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Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde : mit 81 Taf.
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Ausbildung der Sclereiden und ihre buchtige Begrenzungslinieentstehen kleine Mulden und diese sind es, die die feinegrubige Punktierung der Oberfläche des reifen Samens be-dingen. Die Sclereiden sind bis 250 mik lang und circa10 mik breit.

Die innere Epidermis des zweiten Integumentes zeigtfrühzeitig eine deutliche Radialstreckung (Fig. 10, 6), die ziem-lich lange erhalten bleibt (Fig. 11 u. 12, 6), später aber einerTangentialstreckung Platz macht (Fig. 13, 6). Beim reifenSamen zeigen die Zellen dieser Schicht eine ziemlich be-trächtliche Tangentialstreckung (Fig. 14, 6), dicke Wände undeinen braunen Inhalt von Phlobaphencharakter. Diese Schichtbildet die Pigmentschicht. Auf dem Flächenschnitte er-scheinen die Zellen der Pigmentschicht fast quadratisch mitgetüpfelten Wänden (Fig. 27 b). Der braune, in Äther, Alkohol,Kali fast unlösliche Inhalt wird mit Bisenchlorid blauschwarz.Der Samenschale der hellgelben indischen Leinsamenfehlt die Pigmentschicht. Innerhalb der Sclereidenschicht folgthier eine Zone obliterierten Gewebes.

Der Nucellus (Fig. 8, Nuo) wird frühzeitig durch denheranwachsenden Embryosack resorbiert. In letzterem be-ginnt die Endospermbildung vom Rande her zu der Zeitwo die innere Epidermis des zweiten Integumentes bereits Tan-gentialstreckung zeigt (Fig. 13, End). Im reifen Samen umgiebtdas Endosperm den Keimling ringsum. Es ist aber von verschie-dener Dicke. Im Hauptteile des Samens ist es an den Kantensehr schmal, an den Flächen etwa 3 6 Zellen breit {End, inFig. 7, 14 u. 15). Oben, dort wo die Kotyledonen in die Radi-cula übergehen (Fig. 5a), ist seine Breite verschieden, ambreitesten ist es im obersten Teile, dort, wo die Radicula liegt(Fig. 5 b), und an den Kanten des Samens. Dort erreicht seineBreite 15 Zellreihen und mehr.

Der Keimling besteht aus einer kurzen, kegelförmigen,circa 0,5 mm dicken Radicula {Rad, Fig. 4 u. 6), der kleinenzwischen den Kotyledonen liegenden Plumula und zwei breitenund flachen, im Querschnitte plankonvexen Kotyledonen{Cot, Fig. 4, 5, 6 u. 7). Die Palissadenseiten der Kotyledonen{p, Fig. 23) liegen innen, also gegeneinander gerichtet. DieDicke der Kotyledonen beträgt 1015 Zellreihen. Das dünn-wandige, von 2530 Prokambiumsträngen durchzogene Ge-webe (Fig. 23) der Kotyledonen enthält reichlich Aleuron-körner, eingebettet in Ölplasma, keine Stärke. Die Aleuron-körner sind am besten in einem Präparate zu sehen, das inAlkohol liegt. Hier lassen sie deutlich ein kugelrundes Globoidund ein oder mehrere undeutlich eckige Kristalloide erkennen(Fig. 28 a). Läfst man dann wässerige Jodlösung zufliesen, solöst sich die Grundsubstanz, die Hüllhaut wird blasig auf-getrieben, das Kristalloid oder die Kristalloide färben sich gelbund das Globoid bleibt zunächst farblos. Beide treten alsdanndeutlicher hervor (Fig. 28 c). Erst bei längerer Einwirkungdes Jods färbt sich auch das Globoid schwach gelblich.

