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Vorlesungen über chemische Technologie
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Zellulose.

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geeignet ist Zellulose, die in langen Fäden oder Büscheln vorkommt,z. B. Flachs, Baumwolle, Hanf, Nessel, Jute usw. Die daraus gewonnenennatürlichen Fäden sind, was Haltbarkeit und Festigkeit betrifft, beigleicher Dicke den Kunstfäden bedeutend überlegen. Ihr Verbrauchwird daher durch Olanzstoff, Viskose usw., kurz durch den neuen Be-trieb in keiner Weise vermindert. Beide Arten von Fäden finden ihreVerwendung und zwar in gewaltigem, gleich noch zu bezeichnendenUmfange.

Als Bedingungen, welche die natürlichen Vorkommen für Textil-zwecke geeignet machen, muß man aber, abgesehen von der genügendenMenge und Zugänglichkeit noch bezeichnen: die Faserbündel, die ausZellulose bestehend vorkommen, müssen, wenn sie sich zur Verarbeitungeignen sollen, fest, aber geschmeidig sein, dabei spaltbar und von denNebenstoffen trennbar.

Dieses Trennen von den Nebenstoffen erfordert, wie schon allgemeinbemerkt, in den meisten Fällen mechanische und chemische Mittel.Dadurch kommen wir also auf den Punkt, an dem auch die chemischeArbeit einzusetzen hat. Es handelt sich um Trennungsverfahren, diedurch mechanische und durch chemische Mittel auszuführen sind.

Es ist nun Gelegenheit zu zeigen, welche Unterschiede dadurchbedingt werden, daß die eine Art der Trennungsmethoden besser aus-gearbeitet ist, wie die andere.

Bei einer der natürlich vorkommenden Zellulosen, nämlich derBaumwolle, führen die mechanischen Trennungsmethoden soweit,daß die chemischen nachher mit den allgemein bekannten und üblichenzusammenfallen. Bei den anderen dagegen, nämlich bei Flachs, Hanf usw.muß man mit chemischen Trennungsmethoden anfangen, während danndie mechanischen sich als allgemein üblich ergeben.

Nun liegt der weitere Unterschied darin, daß die mechanischenTrennungsverfahren, die für Baumwolle passen, vortrefflich ausgearbeitetsind, während die chemischen für Flachs sehr viel zu wünschen übriglassen.

Das hat die natürliche Folge, daß alle Welt zur Baumwolle greiftund den Flachs liegen läßt, so daß wir in Deutschland z. B. jährlichHunderte von Millionen Mark ausgeben, um Baumwolle vom Auslandzu kaufen, obwohl wir ebenso brauchbare Zellulose im Inlande ziehenund verwerten könnten, wenn wir es verständen, sie von den Neben-stoffen in allgemein brauchbarer Weise zu trennen. Da diese Ausgabefür ausländische Baumwolle im Jahre 1907 die Höhe von beinahe500 Millionen Mark erreicht hat, empfiehlt es sich, diese Verhältnisseklarzustellen.