Tafel 39.
Herba hyoscyami.
Bilsenkraut, Feuilles de Jusquiame, Hyoscyamua loaves.
Hyosoyamus niger L. ist entweder ein- oder zwei-jährig. Im letzteren Falle entsteht im ersten Jahre eine grofsebasale Blattrosette und im zweiten der beblätterte und blüten-tragende Sprofs, im ersteren entsteht dieser schon im erstenJahre. Der hohle, drüsig-zottige Stengel ist entweder unver-zweigt oder bildet eine dreiteilige Gabel oder verzweigt sich ausden Achseln der unteren, spiralig gestellten Blätter reichlicher.Die Basalblätter des ersten Jahres sind sehr lang (bis 20 cm)und grob gezähnt. Sie werden nicht gesammelt. Die Blätterdes blütentragenden Sprosses sind erheblich kleiner und sitzend.Sie umfassen den Stengel mit zwei ein Stück weit herab-laufenden Lappen, sind im Umriss länglich-eiförmig, zugespitzt,buchtig gezähnt, mit 2— 4 grossen, dreieckigen Zähnen aufjeder Seite, in deren Mitte ein kräftiger Sekundärnerv zurZahnspitze hin läuft (Fig. 1). Auch diese Blätter sind be-haart. Die Inflorescenz ist cymös, und zwar ein Wickel, undnicht, wie man auf den ersten Blick glauben sollte, einedorsiventrale einseitswendige Traube. Die scheinbar die Blütenseitlich tragende Hauptachse besteht also nur aus den ein-zelnen Abschnitten sehr verschiedener Ordnung (Fig. la).Der Sprofs läuft in eine Blüte aus (/). In der Achsel desunmittelbar unter derselben liegenden Blattes entsteht einebenfalls in eine Blüte auslaufender Seitensprofs (II), der diescheinbare Hauptachse fortsetzt und bei dem sich das gleicheSpiel wie bei / wiederholt und so fort. Dass wir es nichtmit einer einsoitswendigeu Traube zu thun haben, deren Blütenin den Achseln der Blätter sitzen müssten, geht schon daraushervor, dass die Blüten in der That gar nicht in der Blatt-achsel stehen, sondern etwas seitlich gerückt sind, und dassdie Fortsetzung der scheinbaren Hauptachse in der Achseldes Blattes sitzt. Die Blüten des Wickels liegen bei Hyos-oyamus nicht in einer Ebene, sondern die aufeinander folgen-den divergieren um 90°, doch so, dass die eine Seite desscheinbaren Hauptsprosses blütenfrei bleibt. Die Spitze derInflorescenz erscheint spiralig eingerollt.
Die Blüten besitzen einen gamosepalen, krug-becher-förmigen Kelch, der bis 1,5 cm lang ist und in fünf drei-eckige Zähne ausläuft. Er vergröfsert sich nach der Be-fruchtung der Blüte erheblich, oft auf das Doppelte. Er istbesonders im unteren Teile drüsig - zottig. Die Kor olle ist
fünfzipfelig, zwischen den zwei vorderen Zipfeln ist der Ein-schnitt tiefer als zwischen den anderen. Die Farbe der Zipfelist stumpf-gelb, Schlund und Aderung sind meist purpurviolett.Die fünf Stamina, drei längere und zwei kürzere, sind amGrunde etwas behaart und im Grunde der Korollenröhre an-geheftet. Der Fruchtknoten ist 3 mm lang, kegelförmig,kahl oder doch nur an der Spitze behaart. In der Mitte be-merkt man eine helle, ringsum laufende Furche. Es ist diesdie Stelle, avo sich später der Deckel ablöst. Die zahlreichenanatropen Ovula (Fig. 10) sitzen dicken, halbcylindrischen Pla-centen an (Fig. 8 und 9). Der Griffel ist fadenförmig, dieNarbe kopfig. Die Frucht ist eine Kapsel, bis 1,5 cm lang,eiförmig (Fig. 8) von den Seiten zusammengedrückt (Fig. 9).Sie wird von dem basalen bauchigen Teile des Kelches dichtumschlossen. Der Ansatzstelle der Scheidewand entsprichtaufsen eine Furche, den Samen buckelige Höcker. Der knor-pelige, zweifächerige Deckel (De, Fig. 8), mit dem die Kapselaufspringt, ist oben von dem Griffelrest bespitzt. Die Placentatrocknet bei der Reife zu einem schwammigen Gebilde zusammen.Die Samen sind bis 1,5 mm lang, nierenförmig, bräunlich-grau,auf der Oberfläche netzig grubig (Fig. 13).
Die Inflorescenzachse ist rund. Der Gefäfsbündel-ring schliefst sich bald zu einem soliden Cylinder, bei einem5 mm dicken Internodium bildet der Holzring bereits einenfesten, an Libriform reichen, ringsum laufenden Cylinder, dersowohl an der äufseren wie an der inneren Seite gegen dasMark hin Siebteilgruppen besitzt; die bikollateralen Bündelsind ja bei den Solanaceen etwas sehr Häufiges. In der äufserenPartie der Rinde läuft ein Kollenchymring ringsum. Die Epi-dermis, trägt zahlreiche lange Haare, von denen einige in einekegelförmige Spitze auslaufen, andere ein mehrzelliges Köpf-chen tragen (ähnlich wie Fig. 5, x), welches reichlich einschmieriges Sekret secerniert (vergl. auch Fig. 294 und 295der Anatomie). Dies Sekret bedingt die klebrige Beschaffenheitder Internodien.
Die Blätter sind einfach gebaut und welken aufser-ordentlich leicht, da sie sehr reich durchlüftet und mitzahlreichen Spaltöffnungen auf beiden Blattseiten versehensind. Die Nervatur der Zähne ist charakteristisch (Fig. 1).Der starke Mittelnerv (M, Fig. 1) läuft gegen die Zahnspitze