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Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde : mit 81 Taf.
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Tafel 65.

Herb. Stramonii.

Fol. stramonii, Steehapfelblätter, Feuilles de stramoine, Stramomum leaves, Thornapple-leaves,

Jimpson Weed.

Von Datura Stramonium L. sind sowohl die be-blätterten Sprosse, wie auch die Samen in arzneilicher An-wendung.

Die blütentragenden Pflanzen zeigen folgenden morpho-logischen Aufbau.*) (Fig. 1\) Auf die Keimblätter folgt zu-nächst an dem geraden, krautigen, stielrunden, meist kahlen undhohlen Stengel ein System spiralig gestellter Blätter. DieseLaubblätter bringen bis auf die zwei obersten nur kleineAchselknospen hervor. Aus der Achsel dieser obersten Blätteraber treten kräftige Seitenachsen hervor, die die Fortsetzungdes Sprofssystems übernehmen. Der Hauptsprofs (I) endigthier in einer Blüte. Scheinbar auf gleicher Höhe mit der-selben steht ein Laubblatt (b) und zwei Seitensprosse (II) , sodafs vier Organe einen Quirl bilden würden: eine Blüte, einLaubblatt und zwei extraaxilläre Seitenachsen. Dies ist aberthatsächlich nicht der Fall, sondern das Laubblatt ist von demtiefer liegenden Knoten hinaufgewachsen, gehört also morpho-logisch gar nicht an die Stelle wo wir es finden und diebeiden Seitenachsen stehen in der Achsel von Blättern (u und /3),die ebenfalls um ein Internodium hinaufgeschoben sind unddie wir also am nächsthöheren Knoten suchen müssen. Mankann sagen, die Seitenachsen haben ihre eigenen Deckblättermit in die Höhe geschoben. Thatsächlich liegen also die Ver-hältnisse so, dafs an der Stelle, wo wir die genannten vierOrgane finden, eigentlich fünf liegen: die den Hauptsprofsabschliefsende Gipfelblüte, unter derselben zwei Blätter undin den Achseln derselben je ein den Hauptsprofs übergipfeln-der Seitensprofs. Das Laubblatt desScheinquirls" ist das Deck-blatt der Gipfelblüte. Dies Spiel wiederholt sich nun an jederder Seitenachsen. Der viergliedrige Scheinquirl, den wir amnächsthöheren Knoten finden, ist daher wieder in der gleichenWeise wie oben zu interpretieren: das dort stehende Laub-blatt a oder ß gehört eine Etage tiefer u. s. f. Die Folgedieser merkwürdigen Verzweigungsart ist: dichotome odertrichotome Verzweigung der relativen Hauptachse, scheinbar

*) An dieser Stelle sei ein Versehen berichtigt, welches sich indie Tafel 39 eingeschlichen hat. Wie im Text richtig ausgeführtwird, ist die Infloreszenz von Hyoscyamus niger ein Wickel. In derdazu gehörenden Fig. l a ist aber durch ein Versehen eine Schraubeldargestellt.

extraaxillär entspringende Seitenachsen und in den Dichoto-mien in derGabel" stehende Blüten. Dafs das Blatt,welches der Blüte gegenüber in der Gabel steht, thatsächlichmit seinem Blattstiel von der nächst tieferen Etage herauf-gerückt und in seinem Blattstiele mit dem Sprosse verwachsenist, zeigt die anatomische Untersuchung der darunter liegen-den Sprofspartie. Man sieht im Bündelkreise deutlich, woder Blattstiel mit dem Sprosse verwachsen ist.

Die beiden Seitensprosse entwickeln sich nun entwedergleichmäfsig (Fig. l il ) oder und dies pflegt besonders nachoben hin der gewöhnliche Fall zu sein der eine ist gegen-über dem anderen gefördert. Im letzteren Falle wird dieDifferenz" in der Gröfse schliefslich so grofs, dafs die Knospedes zurückbleibenden Seitensprosses sich gar nicht entfaltet,aus ihr eine Seitenachse nicht entsteht, also auch das Deck-blatt nicht von seinem ursprünglichen Platze emporgehobenwerden kann, sondern stehen bleibt und mit dem empor-gehobenen Deckblatt des nächst niederen Internodiums gepaarterscheint (Folia geminata). Ist die einseitige Förderung deroberen Sprofsglieder eine regelmäfsige und alternierende, soentsteht eine wickelige Infloreszenz. Bei den letzten oberstenGliedern der Infloreszenz wird dann schliefslich auch der ge-förderte Sprofs nur noch wenig gestreckt oder bleibt schliefs-lich ganz kurz. Dann sitzen zwar scheinbar drei Blätter aneiner Stelle (Folia trigeminata): das Deckblatt der Endblüte,das Deckblatt des sogenannten geförderten und das des nichtgeförderten Seitensprosses.

Die wenig behaarten, krautigen, aufserordentlich raschwelkenden Blätter sind relativ lang gestielt. Der runde,oben gefurchte Blattstiel wird bisweilen 6 cm lang, sein Durch-messer beträgt 13 mm. Die Lamina ist 420 cm langund unten 315 cm breit. Die unteren Blätter sind oblong-eirund, am Grunde keilförmig, oben spitz, die oberen breit-eiförmig, im unteren Viertel am breitesten. Der Rand ist un-gleich buchtig gezähnt.

Der Querdurchmesser der Blätter ist gering. Er beträgtcirca 0,225 mm. Das Mesophyll besitzt den typischen Baubifacialer Blätter. Eine Schicht von langen, schmalen Palis-saden, deren Höhe oft die Hälfte des Blattquerschnittes über-trifft, liegt auf der Oberseite, ein reichdurchlüftetes Merenchym

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