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Auskunftsbuch für die chemische Industrie
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Naphtalin.

beim Abkühlen kristallinisch aus; man lässt die flüssig bleibenden öle ab-laufen und gewinnt das Naphtalin durch Schleudern oder Pressen. Meistensbedient man sich mit Dampf geheizter Pressen, die eine grössere Menge vonVerunreinigungen entfernen. Zur Raffinierung wäscht man das geschmolzeneRohnaphtalin zuerst mit Natronlauge von 1520° Be und dann mit konz.H2SO4 (sp. Q. 1,84), wobei man ca. 5 % des Rohnaphtalins an fein gemahlenemBraunstein beimengt. Schliesslich wird das Naphtalin bei kleinen Mengensublimiert, bei grösseren aus flachen schmiedeeisernen Blasen destilliert.

Einzelheiten über die moderne Naphtalinfabrikation bringt A. Rispler ineinem lesenswerten Artikel (Chem. Ztg. 1910, S. 730 und 747).

Das Franz. Pat. 326 163 betrifft ein Verfahren und eine Einrichtung fürdas Kristallisieren und die sofortige Abscheidung von Naphtalin und An-thrazen aus den Mutterlaugen. Die Einrichtung besteht aus einer innen ge-kühlten rotierenden Trommel, auf welche das Rohöl ausfliesst, um dort zuerstarren; die Kristallmasse wird von der Trommelfläche mittels Schabers ent-fernt, darauf filtriert und endlich geschleudert oder gepresst.

Das Engl. Pat. 25 989 von 1903 betrifft die mechanische Reinigung vonRohnaphtalin beim Sublimations- oder Destillationsverfahren. Man lässt aufden Naphtalindampf einen Luftstrom einwirken, welcher das Naphtalin kon-densieren soll, während die leichter flüchtigen Dämpfe der Verunreinigungenvon dem Luftstrom weiter fortgeführt werden. Das Verfahren dürfte nur denWert einer Vorreinigung haben; chem. rein. Naphtalin kann man sicher da-durch nicht erzielen.

Das Engl. Pat. 17 641 von 1903 bezweckt die Übertragung der in derParaffinindustrie allgemein angewandtenSchwitzmethode" auf die Naphtalin-reinigung, und zwar wird das Rohnaphtalin in Blöcken oder Klumpen aufdurchlochten Unterlagen bis nahe an den Seh. P. erwärmt, wobei die leichterschmelzbaren Verunreinigungen abfliessen. Nachher kann das Naphtalin nochweiter chemisch raffiniert werden; durch die Vorreinigung erzielt man dabeieine erhebliche Ersparnis an Reinigungschemikalien.

CH CH

Die Konstitution des Naphtalins ist

hc/Wh

HC

\/c\y

CH CH

CH

In den Derivaten

bezeichnet man die Stellungen substituierender Gruppen nach dem Schema

a a 8 1

oder nach dem Schema

Reines Naphtalin bildet farblose, häufig silberglänzende, durchdringendriechende Kristallblättchen, die in H 2 0 unlöslich, in Alkohol, Äther und ölenleicht löslich sind. Seh. P. 79°; S. P. 217218°, doch verflüchtigt es sich schonbei gewöhnlicher Temperatur, sehr leicht mit Wasserdämpfen. Man verwendetdas Naphtalin zur Herstellung zahlreicher Teerfarbstoffe, zur Gewinnung vonPhtalsäure, zur Bereitung von Russ, von Wagenschmiere, zur Herstellungnaphtalinhaltiger Firnisse (die Patentanmeldung auf letztere Verwendung istallerdings inzwischen wieder zurückgenommen worden), zur Karburierung vonLeuchtgas sowie in der Medizin; auch dient es als Desinfektionsmittel undMottenpulver. Ganz neu ist seine Verwendung zu dem Zwecke, mit künst-lichem Kampfer hergestelltes Zelluloid unentzündbar und unexplosiv zumachen (vgl. den ArtikelZ e 11 u 1 0 i d").

Nach Franz. Pat. 379 559 erhält man beim langsamen Erkalten einer ge-schmolzenen Mischung aus 4 mol. Schwefel und 1- mol. Naphtalin langeglänzende Kristalle vom Seh. P. 98100°. Die neue Verbindung soll hervor-ragende desinfizierende und antiparasitäre Eigenschaften besitzen und sichauch zum Vulkanisieren von Kautschuk eignen.