Druckschrift 
Grundriß der Physik für Studierende, besonders für Mediziner und Pharmaceuten : mit 185 Abb.
Entstehung
Seite
113
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Brechung des Lichtes.

113

\ — n —7 -^ A

\ ! / .,." ! Ä ______ B

\ ' I ■'' ' ——'71--------------- ^-—~ ___ "\

S reflektierten Strahlen, bevor sie sich zum Bilde b vereinigen durch denschief gestellten Planspiegel s seitlich abgelenkt, so daß das Bild in Wirk-lichkeit in &! entsteht und mittels der Lupe a betrachtet werden kann.

Die Bilder der Spiegelteleskope sind zwar frei von chromatischerAberration l§ 130], aber verhältnismäßig lichtschwach; deshalb, undweil für wirksame Instrumente sehr große Spiegel erforderlich sind,bevorzugt man in der Neuzeit dioptrische Fernrohre oder Re-fraktoren, die auf Linsenwirkung beruhen. Diebeiden Hauptformenderselben sind das GrALiLEische und das KEPLERsche Fernrohr.

Beim GALiLEischen oder holländischen Fernrohr (Fig. 104)werden die Strahlen, die infolge der Brechung durch eine Sammel-linse ((Sä) ein reellesBild {A^B 1 ) des Ge-genstandes (AB) er-zeugen würden, vorihrer Vereinigungdurch eine Zerstreu-ungslinse (ZZ) auf-gefangen und diver-gent gemacht, so daß z. B. die von B ausgehenden Strahlen von B iherzukommen scheinen. Es entsteht daher ein aufrechtes, vergrößertes,virtuelles Bild (A 2 B 2 ). Hierzu gehören auch die gewöhnlichen Feld-stecher und Operngucker.

Das KEPLERsche oder astronomische Fernrohr besteht auseinem Objektiv von großer, und einem Okular von kleiner Brennweite(seine Länge entspricht der Summe dieser Brennweiten). Durch dasObjektiv wird von einem fernen Gegenstand ein umgekehrtes ver-kleinertes reelles Bild entworfen, das innerhalb der Brennweite desOkulars liegt, durch dieses daher wie durch eine Lupe vergrößertwird. Es resultiert also ein vergrößertes, virtuelles, umgekehrtes Bild.

Um eine genaue Zentrierung bzw. Messungen zu ermöglichen, bringt manin der Ebene, wo das reelle Bildentsteht, meist ein Fadenkreuz an, das ev.durch eine Mikrometerschraube verschieblich ist und dessen Bild mit dem desObjektes zusammenfällt. Es besteht aus zwei sich rechtwinklig kreuzenden,sehr dünnen (Spinnen-, Quarz-usw.) Fäden, deren Schnittpunkt genau derAchse des Fernrohrs entspricht. Beim Galileischen Fernrohr, wo ja keinreelles Bild zustande kommt, kann natürlich auch ein Fadenkreuz nichtangebracht werden, wohl aber im Okular von Mikroskopen. Das Faden-kreuz kann auch durch eine durchsichtige Skala ersetzt werden (Okular-mikrometer).

Schaltet man zwischen Objektiv und Okular eines KEPLERschenFernrohres eine Konvexlinse („Umkehrungslinse") ein, so erhält manaufrechte Bilder, was für gewöhnliche Beobachtungen natürlich zweck-mäßiger ist (terrestrisches Fernrohr). Statt der Umkehr irngs-

Guttmann, Grundriß der Physik. 17.—20. Aufl. 8