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Vorlesungen über chemische Technologie
Entstehung
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Kieselsäure und Silikate.

einander an die Pfeife bringen. Wird dies gleichmäßig besorgt unddann gleichmäßig geblasen, so bilden die beiden Glasarten, da sieungleich schmelzen, zwei Schichten, erkennbar in dem entstehendenGlaskörper; z. B. erhält man ein Gefäß mit innerer Schicht von Rubin-glas, das äußerlich farblos ist. Es besteht aus »überfangenem« Glaseund ist das einfachste Beispiel für eine große Zahl von »Kunstgläsern«.

Die Möglichkeit dieser Art von Arbeit liegt darin, daß die beidenGlassorten in ihrem Schmelzpunkte verschieden sind und die Ver-arbeitung nicht erfolgt, wenn beide vollständig geflossen sind, sondernbei 700—800 °, im zähflüssigen Zustande.

Aus solchem »Überfangglase« macht das Kunstgewerbe außer-ordentlich viel mit den bekannten Mitteln, z. B. geblasene Röhren, dieaus zwei verschiedenfarbigen Schichten bestehen; die Schnittstückesolcher Röhren liefern Perlen von zweifarbigem Glase, die als Zieratviel benutzt werden — bei uns und noch mehr in Afrika.

Um diese Schnittstücke benutzbar zu machen, so daß die Perlen denFaden nicht zerschneiden, muß man sie abrunden. Dazu vermengt manmit unschmelzbarem Pulver, z. B. mit Kohlenstaub, so daß die Hohl-räume ausgefüllt werden und die Schnittstücke nicht aneinanderhaften.Dann wird es so weit erhitzt, daß Kanten und Ecken sich abrunden.

Wie diese Röhren aus zwei verschiedenfarbigen Glasmassen her-gestellt werden, so benutzt man Glasstäbe von verschiedener Farbefür ähnliche Arbeiten.

Wenn man farblose Stäbe in eine rote Glasmasse einrollt, soentsteht ein Stab, dessen Schnittfläche eine rote Scheibe mit durch-sichtigen Stellen zeigt. Zieht man diesen Stab nun aus, so daß Stäbeder gleichen Stärke entstehen wie die zuerst angewendeten, und schmilztdiese wieder in eine weiße Masse ein, so zeigt die Schnittfläche eineweiße Scheibe mit eingebetteten roten Scheiben; in den letzterendurchsichtige Stellen. Durch Anwendung farbiger Stäbe verschiedenerArt und nach geeigneten Vorlagen lassen sich also Stäbe machen,die auf der Schnittfläche beliebige Muster zeigen.

So gibt es Glasknöpfe, die wie Mosaik aussehen, wenn sie erstrichtig zubereitet, d. h. von Splittern befreit und glatt abgeschmolzensind, wie bei Perlen aus Röhren angegeben wurde. Sie sind Schnitt-stücke von Glasstäben, und diese Glasstäbe sind durch wiederholtesÜberfangen mit verschiedenfarbigem Glase hergestellt, nach einembestimmten Vorbild gearbeitet. Anderseits kann man aber auch einegrößere Zahl solcher Schnittstücke in eine farblose Glasmasse ein-schmelzen, wobei wieder in Betracht kommt, daß die verschiedenenGlassorten nicht leicht ineinander übergehen, sondern eine Individualität