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Die Arzneimittel-Synthese auf Grundlage der Beziehungen zwischen chemischen Aufbau und Wirkung : für Ärzte, Chemiker und Pharmazeuten
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Halogenhaltige Schlafmittel.

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Methylenchlorid, haben aber eine eigentümliche Nebenwirkung auf dieCornea, welche getrübt wird 1 ).

Äthylidenchlorid CH 3 .CHC1 2 macht eine langsam eintretende undschnell vorübergehende Wirkung 2 ). Perchloräthan C 2 C1 6 (Hexachlorkohlen-stoff) wirkt narkotisch wie Chloralhydrat, in kleinen Mengen exzitierend.

Auch die Bromsubstitutionsprodukte der niederen Kohlenwasser-stoffe haben narkotische Wirkungen und lassen sich als Inhalations-anästhetica für kurze, leichte Narkosen mit Vorteil benützen. So Brom-athyl C 2 H 5 Br, welches wenig giftig ist, während Äthylenbromid C 2 H 4 Br 2schon starke Giftwirkungen zeigt.

Auch Bromoform CHBr 3 wirkt anästhesierend 3 ) und wird gegen-wärtig viel zum Kupieren von Keuehhustenanfallen benützt 4 ).

(Die lokale Anästhesie, welche durch Chlormethyl CH 3 C1 und ähn-liche Halogensubstitutionsprodukte eintritt, steht in keiner Beziehungzum Chlorgehalte, sie ist lediglich bedingt durch den sehr niedrigenSiedepunkt der angewendeten Substanzen, welche beim Bespritzen derzu anästhesierenden Partie derselben rasch und viel Wärme entziehenu nd durch die Kältewirkung anästhesieren. Wie das gegenwärtig sehrviel angewendete Chlormethyl (Kelene genannt) wird mit etwas ge-

CH 3 \nngerem Erfolg auch Äthyläther und Methyläthyläther \0, von

manchen angewendet. Auch niedrig siedende Petroleumäther wurdenfür lokale Anästhesie durch Kälte in Anwendung gezogen. Es ist, wie"Wir wiederholen, für diese Wirkung nicht die Konstitution, sondernder Siedepunkt und die Flüchtigkeit der angewendeten Substanz alleinvon Bedeutung.)

0. Liebreich 5 ) hat angenommen, daß Chloralhydrat CC1 3 .CH(0H) 2 ,Welches sich bekanntlich unter der Einwirkung von Alkalien in Chloro-form und Ameisensäure spaltet, im Organismus eine ähnliche Zersetzungerfährt und daß dann das gebildete Chloroform die hypnotische Wir-kung auslöst und hat auf Grund dieser Annahme Chloralhydrat alsHypnoticum empfohlen. Wenngleich diese Theorie der Wirkung desChloralhydrat als unrichtig zu bezeichnen ist, da es eine Umsetzung zuChloroform nicht erfährt, so gebührt 0. Liebreich das große Verdienst,Heben dem Morphin ein sicheres Hypnoticum in die Therapie einge-führt zu haben.

J. v. Mering 6 ) zeigte, daß Chloralhydrat im Organismus durchReduktion in Trichloräthylalkohol CC1 3 .CH 2 .0H übergeht und nichtm Chloroform. Dieser Trichloräthylalkohol paart sich nun im Organis-mus mit Glykuronsäure und es entsteht die Urochloralsäure. Meringzeigte ferner, daß die Liebreich'sche Vorstellung '), daß aus Chloral-

x ) Parmas und Dubois, Semaine med. 1888 u. 1889.

2 ) O. Liebreich, Berliner klin. Wochensohr. 1860. Nr. 31.

3 ) v. Horroch, Österr. med. Jahrb. 1883. 497.

4 ) Stepp, Deutsche med. Wochenschr. 1889. Nr. 31.

5 ) Berliner klin. Wochenschr. 1869. 325 u. Monographie: Chloralhydrat,Berlin 1869.

°) HS. 6. 480 (1881).

7 ) 0. Liebreich, Brit. med. Journ. 1873. 20.

Franko 1, Arzneimittel-Synthese. 3. Auii. 30