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Terebiuthina.
162° 0. (Helv. und Austr. 160" 0.) über, Seine weingeistige Lösung soll mit Wasser be-feuchtetes Laekmuspapier nicht verändern.
Aufbewahrung. Terpentinöl verändert sich bei Zutritt von Luft und Licht sehrschnell, besonders wenn Feuchtigkeit zugegen ist. Es wird dickflüssig, spec. Gewicht undSiedepunkt erhöhen sich und die Löslichkeit in Weingeist nimmt zu. Ausserdem nimmtdas Oel saure Reaktion an. Bin solches Oel bezeichnete man früher, weil es stark oxydirendwirkte, als ozonisirt, was jedoch unrichtig ist, da es kein Ozon, wohl aber Wasserstoff-superoxyd neben organischen Superoxyden enthält. Zur Vermeidung dieser Veränderungenmuss man Terpentinöl sorgfältig bei Luft- und Lichtabschluss aufbewahren. Uebrigens istein derartig verändertes Oel leicht wieder durch Rektifikation mit Kalkmilch oder Kalk-wasser brauchbar zu machen.
Atiwendung. Terpentinöl wird äusserlich zu Einreibungen angewendet, besondersin der Volksheilkunde und der Veterinärpraxis. 1 ) Innerlich findet es seltener Verwendung(5—15 Tropfen). Der Harn nimmt nach innerlichem Gebrauche des Terpentinöls, sogarschon nach dem Aufathmen seiner Dämpfe Veilchengeruch an. Starke Dosen von 15—30 gkönnen den Tod zur Eolge haben.
Bei Phosphorvergiftungen soll das nichtrektificirte Oel wirksamer sein als das rekti-fioirte; als ganz besonders wirksam aber gilt bei Phosphorvergiftungen ein durch längereLagerung in halbgefüllter Flasche verharztes (sog. ozonisirtes) Terpentinöl.
Der Gebrauch von Terpentinöl in den Gewerben und der Technik ist ausserordent-lich vielseitig.
Der nach dem Abdestilliren des Oeles verbleibende Harzrückstand ist:
Rcsina Pini (Ergänzb. Helv.). Pix Burgundica (U-St. Brit). Resina Burgundica.Resiiia alba. Pix alba. Pix flava. — Fichtenharz. Burgnndisch Harz. WeissesPech. Weisspecli. Gelbes Pech. — Poix de Bourgogne. Poix des Vosges. Poixjaune (Gall.). Poix-resine. Resine jaime (Gall.). — Burgnndy-Pitcli. Dried Pitcli.
Für pharmaceutische Zwecke, durch vorsichtiges Schmelzen und Durchseihen ge-reinigt, als
Pix Burgundica expurgata (Gall.). Gereinigtes Pichtenharz. Poix de Bour-gogne purifiee.
Dahin gehören die oben schon erwähnten Gallipot und Barras, ferner auch Terebiu-thina cocta. Teröbenthine cuite (Gall.).
Diese Harze sind undurchsichtige, krystallinische Massen mit wenig oder gar keinemätherischen Oel und etwas Wasser. Löslich in Alkohol, Chloroform, Essigäther, Benzol,Schwefelkohlenstoff, in Aether, Terpentinöl und Petroläther fast völlig löslich. Naturgemässsind diese Harze nach dem Ausgangsmaterial einigermassen verschieden.
Anwendung. Innerlich wird das Harz nicht mehr gegeben; man benutzt dafürdas rektificirte Terpentinöl. Aeusserlich findet es ausgedehnte Verwendung als Bestand-theil von Salben, Pflastern, Ceraten zum Wundverband. — Sollte Terebinthina cocta ein-mal zum innerlichen Gebrauche verordnet werden, so bereite man ihn durch Kochen vonLärchenterpentin mit Wasser, bis eine erkaltete Probe sich kneten lässt.
Wird der Harzrückstand weiter erhitzt bis zur völligen Entfernung des Wassers, sohinterbleibt das amorphe Kolophonium (Band I, S. 938).
Liniiuentuni Terebinthinae seu terebinthinatum. Terpentinliniment. Lini-ment of Turpentine. Ergänzb.: Man mischt der Reihe nach: 5 Th. fein gepulvertePottasche mit 50 Th. Kaliseife, 35 Th. Terpentinöl, 10 Th. Weingeist. Klare Flüssig-keit. — Brit.: 37,5 g Kaliseife reibt man mit 50 cem Wasser an, fügt nach und nacheine Lösung von 25 g Kampher in 325 cem Terpentinöl hinzu, so dass eine Emulsionentsteht, und bringt mit q, s. Wasser auf 500 cem. — U-St.: Man schmilzt 650 g Königs-salbe (Cerat. Resinae U-St.) im Wasserbade und fügt 350 g Terpentinöl hinzu.
') Alte Familienrecepte enthalten bisweilen Terpentinöl und konc. Schwefelsäure.Man nimmt solche Mischungen im Freien vor, indem man die mit wenig fettem Oel oderWasser — je nach den übrigen Bestandtheilen — verdünnte Säure nach und nach zusetzt.Gefahrliche, zur Selbstentzündung neigende Mischungen sind ferner Salpetersäure undTerpentinöl, Chlorkalk und Terpentinöl.