Druckschrift 
Die Arzneimittel-Synthese auf Grundlage der Beziehungen zwischen chemischen Aufbau und Wirkung : für Ärzte, Chemiker und Pharmazeuten
Entstehung
Seite
520
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

520

Phenole.

Im Gegensatze hierzu sinkt die Giftigkeit bei den Phenolen, wennKernwasserstoffe durch Alkylradikale ersetzt werden, während ja dieantiseptische Kraft mit dem gleichen chemischen Vorgang erhöht wird.Aus diesem Grunde sind die Kresole CH 3 .C 6 H 4 .OH, da ja ihre Giftig-keit eine geringere ist, dem Phenol als Antiseptica vorzuziehen, dasie weit kräftiger antizymotisch wirken und daher in verdünntererLösung gebraucht werden können. Aber der Anwendung der Kresoleals Antiseptica ist es immer hinderlich, daß sie in Wasser so schwerlöslich sind und die Bemühungen der Chemiker richteten sich darauf,durch Zusatz von verschiedenen Substanzen, sowie zum Teil durchchemische Veränderungen, die so billigen Kresole wasserlöslich zumachen. Das Gemenge der drei isomeren Kresole kann durch Zusatzvon Schwefelsäure, Natronlauge oder Seife wasserlöslich gemachtwerden. Ebenso löst es sich in einer Reihe von verschiedenen Natron-salzen, insbesondere von organischen Sulfosäuren. Man kann dieKresole ferner, wenn auch nicht für die medizinische Praxis, so dochzu groben Desinfektionen in der Weise nutzbar machen, daß man durchZusatz von leichteren Kohlenwasserstoffen, insbesonders Steinöl zuden schweren, im Wasser untersinkenden Kresolen das spezifischeGewicht des Gemisches derartig erniedrigt, daß die Kresollösung aufdem Wasser schwimmt und langsam ausgelaugt wird, wobei sie gleich-zeitig eine schützende antiseptische Decke über der zu desinfizierendenSubstanz bildet. Auch durch Zusatz von Kalk kann man lösliche Ver-bindungen der Kresole erhalten.

Schering, Berlin stellen Cer-Phenolverbindungen her, indem sie Cersalze mitPhenolen oder deren Substitutionsprodukten in Umsetzung bringen. Die Cerphenol-verbindungen sollen eine große desinfizierende Kraft haben und weniger toxischsein als die Phenole selbst. Beschrieben sind Cerphenole, Cerguajacol, Cer-ß-naphthol ').

Auf der Beobachtung, daß die Kresole sich in Harzseifen lösen,oder besser gesagt emulgieren, beruht die Darstellung des englischenKreolins, doch zeigt Kreolin die nachteilige Eigenschaft, daß esdurch Zusatz von Mineralsäuren, Lauge oder Kochsalz, die Emulsions-fähigkeit verliert. Auch der wechselnde Gehalt der verschiedenenKreoline an wirksamen Kresolen war sehr hinderlich bei seiner An-wendung als Desinfektionsmittel in der Chirurgie.

Das Teeröl 2 ), welches seine antiseptische Kraft wohl in ersterLinie seinem Gehalte an Phenolen und Kresolen verdankt, wurde später-hin vorzüglich durch Seifenlösungen, sei es nun Harzseifen oder Fett-seifen, in Lösung gebracht.

Das mit dem Namen Lysol bezeichnete Präparat z. B. wird in der Weisedargestellt, daß man Teeröl mit Leinöl oder einem Fett mischt und mit einerkonzentrierten Kalilösung bei Gegenwart von Alkohol solange zum Sieden er-hitzt, bis vollständige Verseifung eingetreten und das Endprodukt sich glatt inWasser löst 3 ).

2 ) DRP. 214782.

-') Knoll (Ludwigshafen) erzeugt ein farbloses Teeröl (Anthrasol). Das dermatotherapeutisch Wirksame im Teer sind nach Sack die Methylnaphthaline.

3 ) DRP. 52129.