollständig. Zweitens ist der