Jede Zelle der Kotyledonen enthält 25 grofse Aleuron-körner von 101519 mik Längsdurchmesser. Sie werden be-gleitet von zahlreichen, ganz kleinen Aleuronkörnern, die meistnur 12 mik Länge zeigen und die rundlich oder stäbchen-

Tschircb und Oesterle, Anatomischer Atlas.

förmig sind (Fig. 28 b). Sie führen die gleichen Einschlüssewie die grofsen. Die Kristalloide der grofsen Aleuronkörnerbesitzen meist nicht scharfe Kanten und Ecken, sondern ab-gerundete. Das gewöhnlich am schmäleren Ende des Aleuron-kornes liegende Globoid ist rund. Seine Partialmembranist bisweilen gefaltet, so dafs die Oberfläche fein punktierterscheint. In der äufsersten Zellreihe der Kotylen finden sichkleinere Aleuronkörner von circa 2 5 mik Durchmesser,welche für gewöhnlich nur mehrere kleine Kristalloide, aberkeine Globoide enthalten.

Die Bildung der Aleuronkörner beginnt erst, wenn dieKotyledonen völlig ausgebildet sind. Zuerst entstehen dieKristalloide und die Globoide, dann umgeben sich beide mitGrundsubstanz und Hüllhaut.

Die Aleuronkörner des Endosperms (Fig. 28 d) sind nichtganz gleich ausgebildet wie die der Kotyledonen (Fig. 28 a).Sie enthalten viel weniger deutlich ausgebildete Kristalloideund kleine oder wohl auch gar keine Globoide. Ihre Umriss-linie ist häufig lappig (Fig. 28 d). Sie quellen in Wasser undJodlösung leichter. Auch sonst weicht der Inhalt der Zellendes Endosperms von dem der Kotyledonen ab. Während beimEinlegen der Schnitte in Osmiumsäurelösung das Ölplasmader Kotyledonen sich gleichmäfsig bräunt und die Aleuron-körner als helle Körper in der braunen Grundmasse liegenbräunt sich der Inhalt der Endospermzellen wenig oder garnicht. Sie enthalten also kein Ölplasma oder nur sehr wenigdavon. Auch bei der Keimung verhält sich der Inhalt derbeiden Gewebe verschieden. Zunächst löst sich der Inhaltdes Endosperms, das rasch zusammenfällt und vie 1 später erstdie Aleuronkörner der Kotyledonen.

Das fette Öl, als Ölplasma in der Zelle vorhanden, be-trägt circa 30 Proc. der Samen.

Die Zellwände von Kotyledonen und Endosperm werdenoft mit Jod direkt gebläut, bestehen also dann aus Amyloid.

Die Keimung erfolgt epigä in der Weise, dafs dieSchleimhülle (Sh, Fig. 24) des Samens diesen am Boden fest-klebt (Fig. 24), um das Eindringen des Würzelchens in denBoden zu sichern. Dann streckt sich das hypocotyle Glied(hp) und hebt die Kotyledonen und die Plumula über dieBodenoberfläche. Nunmehr ergrünen die Kotyledonen, streifendie Samenschale ab (Fig. 25) und beginnen, nachdem sie sichausgebreitet haben, als Assimilationsorgane zu fungieren (Fig. 26).

Der fertige Same (Fig. 3 6) ist etwa 4 6,5 mmlang und 2,53 mm breit, länglich eiförmig, plattgedrückt,etwa 1 mm dick. Sein Gewicht beträgt meist 0,0040,0054 g,doch finden sich Differenzen; so wiegen die russischen Lein-samen oft bis 0,oi, die türkischen 0,009. Die Farbe ist gelb-braun bis dunkelrotbraun bei der var. vulgare, heller bei var.crepitans, die indischen Leinsamen sind gelb oder lichtbräun-lich. Die Oberfläche ist infolge der Schleimepidermis glän-zend, glatt; mit der Lupe betrachtet sehr feingrubig infolgeder von der Sclereidenschicht gebildeten kleinen flachen Mulden.An dem schmäleren Ende liegt unter dem rundlichen Köpfchen(X, Fig. 3), in dem sich die Radicula findet, seitlich an dereinen Schmalseite das Hilum, als feiner Punkt sichtbar {Hi,

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