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Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde : mit 81 Taf.
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Tafel 64.

Rhiz. Hydrastidis.

Rhiz. hydrastis, Goldsiegelwurzel, Kanadische Gelbwurzel, Rhizome d'hydrastis, Sceau d'or, Racine jaune,

Golden seal, Yellow puceoon, Yellow root.

Das Ehizom der vornehmlich in Ohio, Indiana, Kentuckyund West-Virginien vorkommenden Raminculacee Hydrastiscanadensis L. ist einige (bis 5) Centimeter lang und 2 bis10 mm dick, aufsen graubraun oder braun, innen gelb, warzig-höckerig und ringsum reichlich mit oft ziemlich langen Wurzelnbesetzt. Durch oft recht zahlreiche kurze Stengelreste bekommtdas Rhizom ein unregelmäfsig höckeriges, bisweilen fast ge-zähntes Aussehen. Durch zahlreiche, sehr kurze, manschetten-artig ringsumlaufende Niederblätter erscheint es quergeringelt.

Durchmustert man die Droge, die aus den ganzen Rhi-zomen mit daran sitzenden Wurzeln und den Resten des jüng-sten blatttragenden Sprosses besteht, so kann man leichtExemplare finden, an denen der morphologische Aufbau fest-zustellen ist. Darnach entwickelt sich das Rhizom zunächstracemös, d. h. die Gipfelknospe wächst jedes Jahr ein Stückweiter. Späterhin entstehen an dem entweder geraden, hori-zontal kriechenden oder hin und her gebogenen oder senk-rocht im Boden stehenden Rhizom Seitensprosse und die Ver-zweigung wird sympodial (Fig. 1 und 2). Die Gipfelknospeentwickelt einen oberirdischen Sprofs. Derselbe stirbt ab unddas primäre Sprofsende wird von einem sekundären Seiten-sprosse oder mehreren (II) übergipfelt, die dann ihrerseitsnach dem Absterben der oberirdischen Teile wieder vonSprossen dritter Ordnung (III) übergipfelt werden u. s. f. Derjüngere Abschnitt des Rhizoms besteht also aus Sprofsstückenverschiedenen Grades. Da nun die Seitensprosse ziemlich dichtstehen (die zwischenliegenden Rhizomstücke also gestaucht er-scheinen) und ihr unterirdischer Teil kurz und gedrungen bleibt,so entwickelt sich schon aus Gründen des Raumes ist diesnothwendig der zum oberirdischen Sprosse auswachsendeSeitenast schraubel-wickelartig bald auf dieser, bald auf jenerSeite des Rhizoms, bald rechts, bald links, bald oben, baldunten. Die aufeinander folgenden Sprosse liegen also nichtin einer Ebene (Fig. 1). Dadurcli erhält das Rhizom jenesbizarre Aussehen und die hin und her gebogene und ge-krümmte Form, die man an so vielen Stücken der Drogebeobachtet. Es können nun in einem Jahre entweder einoder mehrere oberirdische Sprosse gebildet werden. Aber die-selben pflegen nur einer und derselben Sprofsregion anzu-gehören, also morphologisch gleichwertig zu sein. Während alsoSprofs I (Fig. 1 u. 2) wohl die Bildung mehrerer Jahre repräsen-tiert, gehört Sprofs II, III, IV u. s. f. je einem Jahre an. DieSeitensprosse entstehen in den Achseln schmaler, ringsumlaufender Niederblätter. Da die Wurzeln ebenso unregelmäßigentstehen wie die Seitensprosse und ringsum am Rhizom ge-bildet werden, erscheint das Rhizom, besonders das senkrechtgestellte, häufig völlig eingehüllt von Wurzeln.

Die Stellen, wo oberirdische Sprosse ansafsen, erscheinen

TBChircll uii'l Oesterlp, Anatomischer Atlas.

bei der Droge keulig verbreitert und an der Spitze napfartigvertieft (Fig. 2, x).

Der Querbruch des trockenen Rhizoms ist hornartig gelb,bisweilen glänzend, meist matt.

Das Lupenbild des Querschnittes (Fig. 3) zeigt einenKreis von circa 14 Gefäfsbündoln, doch wechselt die Zahletwas. Man findet manchmal auch einige mehr (bis 19) oderweniger (10 bis 12). In der Breite variieren sie ziemlich.Neben breiten Bündeln findet man schmale, die aussehen, alswären sie von den breiten abgespalten. An den Seiten desBündelringes ist oft eine Lücke (Fig. 3j, auch sonst ist die Ver-teilung der Bündel eine ziemlich unregelmäfsige. Es hängt diesoffenbar mit der ebenfalls unregelmäfsigen Verteilung der Wurzelnzusammen. Breite Bündel wechseln mit schmalen in unregel-mäfsigen Abständen, bald sind einmal mehrere gröfsere (meistdrei) einander genähert, bald liegen einzelne kleine in grofsenAbständen voneinander. Auch Querbrücken zwischen den Bün-deln, über die Markstrahlen hinweg, kommen vor. (X, Fig. 3.)

Der anatomische Bau des Rhizoms ist folgender.Zu äufserst liegt eine schmale Korkschicht von 23 Zell-reihen (k, Fig. 5). Dann folgt ein dickwandiges, reich durch-lüftetes Parenchym rundlicher Zellen und dann dünnwandigesParenchym. Die Parenchymzellen sind nur wenig in dieLänge gestreckt. In der folgenden Zone findet sich der Kranzvon Gefäfsbündoln (gfb, Fig. 3). Die Ursache der oben er-wähnten, eigenartigen Querschnittsbilder der Gefäfsbündelzoncliegt in der Orientierung der Bündel in der Fläche. Betrach-tet man nämlich einen tangentialen Längsschnitt durch dieBündelzone, so sieht man, dafs dieselbe ein Netzwerk anasto-mosierender Bündelstreifen bildet (Fig. 4). Die unregelmäfsigenMaschen dieses Netzes sind etwas gestreckt. Die Queranasto-mosen erscheinen im Querschnitte des Rhizoms als die Bündelda und dort verbindende Brücken (vergl. oben). Der unregel-mäfsige Verlauf der Bündel zeigt sich auch auf dem medianenLängsschnitte, wo man niemals die Bündel auf längere Streckenhin verfolgen kann (Kg. 2).

Die Gefäfsbündel zeigen ein sehr schön ausgebildetesReihenkambium (c, Fig. 5 u. 6). Auch die innersten Schichtendes Siebteils lassen die reihenförmige Anordnung der Zellennoch deutlich erkennen, so dafs man die Tochterzellen einerKambiummutterzelle leicht feststellen kann. Zu äufserst siehtman die kleinen primären Siebbündel (sb, Fig. 5). Innerhalbdes Kambiums folgen dann die im Querschnitt stark radial-gestreckten Gefäfsteile der Bündel, die aus Gefäfsen, Holz-parenehym und Libriform bestehen.

Die Gefäfse des gegen das Mark hin gelegenen primärenGofäfsteiles (pgth, Fig. 5) sind schmal und eng, die des se-kundären weif (///; Fig. 5). Sie sind reich getüpfelt und be-

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