Druckschrift 
Die Elemente der Entwicklungslehre des Menschen und der Wirbeltiere : Anleitung und Repetitorium für Studierende und Ärzte
Entstehung
Seite
287
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Die Organe des mittleren Keimblattes.

287

11. Bei den Amnioten ist die Beziehung des MüLLERschen Gangeszum Urnierengang noch unklar, da das vordere Ende des ersteren sichdurch eine rinnenförmige Einbuchtung des Epithelüberzugs an derlateralen Fläche der Urniere anlegt, vom übrigen Teile aber noch un-entschieden ist, ob er selbständig nach hinten auswächst oder sich vomUrnierengang abschnürt.

12. Die Geschlechtsdrüsen gehen aus zwei Anlagen hervor: 1. ausdem an der medialen Fläche der Urniere gelegenen Keimepithel derLeibeshöhle; 2. aus den Geschlechtssträngen, die von dem angrenzen-den Teil der Urniere dem Keimepithel entgegenwachsen.

13. Vom Keimepithel (mit seinen Ureiern und Ursamenzeilen)stammen die spezifischen Bestandteile der Geschlechtsdrüsen: die Eierund die Samenzellen, ab.

14. Im weiblichen Geschlecht entstehen infolge eines Durch-wachsungsprozesses des Keimepithels und des unterliegenden StromaPFLÜGERSche Schläuche und Eiballen und aus diesen schließlich junge,eine einzige Eizelle enthaltende Primärfollikel; im männlichen Ge-schlecht bilden sich infolge eines entsprechenden Vorgangs Samen-ampullen (Selachier, einige Amphibien) oder Samenkanälchen (Tubuliseminiferi) mit ihren Samenmutterzellen.

15. Die Geschlechtsstränge der Urniere beteiligen sich an derZusammensetzung der Marksubstanz des Eierstocks als Markstränge;am Hoden setzen sie sich entweder mit den Samenampullen oder denSamenkanälchen in Verbindung und liefern die Tubuli recti und dasBete testis, also den Anfangsteil der Ausführwege des Samens.

16. Die Primärfollikel setzen sich aus dem zentral gelegenen Ei,aus einer Hülle von Follikelzellen und aus einerBindegewebskapsel (Theca folliculi) zusammen.

17. Bei Säugetieren wandeln sich die Primärfollikel dadurch, daßdie Follikelzellen an Menge zunehmen und Follikelflüssigkeit ausscheiden,in GRAAFSche Bläschen um. (Eihügel, Membrana granulosa.)

18. Die GRAAFschen Bläschen werden nach Entleerung der reifenEizellen in die Bauchhöhle zu den gelben Körpern dadurch, daß sichaus den zerrissenen Gefäßen Blut in die Höhle ergießt, und daß dieFollikelzellen und die Bindegewebskapsel unter Auswanderung weißerBlutkörperchen wuchern. (Wahre und falsche Corpora lutea.)

19. Die gelben Körper bedingen später durch Schrumpfung dieNarben und Schwielen an der Oberfläche älterer Eierstöcke.

20. Die in beiden Geschlechtern gleichartigen Anlagen des Uro-genitalsystems finden später im männlichen und im weiblichen Ge-schlecht eine verschiedene Verwendung unter teilweiser Bückbildung.

21. Im männlichen Geschlecht wird der Urnierengang zum Samen-leiter, beim Weibe verkümmert er (GARTNERSche Gänge).

22. Der MtiLLERsche Gang übernimmt beim Manne keine Funk-tion und bleibt nur in unscheinbaren Besten an beiden Enden erhalten(Hydatide des Nebenhodens, Sinus prostaticus oder Uterus mascu-linus); beim Weibe wird er zum Ausführapparat des Eierstocks, dervordere Abschnitt zum Eileiter, der hintere Abschnitt zur Gebärmutterund Scheide, indem er mit dem gleichnamigen Kanal der anderen Seite,soweit er in den Genitalstrang eingeschlossen ist, verschmilzt.

23. Die Urniere bleibt beim Manne in ihrem vorderen Abschnitt,welcher sich durch die Geschlechtsstränge mit den Samenkanälchenverbunden hat, als Epididymis bestehen, der Rest verkümmert zur Pa-

blutgefäßführenden