Druckschrift 
Die Elemente der Entwicklungslehre des Menschen und der Wirbeltiere : Anleitung und Repetitorium für Studierende und Ärzte
Entstehung
Seite
194
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

194

Achtes Kapitel.

ß) Zum Chorion frondosum gestaltet sich der an die Deciduabasalis angrenzende Abschnitt, in welchem die Zöttchen zumächtigen, vielfach verzweigten Büscheln auswachsen.

5. Dadurch, daß die Zottenbüschel des Chorion frondosum in dieDecidua basalis hineindringen und sich mit ihr fest verbinden, ent-steht ein besonderes Ernährungsorgan für den Embryo, der Mutter-kuchen oder die Placenta.

6. An der Placenta unterscheidet man den kindlichen und denmütterlichen Anteil: 1. die Placenta foetalis oder "das Chorion fron-dosum und 2. die Placenta uterina oder die ursprüngliche Deciduabasalis.

a) Die Placenta foetalis besteht:

Erstens aus der Membrana chorii, in welcher sich die Haupt-äste der Umbilicalgefäße ausbreiten, und an welcher sichdie Nabelschnur gewöhnlich in der Mitte (Insertio centralis),seltener am Kand (Insertio marginalis), noch seltener vomRand entfernt (Insertio velamentosa) ansetzt.

Zweitens besteht sie aus Büscheln von Chorionzotten, vondenen die Haftwurzeln mittels ihrer Enden mit der Uterus-schleimhaut fest verwachsen sind, während die freien Ausläuferin die intervillösen Bluträume der Placenta uterina, denPlacentar-raum, hineinhängen.

b) Die Placenta uterina setzt sich wie die Decidua parietalis auseiner kompakten, bei der Geburt sich ablösenden Schicht (Parscaduca) und aus einer spongiösen Schicht zusammen, in welcherdie Ablösung erfolgt, und von der ein Teil auf der Muskulaturzurückbleibt (Pars fixa).

Die kompakte Schicht (Basalplatte Winklers) sendetScheidewände (Septa placentae) zwischen die Chorionzottenhinein und teilt sie dadurch in einzelne Bündel, die Kotyle-donen, ab.

Zwischen Arterien und Venen, die in der Basalplatte undden Septen ihren Weg nehmen, sind außerordentlich weiteBlutgefäßräume eingeschaltet, in welche die Zotten frei hinein-hängen. (Intervillöse Räume, Placentarraum.)

7. Bei der Geburt lösen sich die Deciduae oder hinfälligen Ei-häute innerhalb der spongiösen Schicht von der Gebärmutter ab undbilden nebst den kindlichen Eihüllen und dem Mutterkuchen die Nach-geburt.

8. Eine normale Schleimhaut entwickelt sich in den ersten Wochennach der Geburt aus den auf der Muskulatur zurückgebliebenen Restender spongiösen Schicht und aus den Resten der Uterindrüsen, aus derenEpithel sich wahrscheinlich das Schleimhautepithel wieder regeneriert.