Druckschrift 
2 (1902)
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558
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558 Papaverinum.

Sie enthalten kein Morphin oder andere giftige Opivimalkaloide, dagegen einAlkaloid: Rhoeadin. Aus dem Farbstoff hat man als Zersetzungsprodukte zweiSäuren isolirt.

Einsammlung und Aufbewahrung. Man sammelt sie im Juni und Juli,streut sie recht locker zum Trocknen aus, da sie andernfalls leicht zu schmierig-weichenKlumpen zusammenbacken, trocknet bei gelinder Wärme oder über Aetzkali nach und be-wahrt sie in dichtverschlossenen Blechgefässen an einem trockenen Orte auf. Bei sorgloserAufbewahrung ziehen sie aus der Luft Feuchtigkeit an. 100 Th. frische Blumenblättergeben 1011 Th. trockne.

Anwendung. Ihres Schleimgehaltes wegen dienen sie als Bestandtheil von Thee-mischungen; in frischem Zustande zur Bereitung des Sirupus Rhoeados (Ergänzb.), welcherwegen seiner schön rothen Farbe, die durch Säuren nicht verändert wird, als Zusatz zusauren Mixturen beliebt ist.

Ptisana de foliis Papaveris Rhoeados (Gall.). Tisane de coquelicot. Aus

5,0 Klatschrosen und 1000,0 siedendem Wasser durch ^ständiges Ausziehen.

Sirupus Rhoeados (Ergänzb. Brit). Syrupus de Papavere rhoeade. Klatsch-rosensirup. Klatschrosensaft. Sirop de coquelicot (Gall.). Syrup of Red-Poppy«

Ergänzb.: 20 Th. frische Klatschrosen übergiesst man mit 35 Th. siedendem Wasser,seiht nach 12 Stunden ohne Pressung durch, und macht aus 35 Th. Filtrat mit 65 Th.Zucker 100 Th. Sirup. Brit.: 260 g getrocknete Klatschrosen setzt man nach undnach, zu 400 ccm heissem Wasser, erhitzt im Wasserbade, stellt dann 12 Stunden bei Seiteund presst aus; dann löst man 720 g Zucker und fügt nach dem Erkalten 50 ccm Wein-geist (90proc.) und so viel destillirtes Wasser hinzu, dass man 1160 g Sirup erhält. (In denheissen Ländern darf die Weingeistmenge bis auf das Doppelte erhöht, der Wasserzusatzdementsprechend vermindert werden.) Gall.: 100,0 getrocknete Klatschrosen lässtman, mit 1500,0 siedendem Wasser übergössen, 6 Stunden stehen, presst aus, lässt absetzenund bringt 100 Th. Seihflüssigkeit mit 180 Th. Zucker durch einmaliges Aufkochen zumSirup. Dietekich: 50,0 getrocknete Klatschrosenblätter digerirt man 4 Stunden beihöchstens 35° C. mit 1,0 Citronensäure und 400,0 Wasser, presst aus, kocht in einem blankenKupferkessel auf, filtrirt und bringt 350,0 Filtrat mit 650,0 Zucker zum Sirup. Zinnerneund eiserne Geräthe sind bei Bereitung dieses Sirups zu vermeiden. Dunkelrother Sirup,im Handverkauf ein beliebtes Hustenmittel für Kinder.

Papaverinum.

I. f Papaverinum. Papaverin. Opium-Papaverin. C 20 H 21 NO 4 . Mol. Gew. = 330.

Eine zu 0,51,0 Proc. im Opium enthaltene Base.

Darstellung. Fabrikmässig gewinnt man das Papaverin als Nebenprodukt beider Abscheidung des Morphins nach verschiedenen Verfahren. Im pharmaceutischen Labo-ratorium kann man zu Uebungszwecken wie folgt verfahren:

Der wässerige Opiumauszug wird mit Aetznatronlauge versetzt, der dadurch bewirkteNiederschlag (welcher gleichzeitig viel Morphin enthält), mit Weingeist digerirt, der wein-geistige Auszug eingetrocknet, der Bückstand mit verdünnter Salzsäure aufgenommen, dieseLösung filtrirt und mit Ammoniakflüssigkeit versetzt. Der harzähnliche Niederschlag wirdgesammelt, getrocknet, mit gleichviel Weingeist zu einer sirupdicken Masse angerieben undmehrere Tage an einen kaum lauw T armen Ort gestellt. Die dann krystallinische Masse wirdausgepresst, durch Lösen in Weingeist, Behandlung mit thierischer Kohle und Umkrystallisirengereinigt. Beim ferneren Umkrystallisiren in der salzsauren Lösung findet sich in derMutterlauge der Rest Narkotin, welcher dem Papaverin etwa noch anhing (Merck). Oderman krystallisirt das unreine Papaverin aus der Oxalsäuren Lösung um.

Eigenschaften. Aus Alkohol krystallisirt, farblose neutrale, geschmacklose, zartePrismen, welche bei 147° C. schmelzen. Sie sind in kaltem Wasser fast unlöslich, schwer-löslich in kaltem Alkohol, desgl. in Aether und in Benzol, leichter löslich in heissemAlkohol, leicht löslich in Chloroform und in Aceton. Tertiäre Base; die Salze des Papaverinssind in Wasser meist schwer löslich, leichter löslich in Alkohol. Gegen Reagentien ver-hält sich das Papaverin wie folgt: