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2 (1902)
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Ricinus.

Prüfung. Zum Nachweis fremder Oele im Ricinusöl ist die Prüfung mitWeingeist wenig geeignet, da die Gemenge der Oele sich anders bezüglich der Löshcn-keit verhalten als die reinen Oele. Besser benutzt man die Unlöslichkeit des Bicinusöle»in Petroleumdestillaten, worin sich alle anderen fetten Oele lösen. Man vermischt das Oelmit dem 3fachen "Volum Vaselinöl und lässt bei 10 15° C. stehen, es scheidet sich danndas Bicinusöl am Boden ab. Natürlich lässt sich die Methode auch umgekehrt verwenden,um in einem Oele Bicinusöl nachzuweisen.

Dagegen verwendet man Alkohol bei folgender Probe: 10 ccm Bicinusöl schütteltman mit 50 ccm Weingeist von 0,829 spec. Gew. bei 17,5° C. in einem graduirten Cylinder.Eine starke Trübung, die auch beim Erwärmen auf 20° C. nicht verschwindet, zeigt noch10 Proc. fremde Zusätze (Sesamöl, Leinöl, Büböl. Baumwollsamenöl) an. Nachweis vonBaumwollsamenöl Band I, S. 124.

Handelswaare. Aufbewahrung. Das in Italien und Frankreich aus ein-heimischen Samen gepresste Oel, Oleum Bicini medicinale, Ol. Ricin.i Italicuin al-bissimum, welches allein den Anforderungen der Arzneibücher entspricht, kommt mdicht verlötheten oder mit Schrauhenveischluss versehenen Kanistern ') von 20 kg Inhaltin den Bändel.

Da das Oel bei der Aufbewahrung in kühlen Bäumen einen körnigen Bodensatzbildet, so stellt man diese Blechgefässe vor dem Umfüllen einige Zeit unter bisweilig einWenden und Bütteln an einen massig warmen Ort, füllt dann (wobei ein geschickter D«'fektar keinen Trichter benutzt) den gesammten Inhalt in nicht zu enghalsige Flaschenbis zum Halse und verschliesst sie sorgfältig. Um ein nochmaliges, späteres Umfüllen z uvermeiden, wählt man zweckmässig Vorrathsgefässe von gleicher Grösse und wechselt siebei Bedarf einfach aus. Das Gesagte gilt natürlich auch für das Abfüllen in das Stand-gefäss der Officin. Man versieht dieses, um es stets sauber zu halten, mit einem Tropfen'sammler (ein spiralig zusammengerollter Streifen Celluloid oder Weissblech, den man miteiner kleinen Tülle versieht, erfüllt den gleichen Zweck) und bedeckt die Oeffnung miteiner Glaskappe oder verschliesst mit einem kantig geschliffenen Glasstöpsel.

Banzig gewordenes Bicinusöl lässt sich durch Digestion mit Magnesiumkarbonntund Filtriren wiederherstellen, falls man es nicht für äusserliche Zwecke verwenden kann-

Anwendung. Ricinusöl ist ein mildes, sicheres, rein mechanisch wirkendes Ab-führmittel, das von unangenehmen Nebenwirkungen zwar frei ist und deshalb auch vonKindern, Wöchnerinnen etc. gut vertragen wird, von manchen Personen aber nicht ein-genommen werden kann, da ihr Magen es immer wie-der von sich giebt. Die Unannehmlichkeit des Ew-nehmens beruht hauptsächlich auf der zähen, dick-flüssigen Beschaffenheit des kalten Oeles, weshalb manes am besten mit heisser Fleischbrühe, Milch oder Kaffeenimmt, auch wohl auf Bier und mit diesem übersckicu-tet oder damit zum Schaum geschüttelt, seltener inBrausemischungen oder als Gallerte (s. unten). Es giebtferner besondere Löffel zum Einnehmen des Oeles. Einesehr beliebte Anwendungsform bieten die elastischenGallertkapseln, die fabrikmässig in verschiedenen Grös-sen, von 0,310 g Inhalt hergestellt werden. Vom Arzte wird Ricinusöl häufig als Emul-sion verordnet; es genügt hier 1 j i bis 1 / 3 Gummi arabicum. Zum Abwägen des Oeles be-dient man sich hierbei einer kleinen Blechschale mit Fuss (Fig. 104) aus welcher es siebmit Hülfe eines Kartenblattes ohne Verlust in den Emulsionsmörser entleeren lässt.

Man nimmt das Oel zu 1530 60 g. Im Klystier zu 3050 g in Haferschleim-Seine stärkere Wirkung führt man darauf zurück, dass es vom Darm weniger wie andereOele resorbirt wird. Auch äusserlich gebraucht man es bei Verstopfung als Einreibung wden Unterleib; ferner zu Pomaden, Haaröl, in Weingeist gelöst zu Haarspiritus. Im Hans-halte dient es zum Einfetten von feinerem Schuhwerk, in der Technik zur Türkischroth-färberei.

Fig. 104. Gefäss zum Abwägen vonOleum Ricini.

1 ) Ueber zweckmässige Verwendung der leeren Ricinusölkanister siehe Bd. I, S. 30/,Fussnote.