Druckschrift 
A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
Entstehung
Seite
138
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

138

Resolventia, Resobbentia, Antidyscrasica.

lischem Zustande auf verschiedenen Wegen und in verschiedenen Formenin den Organismus gelangen: z. B. als Dampf inspirirt, dringt es indie Alveolen und schlägt sich, wohl niedergerissen von Wasser-dampf, der sich condensirt, in Form feinster Kügelchen nieder,welche bei ihrer relativ grossen Oberfläche der umgebenden, Chlor-natrium und Eiweiss enthaltenden Flüssigkeit Gelegenheit bieten, einlösliches und alsdann zur Resorption kommendes (s. unten) Queck-silberpräparat entstehen zu lassen. Aehnlich liegen die Dinge bei An-wendung der (fein zertheiltes Quecksilber enthaltenden) grauen Salbeauf der Haut (Inunctionen). Dass hierbei das Quecksilber in m etal-lisch em Zustande ins Innere gehe, ist unmöglich. In fein vertheil-tem Zustande wird das metallische Hg auch vom Verdauungstractuszu einem Theile gelöst und gelangt so zu Resorption und localer Wir-kung ; hierfür ist nicht die Masse, sondern die Grösse der — chemischangreifbaren — Oberfläche entscheidend; in nicht vertheiltem Zustandeverschluckt, kann eine tausendfach grössere Menge ohne erheblichespecifisch-physiologische Wirkung den Darm passiren.

Die meisten anderen Quecksilberpräparate können sowohl vomMagendarmcanal als auch (am leichtesten, wenn sie wasserlöslichsind) vom Unterhautzellgewebe u. s. w. aus resorbirt werden; nur derZinnober (Quecksilbersulfid) ist unauflöslich für den Körper. Die inWasser löslichen Quecksilbersalze wirken ional; das Hg-Ion bildet(vielleicht nur Mercuri-, nicht Mercuro-) Albuminatverbindungen,das Säure-Ion befriedigt sich ebenfalls. Die Hg-Eiweisskörpersind theils im Ueberschuss von Eiweiss, theils durch Hinzutretenanderer Substanzen, wie Chlornatrium, Salzsäure u. s. w., lös-lich, so dass der Uebergang dieser Verbindungen in das Blut als lös-• liehe Albuminate wohl verständlich ist. Die in Wasser unlöslichen Ver-bindungen, Calomel und Jodür, gehen unter dem Einflüsse von Eiweisszumal in der lebenden Zelle bei Anwesenheit von Chlornatrium (undzumal von Salzsäure und Chlornatrium, wie im Magen) vielleicht zu-nächst in Sublimat über und bilden jedenfalls wie dieses mit dem Ei-weiss (salzsäurefreie und chlorfreie) Quecksilberalbuminate; Analogesgilt von den Oxyden; das Jodid hat zum Uebergange in Sublimat undin Quecksilber-Albumin ate alle Gelegenheit.

Den Hauptantheil des Quecksilbers scheidet der Organismus inner-halb weniger Tage aus (ein kleiner Theil scheint zeitweilig liegen zubleiben und gelegentlich, schubweise zur Elimination zu gelangen); dieAusscheidung erfolgt als Chlorid-Doppelverbindung (mit Natrium undKalium) im Harn, in der Galle und den Darmsäften, im Speichel u. s. w.

Besonders beachtenswerth ist, dass die Hg-Präparate in medici-