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Auskunftsbuch für die chemische Industrie
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Tabletten Talg.

Tabletten:

E. Merck, Darmstadt.

Taeniol sieheTänio 1".

Talg: (Unschlitt; Bebum). Das Fett der Rinder (R i n d s t a 1 g) und derHammel (Hammeltalg) ist farblos, hart, eigentümlich riechend und ent-hält durchschnittlich 75 % Stearin + Palmitin und 25 % Olein. Der Hammel-talg ist härter als Rindstalg; Seh. P. des ersteren 46,547,5°; Seh. P. desRindstalgs 43,545°,

Zur Gewinnung wird der Rohtalg zunächst mit Wasser gewaschen, umdas Blut und die Schmutzteilchen zu entfernen, und dann auf Walzenquetsch-maschinen zerkleinert, um die Zellgewebe zu zerreissen. Hierauf erfolgt dasAusschmelzen, und zwar unterscheidet man trockenes Schmelzenund nasses Schmelzen. Das trockne Schmelzen erfolgt über freiem Feuer,während das nasse über Wasser oder mittels Wasserdampfs bewirkt wird.

Der Rohtalg muss möglichst bald verarbeitet werden, weil die anhängendenZellhäute, Blut u. s. w. schnell in Fäulnis übergehen. Man scheidet den R o h -t a 1 g in Rohkern (grössere zusammenhängende Fettmassen) und Rohaus-schnitt (mit Blut- und Hautteilen stark durchsetzte Fettteile). Der Rohkernwird gewöhnlich bei 6065° ausgeschmolzen und nach kurzem Stehen von denVerunreinigungen abgegossen. Das Produkt {Premier jus) wird nach Abkühlenauf ca. 35° abgepresst: Der Rückstand ist Prima-Presstalg, das abge-presste Fett ist Prima-Margarin, auch Oleomargarin genannt.Ersterer ist ein geschätztes Material für die Fabrikation von Kerzen (s. d.),während letzteres zur Darstellung von Margarine (s. d.) dient. Auf die-selbe Weise erhält man aus dem Rohausschnitt den Sekunda-Premier jus, derals Rückstand den Sekunda-Presstalg, als abgepressten Anteil das zur Seifen-fabrikation dienende Sekunda-Margarin liefert.

Wird der Talg bei niedrigerer Temperatur abgepresst, so resultiert dasschon bei gewöhnlicher Temperatur flüssige T a 1 g ö 1. Letzteres dient (ebensowie auch der Talg) als Schmiermittel und als Bestandteil von solchen.

Das trockne Schmelzen erfolgt in offenen, eingemauerten Kesseln unterständigem Rühren und allmählichem Erwärmen; das Feuer darf nur den Kessel-boden bestreichen. Bei 100° gerät die Masse ins Kochen, bis das Wasser ver-jagt ist; dann wird die Oberfläche ruhig, und man kann das klare Fett durchein Filter abschöpfen, während die zurückbleibenden Grieben (Griefen)in der Griefenpresse vom Rest des Fettes teilweise befreit werden. Die aus-gepressten Grieben dienen als Viehfutter oder (nach vollständiger Entfettungmittels CS 2 ) zur Gewinnung von Blutlaugensalz (s. No. 14 unterE i s e n v e r b i'n d u ng e n"). Die sehr übelriechenden Dämpfe beimtrocknen Talgschmelzen leitet man am besten in die Feuerung. Neuerdingsempfiehlt Lidoff die Vakuumtalgschmelze, und zwar soll man dastrockne Ausschmelzen unter 350400 mm Druck vornehmen.

In grösseren und rationell arbeitenden Talgschmelzereien kommt imübrigen nur noch das nasse Schmelzen in Betracht; hierbei wird der Dampfentweder im Schmelzgefäss selbst erzeugt oder in dieses aus einem besonderenKessel unter 1,52 Atm. Druck eingeleitet. Der Rohtalg wird, zusammen mitH 2 0, in das Schmelzgefäss gegeben, und zwar dienen als solches offene höl-zerne, innen mit Blei ausgeschlagene Gefässe oder autoklavenartige ge-schlossene Kessel. Um eine höhere Ausbeute zu erzielen, setzt man häufigetwas H2SO4 (oder auch NaOH bezw. Na 2 C0 3 ) zu. Die auch hier auftretendenübelriechenden Dämpfe werden gewöhnlich verbrannt.

Für viele Zwecke muss der gewonnene Talg raffiniert werden. Häu-fig genügt längeres Schmelzen über kochendem Wasser unter stetem Rührenund nachheriges Filtrieren; sonst setzt man chemische Agentien zu, z. B. H 2 SOimit Braunstein oder H2SO4 + K 2 Cr 2 07; man schmilzt unter Zusatz von HN0 3 ,von Alkalien oder man bleicht mit Knochenkohle, Ton, S0 2 , Ozon, KMn04,H 2 0 2 , Ba0 2 u. s. w. Verschiedene dieser Chemikalien verringern aber durchihre verseifende Wirkung die Qualität des Produktes.