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Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde : mit 81 Taf.
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toiligt.) Sie bleiben nur an medizinisch unbrauchbaren Samenaus und treten sowohl bei Kombe wie Hispidus vortrefflichein. Sie sind ein vorzügliches Mittel zur Identifizierungguter Strophanthiissamen.

Der Inhalt des Endosperms und der Kotyledonen ist beiKombe und Hispidus derselbe. Auch die Aleuronkörner bietenkeinen Unterschied.

Bereits oben habe ich erwähnt, dafs frühzeitig am Chalazal-ende des Ovulums ein Haarschopf (coma) entsteht (Fig. 10).Derselbe wird frühzeitig recht beträchtlich und besteht schonaus vielen langen Haaren, wenn die Epidermis der Samen-schale noch ganz kahl ist. Löst man einen in diesem Stadiumbefindlichen unreifen Samen aus der frischen Frucht heraus,so sieht man ihn sehr deutlich (co, Fig. 13). Der Droge fehlter aber ganz. An der Stelle, wo er zu suchen wäre, liegt einkahler Fleck. Forscht man dann nach, so findet man, dafser an der Placenta sitzen geblieben ist, als sich der Same,ablöste. Er bildet nämlich am reifen Samen einen basalenden Samen rings einhüllenden Mantel (Fig. 14 a, co), der sich,wenn der Same reif ist, an der Samenbasis ablöst. An demglatten, eng anliegenden Haarmantel gleitet der Same alsdannaufserordentlich leicht heraus, wie ein Schiff auf den glattenPlanken beim Stapellauf. Die Coma bleibt an der Placentasitzen. Die Haare der Coma sind mehrere Centimeter langund relativ dünnwandig. Sie sind an der Basis schmal undkegelförmig, verbreitern sich dann aber rasch und krümmensich nach oben um, den Samen einhüllend. Ihre AVand zeigtbisweilen Querstreifung bezw. feine Netzleisten. Löst man sieab, so läfst sich leicht feststellen, dafs sie unter dem wech-selnden Einflüsse vor feuchter und trockener Luft Bewegungenausführen. Legt man nämlich ein solches an der Busis haken-artig gekrümmtes, sonst aber gerades Haar unter eine feuchteGlocke, so beobachtet man, dafs es sich deutlich bogen-förmig krümmt und zugleich eine Torsionsbewegung ausführt.Die Ablösung des Samens von der Coma und das Heraus-treiben des ersteren ans der Comahülle wird also immer dannerfolgen, wenn zu dem trockenen Objekt Feuchtigkeit, sei esauch nur Wasserdampf, tritt. Alsdann stemmen sich dieHaarspitzen gegen den Samen, die Haarbasen reifsen ab undder Same gleitet heraus.

Auch an der Spitze des Samens liegt bei Kombe undHispidus ein beweglicher farbloser Haarschopf. Schon obenhabe ich bereits erwähnt, dafs die Spitze des Samens in einehaartragende Granne ausläuft. Die Basis dieser Granne istrinnenförmig und wie der obere Teil des Samens noch dichtmit aufwärts gerichteten Haaren besetzt. Die Haare sindhier aber sehr kurz und derb. Weiter nach oben verschwindensie ganz und die Granne besteht hier nur aus der derbenEpidermis und einigen Reihen obliterierten Parenchyms(obl, Fig. 24). Die Mitte ist hohl. Die Epidermis ist voll-ständig sclerotisiert. Sie besteht aus kurzen, stark verdicktenSclereiden, die meist nur wenig in die Länge gestreckt sind(Fig. 23). Die Granne ist also sehr brüchig. Weiter oben,dort, wo die Haare sitzen, fehlt diese sclerotisierte Epidermis

und nur das obliterierte Parenchym findet sich auch hier(obl, Fig. 19). An Stelle der sei erotisierten Epidermis tretendie Haare, deren Wand verholzt ist. Dieselben sind derGranne auf eine weite Strecke angewachsen, laufen an ihrherab (Fig. 20). An der Stelle, wo sie der Granne ansitzen,ist die Wand getüpfelt (tpf, Fig. 20). Dort, wo das Haarfrei nach aufsen tritt, besitzt es eine Gelenkstelle. Hier(bei X, Fig. 20) ist die Wand sehr dünn. Weiter nach aufsenist das Haar auf den beiden Seiten ungleich gebaut. Diegegen die Granne gerichtete Seite ist stark verdickt (%, Fig. 19u. 20), die andere meist, aber nicht immer dünner (y, Fig. 19u. 20) und diese Seite zeigt eine sehr eigenartige Skulptur.Man sieht nämlich bei Betrachtung von der Fläche zahlreichefeine gerade oder Netzleisten, die meist etwas schräg verlaufenund eine zarte, ebenfalls schief um das Haar laufende Längs-streifung (Fig. 22). Die Spitze der Haare ist kegelförmig(Fig. 21). Betrachtet man ein Haar unter Glyzerin, so istes etwa 3040 mik dick. Läfst man Wasser zufliel'sen, soverbreitert es sich auf 4045 mik. Legt man die Granne,deren Haare in trockener Luft horizontal abstehen oder garnach unten geneigt sind (Fig. 14 a) unter eine feuchte Glocke,so richtet sich der Haarschopf pinselförmig auf (Fig. 14 b),um nach Entfernung der Glocke nach kurzer Zeit wieder indie ursprüngliche Lage zurückzukehren. Die Bewegung erfolgtauch an trockenem Material, dem die Inhaltsstoffo durch Wasserund Alkohol entzogen sind. Auch das Abbrechen der Spitzehindert die Bewegung nicht.

Folgende Ausführung giebt eine Deutung des Be-wegungsmechanismus.

Die Membran dieser Haare ist an der Krümmungsstelle(X y, Fig. 20) auf ihrer Aui'senseite, der sogenannten dyna-mischen Seite (y, Fig. 20) so beschaffen, wie bei den so-genannten dynamischen Zellen, d. h. sie kontrahiert sich inder Längsrichtung stärker (oft um 5 7 Proz.) als die Zell-haut gewöhnlicher Haare oder anderer Zellen, also auch stärkerals auf der Innenseite des nämlichen Haarteils. Die optischeElastizitätsellipse liegt auf der Aufsenseite (y, Fig. 20) quer-tangential, also in der Richtung der Striche der Skulpturierung,auf der Innenseite (z, Fig. 20) longitudinal, d. h. in d erLängsrichtung der Zelle, wie bei den Zellhäuten gewöhnlich.Dies kann man sich durch das Polarisationsmikroskop sicht-bar machen. Betrachtet man die Haare mit GypsblättchenRoth I, so erscheint bei bestimmter diagonaler Orientierungder Ellipse des Gypsblättchens die Basis des Haares dort, wodasselbe angewachsen ist und der ganze, oberhalb der Krüm-mungsstelle liegende Teil bis zur Haarspitze blau (IL Ordnung).An der Krümmungsstelle dagegen, also dort, wo das Haardie Bewegung ausführt (etwa von xy (Fig. 20) ist nur dieInnenseite auf kurzer Strecke blau (IL Ordnung), die Aufsen-seite dagegen ebenso wie die mittlere Haarpartie gelb (L Ord-nung). Die Thatsache, dass die beiden Seiten an dieser Stelleentgegengesetzte optische Reaktionen zeigen, gestattet denSchluss, dass die stärker schrumpfenden Membranpartien derKonkavseite Querstruktur, die entsprechende Membranpartie