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Achtes Kapitel.
Funktion in den Dienst der Ernährung durch die Gebärmuttertraten und dementsprechende Abänderungen erfuhren.
Zugunsten dieser Hypothese können drei Tatsachen angeführtwerden. Erstens sind bei den niedersten Säugetierklassen, wie bei denMonotremen und Beuteltieren, die Eier noch größer als bei den Placen-taliern; sie zeichnen sich durch einen stärkeren Gehalt an Dotter ausund bilden in dieser Beziehung zu denjenigen der Reptilien und Vögeleinen Übergang. Zweitens ist beobachtet worden, daß die Monotremen(Echidna und Ornithorhynchus), die niedrigste Abteilung der Säuge-tiere, wie die Reptilien und die Vögel eierlegend sind. Drittens ver-harren die Eihäute bei den Beuteltieren, welche nächst den Monotremenals die am tiefsten stehenden Säugetiere aufzufassen sind, obwohl dieEntwicklung in der Gebärmutter vor sich geht, dauernd in einem Zu-stande, der demjenigen der Vögel und Reptilien ähnlich ist. Der in einweites Amnion eingehüllte Embryo besitzt einen sehr großen und gefäß-reichen Dottersack, ferner eine kleine Allantois und ein glattes Chorion(seröse Hülle). Dieses liegt der Uteruswand dicht an, ohne aber mitihr enger verbunden zu sein. Nach Resorption des Dotters werdendaher wahrscheinlich Substanzen, welche von der Gebärmutter ab-gesondert werden, durch das Blutgefäßnetz des Dottersacks aufgenommen.So beginnt zwar eine Art intra-uteriner Ernährung sich bei den Beutel-tieren auszubilden, sonst aber liegt der Embryo mit seinen Hüllen inder Höhle der Gebärmutter, wie der Vogel- oder Reptilienembryo mitseinen Hüllen in der festen Eischale.
Bei der Beschreibung der Eihüllen werden wir die Verhältnissebeim Kaninchen zugrunde legen, weil seine Entwicklungsgeschichteam besten untersucht ist, und werden dann, um uns das Verständnisfür den Bau der menschlichen Placenta zu erleichtern, in einer kurzenSkizze zeigen, wie sich in der Klasse der Säugetiere engere anatomisch-physiologische Beziehungen zwischen der Schleimhaut der Gebärmutterund den embryonalen Hüllen in verschiedener Weise herausbilden.
Wenn beim Kaninchen das in die Gebärmutter gelangte Ei sichhierselbst zu der schon früher beschriebenen Keimblase umgewandelthat, ist es noch von der Zona pellucida eingehüllt. Diese ist mittler-weile zu einem dünnen Häutchen (Prochorion), das später zerstörtwird, ausgedehnt worden. Die Keimblase nimmt an Ausdehnung raschzu und wächst vom 5.—7. Tage etwa von 1,5 mm auf 5 mm Größe heran.Infolge ihrer Größenzunahme legt sich das Prochorion der Innenflächeder Gebärmutter am 7. und 8. Tage so innig an, daß es immer schwierigerund zuletzt unmöglich wird, die Eier ohne Verletzung abzulösen. Dennbeim Zerreißen des mit den Uteruswandungen verklebten Prochorionwird gewöhnlich die ihm dicht anliegende, dünne Keimblase beschädigtund eröffnet, worauf sie unter Ausfließen ihres Inhalts zusammenfällt.Auch ihr Inhalt hat Veränderungen erlitten, welche die Untersuchungerschweren; er hat an Konsistenz so zugenommen, daß er der Dickedes Hühnereiweißes fast gleichkommt.
Während des Festsetzens vergrößert sich die Embryonalanlageund nimmt, während sie ursprünglich rund war, eine immer mehr ge-streckte Form an. Sie wird am 7. Tage oval (Fig. 114), dann birnförmigund gewinnt am 8. Tage eine sohlenartige Gestalt, wobei sie bis zu einerLänge von 3,5 mm heranwächst (Fig. 158).
Wie schon in den vorausgegangenen Kapiteln beschrieben wurde,breitet sich in dieser Zeit das mittlere Keimblatt in der Embryonal-