189
Palissadenepithel. Coleorhiza, Coleoptile (Cotyledon), Plumulaund Radicula (mit Calyptra) sind vortrefflich ausgebildet, undeignet siel) daher der Mais ganz besonders dazu, den Bau desGramineensamens im Practicum zu demonstrieren. Das ganzeKeimlingsgewebe, das dem der übrigen Gramineen (siehe Tri-tieiim und Hordeum) gleicht, ist reich an Eiweifs und Öl. DasOl desselben (das Maisöl, zu 22 Proz. in den Keimlingen ent-halten) ist Nebenprodukt der Maisstärkefabrikation.
Bei der hier wie bei den übrigen Cerealien hypogae er-folgenden Keimung durchbohrt zuerst die Radicula die Coleo-rhiza (Fig. 11), dann die Plumula die Coleoptile, den Cotyledon(Fig. 13). Das Scutellum fungiert als Saugorgan und bleibtim Samen stecken (Fig. 13). Bei der Keimung werden dieStärkekörner aufgelöst und zeigen eigentümliche Korrosions-erscheinungen (Fig. 12).
Die Mahlprodukte des Mais.
Das Maismehl wird besonders in Nordamerika fabrikmäfsigdargestellt und mit oder ohne Zusatz verbacken (Steamed Corn-bread). Auch ein Gries wird aus Mais hergestellt (Polenta).Aber auch die Maisstärke selbst ist Gegenstand des Grofs-betriobes und kommt als Maizena, Mondamin, Corn flour,Palamoud, Potage des sultanes und anderen Namen in denHandel.
Im Mehl findet man die Reste der Fruchtschale, die be-sonders an der Epidermis und der Mittelschicht erkennbar ist(Fig. 5, l u. 2). Die Querzellen und Schläuche sind auch auf-zufinden, freilich nicht immer deutlich, sehr gut die Aleuron-schicht (Kleberschicht). Die Hauptmasse des Mehles besteht ausden mehr oder weniger zertrümmerten Hornendospermzellen,isolierten Mehlendosperm-Stärkekörncm und dem zertrümmer-ten zartwandigen Gewebe des eiweifsreichen Keimlings.
Secale.
Roggen, Korn, Seigle, Seigle de oeres, Mannred Rye.
Vom Roggen, Secale cerealo L., sind verhältnismäfsigwenig Varietäten in Kultur, der mehrbliitige, der ästige, derWinter- und Sommerroggen.
Bezüglich des allgemeinen Baues der Ährchen sei aufTriticum und Hordeum verwiesen, da alle drei zu den llor-deae gehören und nahe verwandt sind.
Die Ährchen des Roggens sind zu einer dichten, nickendenAlu-e ohne Gipfelblüte vereinigt. Die Ährchen selbst (Fig. 14)sind zweiblütig (vergl. auch Taf. 46). Die mittlere, nur selten (beiVar. triflorum) ausgebildete Blüte ist zu einem langen, in derMitte stehenden Spitzchen verkümmert. Die das Ährchen behül-lenden zwei Glumae oder Hüllspelzen (gl, und gl, n Fig. 14)sind kürzer als das Ährchen, beide gleich lang und gleich-seitig-, schmal pfriemenförmig, mit starkem Mittelnerven auf«lern Rücken, der ganzen Länge nach gekielt und in einekurze Spitze auslaufend. Die lanzettliche derbe Palea in-ferior oder Deckspelze (pi, Fig. 14) ist sehr ungleichseitig,gekielt, fünfnervig, am Kiele steif borstig und neben demvom Kiele entfernten Rande gowimpert. Sie läuft in eines ehr lange, beiderseits mit steifen, nach oben gerichtetenBorsten kammartig bewehrte Granne (ge, Fig. 14) aus. DiePalea super ior oder Vorspelze (ps, Fig. 14) ist papior-artig dünn, zweikielig, beiderseits nach innen geschlagen undkurz und steif bewimpert.
Die länglich schmale Frucht (Fig. 15, 16) ist mit denSpelzen nicht verwachsen, an der Spitze behaart (Schopf,Bart). Die schmale, tief eingreifende Furche an der Bauch-seite erweitert sich innen zu einer rundlichen Rinne.
Der Beschreibung sei der Winterroggen, Secale cerealevulgare hybernum L., zu Grunde gelegt.
Die Gluma (siehe oben) ist sehr dünn, im Querschnittkahnartig. Nur in der Umgebung der zarten Mittelnervenviolschichtig. Hier liegt unter der derben äufseren (unteren)Epidermis ein Bastzellstreifen. Dann folgt das Mittelnerven-bündel und dann ein lückiges Parenchym. Die beiden Blatt-seiten sind gleich gebaut, rechts und links vom Mittelnervenwird das Blatt alsbald dünn. Unter der äufseren Epidermisliegt hier ein ein- bis zweischichtiger Bastzellstreifen. Dannfolgt alsbald die innere Epidermis, die Blattränder sind ein-schichtig, aber aus derben Zellen gebildet. Die Bastzellensind relativ dünnwandig. Dem Mittelnerven genähert ver-laufen rechts und links von ihm noch zwei zarte, in Bast-zellen eingebettete Bündel. An der Aufsenseite finden sichüber dem Mittelnerven aufserordentlich stark verdickte, steilnach oben gerichtete, steife und dicke, ziemlich lange Haare.Eben solche, nur weniger dicke und kürzere Haare trägt derRand und die Spitzenborste. Auch die Innenseite des Blattesträgt Haare, dieselben sind aber kurz. Die Epidermiszellonzeigen die charakteristische wellige Verbiegung der Seiten-wände. Über dem Parenchymstreifen liegen Stomata.
Die Palea inferior ist gleichfalls dünn und im Quer-schnitt kalmartig. Unter der derben äufseren Epidermis liegtein meist zweireihiger Bastzellstreifen, der gegen den Randhin einreihig wird. Dann folgt eine ein- bis zweireihigeParenchymreihe, die am Rande ganz fehlt, und dann dieinnere Epidermis, die obliteriert ist. Nur auf drei Seiten des