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Bedeutung der doppelten und dreifachen Bindung.
nachhaltender als Paraldehyd (CH 3 .CH0 3 ). Paraldehyd wirkt nichtauf das Herz, aber hypnotisch. Thioaldehyd wirkt hypnotisch und aufdas Herz stark giftig 1 ).
13. Bedeutung der doppelten und dreifachen Bindung.
Es läßt sich der Satz formulieren: Körper mit doppelter Bindungsind giftiger als die entsprechenden gesättigten Substanzen. (Loew.)
Während die Alkohole im allgemeinen keine besondere Giftigkeitzeigen, konnte Mießner 2 ) bei Arbeitern, die Allylalkohol aus Glycerinund Oxalsäure darstellten, sehr schwere Vergiftungserscheinungen be-obachten. Er fand starke Sekretion aus den Augen und Nase, Druck-schmerz des Kopfes und der Augen, tagelang anhaltende Weitsichtig-keit. Während Propylalkohol CH 3 . Cfi 2 . CH 2 . OH ungiftig ist undnur einen Rauschzustand macht, erzeugt der ungesättigte AllylalkoholCH 2 : CH . CH 2 . OH Beschleunigung der Atmung, Lähmungen undTod durch Respirationsstillstand. Er erzeugt keinen Rausch, sondernwirkt nur depressiv. Dem Allylalkohol geht die für alle Alkohole dergesättigten Reihe typische narkotische Wirkung ab. Die eigentümlichestark giftige Wirkung des Allylalkohols ist seinem Charakter als un-gesättigte Verbindung, seiner doppelten Bindung der Kohlenstoffatomezuzuschreiben.
Charakteristisch für die Wirkung des Allylalkohols ist die heftigeSchleimhautreizung, die starke Gefäßerweiterung und die dadurch ver-ursachte starke Blutdrucksenkung. Damit ist auch ein beträchtlicherEiweißverlust verbunden. Allylalkohol ist fünfzigmal so giftig alsPropylalkohol. Daß die hohe Giftigkeit dieser Verbindung tatsächlichmit der doppelten Bindung zusammenhängt, zeigt eine Reihe vonanalogen Verhältnissen bei anderen Körpern mit doppelter Bindung derKohlenstoff atome.
So ist Dijodacetyliden CJ : JC äußerst energisch giftig und zwarso giftig, daß die Wirkung die der meisten Gifte übertrifft 3 ). Es hemmtin stärkster Verdünnung die Entwickelung von Mikroorganismen. Per osgegeben ist es wegen seiner Schwerlöslichkeit ein weit schwächeres Gift,während die Dämpfe von Säugetieren eingeatmet diese töten. Derungesättigte Charakter der Verbindung und die dreifache Bindung be-dingt die Giftigkeit des Dijodacetylidens. Aber auch AcetylendijodidJHC: CHJ ist giftig, viel giftiger als Jodoform CHJ 3 und die Giftwirkungberuht nicht auf dem Jodgehalte allein.
Vom Vinylaminchlorhydrat CH 2 :CH.NH 2 wirken 0.025—0.03 gpro kg beim Kaninchen in 4—6 Stunden letal.
Merkwürdigerweise ist Allylamin CH^ : CH. CH 2 . NH 2 durchaus ohneWirkung 4 ).
Isoallylamin CH 3 .CH :CH.NH 2 hat die Gruppe - C : CH . NH 2 ,welche dem Allylamin fehlt.
') Lusini, Ann. di chim. e di farmacol. 15. 14.
2 ) Berliner klin. Wochenschr. 1891. 819.
3 ) O. Loew, Zeitsohr. f. Biol. 37. 222.
4 ) Levaditi, Arch. intern, de pharmacod. 8. 1. 48.