Taf. 45.
Oryza.
Reis. Rice.
Der Reis, Oryza sativa L., wird in zahlreichen Kultur-varietäten, besonders in den Tropen, gebaut und kommt meistgeschält in den Handel.
Die zu zusammengezogenen Eispen vereinigten Ährchendes Reis sind alternierend an den Zähnen der Spindel an-geordnet, einblütig und von vier Glumis behüllt, von denendie zwei inneren gröTser sind als die zwei äufseren, tieferinserierten (gl und gl t , Fig. 1, 2, 6). Letztere fehlen bisweilenganz oder sind rudimentär. Die inneren (oberen) sind alszwei kleine Schüppchen an der Basis des Ährchens sichtbar(Fig. 1 u. 2, gl). Die Blüte besitzt nicht wie die übrigen Ce-rcalien drei, sondern sechs Stamina (Fig. 6). Im übrigen gleichtihr Bau dem der anderen Cerealien, d. h. es sind eine Paleainferior, eine Palea superior, zwei Lodiculae und zwei federigeNarben entwickelt.
Die G—7 mm lange, 2—2,3 mm breite Frucht ist von derSeite stark zusammengedrückt (Fig. 3), zeigt zwei seitlicheFurchen und wird von den miteinander verzahnten (Fig. 3u. 8) Spelzen (Paleis) dicht und fest umschlossen, die Spelzensind gross, knorpelig-lederig, 8—9 mm hoch, anliegend rauh-haarig. Die Palea inferior ist fünfrippig (Fig. 3) und trägt einemehr oder weniger (bis 50 mm) lange Granne (ge, Fig. 1).Die Palea superior ist dreirippig. Der Keimling der Fruchtist klein (Fig. 4) und stark gekrümmt (Fig. 5). Er läfst sich,da er etwas vorsteht (Fig. 4), leicht von der Frucht ablösenund fehlt der geschälten, d. h. von den Spelzen befreitenFrucht des Handels meist.
Die Palea inferior oder Deckspelze zeigt einen sehrcharakteristischen Bau. Zu äufserst liegt eine Epidermis, derenZellen sowohl an den Aufsenwänden wie den Innen- und Seiten-wänden stark verdickt sind (Fig. 7—11, i). Durchschneidetman die Palea quer, so erhält man ein verschiedenes Bild,je nachdem der Schnitt die in zwei Richtungen gewelltenSeitenwände auf eine gröfsere (Fig. 8 u. 9, l, Epa) oder kleinere(Fig. 7, l, Epa) Strecke getroffen hat. Im ersteren Falle siehtman diese Wände alsdann von der Fläche und die Luminader Zellen, die im letzteren Falle normal erscheinen (x, Fig. 7),als gestreckte Ovale (x , Fig. 9). Es rührt dies daher, dafsdie Seitenwände eine aufserordentlich starke Wellung bezw.Faltung zeigen (Fig. 11, l, Epa), bei der die Wellenbergekorrespondierender Wände nahezu aufeinander stofsen. Ist
nun der Querschnitt an den Wellenbergen (z. B. bei X, Fig. 11)geführt, so erhält man das in Fig. 9, l dargestellte Bild, ister an den Wollenthälern geführt (bei y, Fig. 11), das inFig. 7, i dargestellte. Im radialen Längsschnitt durch diePalea giebt die Epidermis das in Fig. 10, l wiedergegebeneBild. Die Aufsenwand der Epidermiszellen scheint auf denersten Blick getüpfelt zu sein (Fig. 7, 8, 9). Sie ist es aberthatsächlich nicht — es hätte dies ja auch bei Epidermis-zellen keinen Sinn —, der Eindruck der Tüpfelung wird viel-mehr dadurch hervorgebracht, dafs die Aufsenwand wellig ver-bogen ist und die Biegungen sehr dicht nebeneinander liegen.Die Wand der Epidermiszellen ist verldeselt. Besonders vonder Fläche gesehen, geben sie ein sehr charakteristisches Bild(Fig. 11).
An zahlreichen Stellen sind zwischen die typischenEpidermiszellen Haarzellen eingefügt (t, Fig. 7, 8, 10, 11),deren Wand gleichfalls verldeselt ist. Diese Haare sitzenganz besonders über den fünf Nerven, woselbst sie kamm-artige Streifen bilden. Gegen die Blattspitze hin sind siebesonders zahlreich und besonders lang. Sie sind ziemlichlang, bis 500 mik, gegen die Spitze des Blattes gerichtet(t, Fig. 11) und mit relativ nicht sehr dicker Wand undweitem Lumen versehen. Ihre Breite beträgt oft bis 40 mik.Unter der Epidermis folgt dann ein 1—4 zeitiger breiter Bast-zellstreifen (Fig. 7 u. 11, 2 u. 3), dessen äufsere Zellen sehrstark verdickt (Fig. 11, 2), dessen innere (Fig. 11, 3 u. IIa)nur schwach verdickt sind; alle haben ein relativ weitesLumen und sind verldeselt. Sie streichen in der Längsrichtungdes Blattes, sind oft 20 mik breit und oft unter sich und mitder Epidermis verzahnt. Diese Verzahnung kann man sicham besten sichtbar machen, wenn man die Zellen durchSchultzesche Maceration isoliert.
Die auf die Bastzellschicht folgende Partie ist ein ein-oder mehrreihiges Parenchym (Fig. 7, 8, 10, 11, i), das nichtselten obliteriert ist. Seine Zellen sind in Reihen angeordnet,die gleichsinnig mit den Bastfasern streichen, deren Querwändealso (querzellenartig) die Fasorschicht rechtwinklig schneiden.Die dünnwandigen Zellen dieser Schicht führen oft je einenkleinen Kristall (Fig. 11, 4). In dieser Schicht verlaufen diefünf Nervenbündel (gfb, Fig. 7 u. 8). Die innere Epi-dermis besteht bei den noch nicht völlig entwickelten