Entwicklung d. Metamerie d. Wirbeltiere, Entstehung v. Bindesubstanz usw. 119
hängender Hohlraum. Wir wollen diese beiden Abschnitte des mitt-leren Keimblattes ihrer Lage nach als Rückenplatten und als Seiten-platten voneinander unterscheiden. Da die Segmente, in welche dieRückenplatten allmählich zerlegt werden, nur den oberen, an Nerven-rohr und Chorda angrenzenden Abschnitten der Ursegmente des Am-phioxus entsprechen, so wollen wir sie zur Unterscheidung von ihnen,und indem wir das Unterscheidungsmerkmal im Namen zum Ausdruckbringen, Rü ckensegmente benennen.
Einige Bemerkungen, betreffend die Terminologie usw., mögen andieser Stelle Platz finden: Die älteren Embryologen erblickten in denaus den Rückenplatten sich bildenden, kubischen Körperchen irriger-weise die Anlagen der Wirbel. „Wirbelr.udimente" nannte sieC. E. v. Baer. Später erkannte man, daß die kubischen Körperchenauch das Bildungsmaterial für alle quergestreiften Muskeln des Körpersliefern und in ihrer Lage überhaupt gar nicht mit den Wirbeln über-einstimmen. (Vergl. hierüber das XX. Kapitel über das Achsenskelett.)Daher gab man ihnen jetzt den Namen „Urwirbel" (Protovertebrae)und beschrieb diese „sogenannten Urwirbel", wie z. B. in KöllikeesEntwicklungsgeschichte, als die Anlagen der Wirbelsäule, der quer-gestreiften Muskeln und der Nervenwurzeln. — Der aus einer irrigenDeutung entstandene Name „Urwirbel" wird zwar auch heute noch vielgebraucht, erscheint mir aber wenig empfehlenswert, da er leicht diefalsche Vorstellung wachruft, als ob die am Wirbeltierkörper zuerst auf-tretende Segmentierung überhaupt mit der Gliederung des Achsenskelettsin Wirbel in einer näheren, direkten Beziehung stände. Das ist aber nichtder Fall. Eine Gliederung des Achsen Skelettes bildet sich bei den Wirbel-tieren erst mit der Entwicklung knorpeliger und knöcherner Wirbelstückeaus. Die niederen Wirbeltiere, wie Amphioxus und die Cyklostomen, so-wie junge Larven und Embryonen aller höheren Wirbeltiere besitzen nochkeine abgegliederten Wirbel. Als Chorda ist das Achsenskelett derWirbeltiere ursprünglich ungegliedert zu einer Zeit, wo der Körper be-reits auf das deutlichste eine metamere Gliederung aufweist. Somitist nicht das Achsenskelett, sondern die Muskulatur das erste Organ-system der Wirbeltiere, welches in aufeinander folgende Segmente zer-] egt wird, wie uns Amphioxus, die Cyklostomen und die Larvenstadienaller niederen Wirbeltiere beweisen. Da aber aus den Segmenten desMesoderms sich außer den Muskeln auch noch andere Organe entwickeln,Wle die Kanälchen'" der Vor- und Urniere, ferner Gallertgewebe, dasspäter zum Teil auch zum Aufbau der gegliederten Wirbelsäule dient,scheint mir ein Name am Platz, welcher über die zukünftige Bestimmungdes in den würfelförmigen Körperchen enthaltenen Zellenmaterials nichtspräjudiziert, sondern nur die fundamentale Tatsache zum Ausdruck bringt,daß der Körper der Wirbeltiere ein gegliederter wird.
Von derartigen Erwägungen geleitet, habe ich in früheren Auf-lagen des Lehrbuchs das Wort „Urwirbel" durch den allgemeinen Aus-druck „Ursegment" zu ersetzen gesucht. Dagegen läßt sich aber geltendmachen, daß man dann mit dem gleichen Namen Gebilde bezeichnet,die sich nur teilweise entsprechen, wie die Segmente des Amphioxusn nd der übrigen Wirbeltiere. Um auch diesem Unterschied in derNomenklatur Rechnung zu tragen, werde ich jetzt das Wort „Ursegment"m «' in dem Fall gebrauchen, wo das ganze Mesoderm, wie beimAmphioxus, vollständig in Metameren zerlegt wird, dagegen werde ich