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Fig. 728. Chelidonium maius La Fruchtifizierender Spross. b Auf-gesprungene Frucht, c Same.
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Häufig, doch nicht überall gemein (z. B. im nordwestlichen Deutschland), besondersin der Nähe von bewohnten Orten, an Hecken, Zäunen, Mauern, auf Schutt, in Gebüschen,,an Wegrändern, Felsen; von der Ebene bis in die Voralpentäler (bis 1650 m).
Allgemeine Verbreitung: Europa (nördlich bis ins-subarktische Skandinavien, bis 62° 40' nördl. Breite), Mittelmeer-gebiet, gemässigtes bis subarktisches Asien; im atlantischenNordamerika eingeschleppt.
Aendert wenig ab: var. laciniätum Koch (= var. fumariaeföliumDC, = var. crenätum Fries). Pflanze kahl. Grundständige Laubblätter zahl-reich. Blättchen länger gestielt. Blattabschnitte fiederspaltig mit eingeschnitten-gekerbten Zipfeln. Kronblätter meist eingeschnitten-gekerbt (Taf. 122, Fig. 4a)oder wenn ungeteilt, dann deutlich scharf zugespitzt. Früchte gewöhnlich fastso lang als der Fruchtstiel. Vereinzelt beobachtet in Hohenzollern (Haiger-loch), in Thüringen (bei Wettelroda), Eisleben, in Baden (bei Baden-Baden,.Schriesheim, Karlsruhe), Frankfurt a. O., in Schlesien (Falkenberg), bei Potsdam,in Posen (Lischkowo), in Kärnten (Kanning), Steiermark (SchlossgartenSauritsch), in der Schweiz (Aclens bei Morges) etc. Diese schlitzblätterigeForm, welche als Beispiel für „Mutation" in der Literatur figuriert, wird zumersten Male 1590 aus dem Garten des Apothekers Sprenger in Heidelberg er-wähnt. Zwischen dem Typus und der Varietät existieren Uebergangsformen. —f. grandiflörum Wein nee DC. Pflanze in allen Teilen grösser und stärker.Blattzipfel stets abgerundet. Kelch sehr stark behaart. Kronblätter doppeltso gross als beim Typus und meist mehr als 4 (Sachsen: Schlossberg beiWippra). — f. micropetala Murr. Blüten kleiner als beim Typus.
Chelidonium ist eines der verbreitetsten Unkräuter. Nach den Stand-orten in der Nähe von einstigen oder jetzigen menschlichen Wohnungen zuschliessen, ist die Art vielleicht — wenigstens für einzelne Gegenden — alsalte Kulturpflanze anzusehen, zumal ihr schon im Altertum grosse Heilkraft zugeschrieben wurde. Pliniuserzählt, dass junge Schwalben, denen die Augen ausgestochen sind, durch das Kraut ihr Sehvermögenwiederum gewinnen. Auch gegen Gelbsucht, Wechselfieber, Wassersucht fand es Anwendung. Den bitterenSaft (Radix et herba Chelidonii) gebrauchte man zurHerstellung eines Extraktes und verwendete ihn zum Ver-treiben von Warzen. In der gelben Wurzel (daher Gold-kraut oder Goldwurz genannt!) vermuteten die Alchimistenden Stein der Weisen, die Kunst des Goldmachens; sielegten dem Namen die Bedeutung coeli donum (= Himmels-gabe) bei. In dem Milchsaft sind eine Reihe (5 bis 7)von Alkaloi'den vorhanden, die Träger der giftigen Eigen-schaften der Pflanze. Giftig soll vor allem das Chelerythrin(C21 H17 NO4) wirken, das auf die Nasenschleimhaut ge-bracht heftiges Niesen, in den Magen gebracht starkesErbrechen hervorruft. Nicht giftig dagegen ist das AlkaloidChelidonin oder Stylophorin (Cso H19 NOs + H2 O), das be-sonders in der Wurzel reichlich vorkommt, sowie dieChelidonsäure. Der frische Milchsaft dient als Volksmittelzum Aetzen der Warzen und gegen Hautkrankheiten (beson-ders Sommersprossen), in Russland neuerdings auch gegen denKrebs. Die Blüten sind als proterandrische Pollenblumen zubezeichnen. Sie öffnen sich bei sonnigem Wetter und die An-frieren springen sogleich auf. Da die gleichfalls bereits ent-wickelte Narbe die Staubblätter etwas überragt, so bewirkendie in der Mitte auffliegenden Insekten (Dipteren, Hy-menopteren und wenige Coleopteren) Fremdbestäubung, dieseitlich anfliegenden ausserdem auch Selbstbestäubung.Bei trübem Wetter bleiben die Blüten länger geschlossen; _^^^_^^^_^
,.,.,.,.. . , ..„ , , ° , Fig. 720. Chelidonium maius L.
die bereits in der Knospe sich öffnenden Antheren bewirken Phot Brutschy Seon (Schweiz)