Druckschrift 
2 (1902)
Entstehung
Seite
552
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

^vpp

552

Paeonia. Panis.

Paeonia.

Gattung der Ranunculaceae Paeonieae.

I. Paeonia officinaÜS L Heimisch in Südeuropa, vielfach als Gartenpflanzekultivirt. Mit krautigem Stengel, fiederig zusammengesetzten Blättern, aufrechtenFrüchten. Verwendung finden:

1) Die Wurzeln, die zu länglichen, gegliedert ästigen Knollen verdickt sind:Radix Paeoniae. Päonienwurzel. Racine de pivoine offlcinale (GalL). Sieenthalten bis 25 Proc. Stärke, 5 Proc. Zucker, viel Gerbstoff. Das wässerige Destillatsoll nach Blausäure riechen.

Früher als Epilepsiemittel verwerthet, auch neuerdings sollen mit dem FluidextraktErfolge erzielt sein.

2) Die Blüthen: Flores Paeoniae. Flores Rosae benedictae. Päonien-Müthen. PflngstrosenMüthen. Oichtrosenblüthen. Fleur de pivoine offlcinale.Sie sind von süsslich-zusammenziehendem Geschmack, frisch von widerlichem Geruch.

Man verwendet sie als Bestandtheil von Bäucherspecies.

3) Die Samen. Sie sind erhsengross, oval, glänzendschwarz, geruchlos, von öligemGeschmack. Sie sollen ein Alkaloid enthalten.

Sie finden Verwendung zu Halsbändern für zahnende Kinder.

Epilepsiemittel von Froendhoit. Ein Säckchen mit Bernsteingrus, Krebsaugeu,Korallen und Päonienkernen, das auf der Herzgrube getragen werden soll.

Fpilepsiemittel der Frau Grossherzogin von Mecklenburg-Schwerin; ausder Hofapotheke in Schwerin, sind Pulver aus 1 Th. kohlensaurem Kalk und 9 Th. Päonien-wurzel.

II. Paeonia KlOUtan Sims. Heimisch in China und Japan.Phonzo Zoufou."Verwendung findet die Wurzel (Botan-Wurzel) resp. deren Binde gegen nervöseLeiden. Die letztere besteht aus Bohren, sie ist 3 mm dick, dunkelgraubraun, runzelig.Markstrahlen 12 reihig. Im Parenchym Oxalatdrusen und Stärke z. Th. in zusammen-gesetzten Körnern. Geruch und Geschmack an Sassafras erinnernd. Enthält zu 4 Proc.Paeonol (p-Methoxy-o-Oxyacetophenon), das wirkungslos zu sein scheint.

III. Paeonia albiflora Pall. in Sibirien, Japan und dem Himalaya. Die Wurzelwird als Gemüse gegessen und bei Frauenkrankheiten verwendet.

IV. P. obOVata Maxim. In Yesso.Horap und Orap." Die Wurzel wirdinnerlich gegen Magenbeschwerden, äusserlich auf Wunden, der Saft der gekautenSamen bei Augenentzündungen und die Samen mit Tabak geraucht gegen Ohrenschmerzenverwendet.

Panis.

Panis. Brot. Pain (franz.). Bread (engl.).

Das bekannte, aus verschiedenen Getreidefrüchten, vorzüglich aber aus Boggen oderWeizen hergestellte Gebäck.

Boggenbrot. Zur Herstellung wird Boggeiimehl zu einem dünnen Brei angerührtund mit dem von einem früheren Gebäck herrührendenSauerteig" versetzt. Nach etwa12 stündiger Einwirkung des letzteren ist ein Theil der Stärke in Zucker verwandelt unddieser z. Th. zu Kohlensäure und Alkohol vergohren. Man bereitet nun durch Einknetenvon weiteren Mengen Boggenmehls einen derben Teig, lässt diesen noch einige Zeit inder Wärme stehen. Infolgedesseu wird der zähe Teig, weil sich die Kohlensäurebläschenin seinem Innern ausdehnen, lockerer, d. h. der Teig geht auf. Bringt man diesen auf-gegangenen Teig in eine Wärme von 160300° C. (in den Backofen), so entweichenWasser und Alkohol dampfförmig, die Kohlensäurebläschen im Teige dehnen sich aus und