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Die weiblichen Blüten besitzen zweierlei Form. Dieeinen sind langgriffelig, die anderen kurzgriffelig. Die lang-griffeligen bilden bei der Handelsfeige die Mehrzahl oder sindausschliefslich vorhanden. Sie besitzen einen ziemlich langenfädigen, an der Spitze in zwei meist ungleich lange Farben-schenkel gegabelten Griffel (Fig. 6), der so deutlich hervor-tritt, dafs das Innere der Krughöhlung oft mit einem zartenfädigen Geflechte überspannt zu sein scheint. Nicht seltenkommt es übrigens vor, dafs an Stelle der gegabelten Grif-fel einfache lange, fädige, in ein peitschenartiges Ende aus-laufende Griffel vorhanden sind, die sich oft verfilzen. Diekurzgriffeligen Blüten besitzen einen sehr kurzen, in zweifast gleichlange Narbenschenkel auslaufenden dicken Griffel.Anfangs sitzt der Griffel der Mitte des Fruchtknotens auf. Beiweiterer Entwickelung der weiblichen Blüten wird er aber bei-seite gedrückt und pflegt alsdann dem Fruchtknoten mehr oderweniger stark seitlich aufzusitzen, welch' letzterer an der,der Ansatzstelle entgegengesetzten Seite bauchig vorgewölbterscheint (Fig. 6, 8 u. 10). Bei der kultivierten Feige sindkurzgriffelige Blüten sehr selten, die Mehrzahl gehört derlanggriffeligen Form an. Die kurzgriffeligen Blüten sind sog.Gallenblüten. Sie bilden bei den Infloreszenzen des Capri-ficus die Begeh In sie wird von den Gallwespen (besondersBlastophaga grossorum Grav.) durch den kurzen Griffelkanal dasEi (Fig. 10) gelegt, das sich in der Fruchtknotenhöhle alsdannentwickelt. Die langgriffeligen sind Samen bluten. Bei ihnenentwickelt sich das Ovulum zum Samen. Gallenblüten findensich, wie erwähnt, besonders beim wilden Feigenbaum (Capri-ficus), bei der Mamme enthalten die Blütenstände sogar nursolche, bei der Frofichi männliche und Gallenblüten.
In der Begel sind die Blütenstände, sofern sie männlicheund weibliche Blüten enthalten, protogyn, so dafs Befruchtungder 5 Blüten durch den Folien der männlichen desselbenBlütenstandes ausgeschlossen erscheint. Die Übertragung desPollens geschieht wohl stets durch Insekten, denen bei dembefruchtungsfähigen Blütenstande der Weg durch die alsdannvorwiegend nach unten gerichteten Verschlufszipfel (*, Fig. 2u. 4) gezeigt wird. Bei den nur weibliche (langgriffelige) Blütenenthaltenden Infloreszenzen ist eine andere als Insektenbefruch-tung überhaupt ausgeschlossen. Bei der Kulturfeige scheinendiese rein weiblichen Infloreszenzen zu überwiegen. Dafs dieInsektenbefruchtung erfolgreich ist, zeigen die zahlreichen reifenFrüchtchen, die man in der Handelsfeige findet — voraus-gesetzt dafs man nicht Parthenogenesis annehmen will.
Die Zahl der Perigonzipfel der weiblichen Blüte scheintziemlich zu schwanken, doch darf als Typus die Zahl 3 be-trachtet werden (Fig. 6). Von diesen 3 Perigonzipfeln um-schliefst der eine den geraden Teil des Fruchtknotens (die Bücken-seite) kahnartig (Fig. 6, links), die beiden anderen umschliefsenin dachziegeliger Deckung den vorgewölbten Teil des Frucht-knotens (Fig. 6 u. 17 a). Höhere Zahlen wie 3 sind bei den Peri-gonzipfeln ziemlich häufig, ich habe auch 5, 6, ja 12 beobachtet.
DasPerigon besteht nur aus wenigen lockeren Zellreihen(Fig. 18 a). Die Epidermis ist beiderseits an der Aufsenwandsehr stark verdickt. Von Gefäfsbündeln wird das Perigon
nicht durchzogen, wohl aber treten bisweilen Milchröhren indie Perigonzipfel ein (Fig. 12, Mi). Die Perigonzipfel sind oftzerschlitzt und häufig am Bande mit Haaren besetzt (Fig. 9).Im Blütenstiel verläuft ein centrales (Fig. 18), oft dreiteiligesGefäfsbündel (Fig. 20, gfb), welches einen Ast zum Ovulum,einen zweiten, am entgegengesetzten Ende des Fruchtknotens,zum Griffel emporsendet (Fig. 17 a u. 8).
Im Blütenstiel wie auch dem Perigon sind kleine Kalk-oxalatdrusen häufig zu finden.
Die Fruchtknotenwand besteht aus folgenden Zell-schichten. Die Epidermis besteht aus radial-gestreckten, ander Aufsenwand stark verdickten Zellen (Fig. 12, l). Dannfolgt ein kleinzelliges Gewebe (Fig. 12, 2), das an den Kantenbreiter ist und in dem die beiden Bündel verlaufen. Diefolgende Schicht (Fig. 12, 3) besteht aus quadratischen Zellen,die sehr frühzeitig als mit andersartigem Zellinhalte versehensich markieren. Die innerste Schicht endlich besteht aus eineroder mehreren Beihen vorwiegend radial gestreckter Zellen(Fig. 12, i). Aus dieser Fruchtknotenwand geht die Frucht-schale nun in der "Weise hervor, dafs die Reihen 1 und 2 inparenchymatischem Zustande verbleiben,, aus der Schicht 3 und 4aber ein steinhartes Endokarp wird, welches sich in eine äufsere,aus dickwandigen quadratischen Zellen bestehende (Fig. 13 u.15,3) und eine innere von kurzen Sclereiden gebildete Schicht(Fig. 13 u. 15, 4) gliedert. Die Frucht ist also eine Drupa.
Löst man aus einer reifen Feige eins der bekanntengelben, rundlichen, ca. 2 mm langen, an der einen (der Ein-trittsstelle des Funikularbündels entsprechenden) Seite genabel-ten, etwas von der Seite zusammengedrückten, an dem einenEnde dickeren Früchtchen (Fig. 11) heraus, so findet man, dafsdie Schale nur aus den inneren Fruchtschalpartien besteht, dieäufseren, parenchymatischen (1 u. 2) in dem allgemeinen De-generationsprozesse sich vollständig abgelöst haben. Nur dieinnerste Zellreihe der Schicht 2 ist auf dem Fruchtschalquer-schnitte in Form kurzer Seiten wandzapfen (Fig. 13, 2) auf demFlächenschnitte als polyedrisches Parenchymnetz (Fig. 15, 2)wahrzunehmen. Die kurzen quadratischen Zellen der Schicht 3heben sich nur wenig von den kurzen Sclereiden ab, die baldin einfacher, bald in doppelter, bald in dreifacher Beihe an-getroffen werden und sehr dickwandig und reich getüpfeltsind. Die herausgelösten Früchte sind also nurmit der Hälfte der Fruchtschale bedeckt.
Das Ovulum ist anatrop hängend, schief inseriert (Fig. 8)und mit 2 Integumenten versehen, die gegen den Funiculushin dick und fleischig, an der anderen Seite aber nur dünnsind. Die Zahl der Zellen wechselt daher (Fig. 12, 5). Übrigensfällt das gesamte Gewebe beider Integumente nährschichtartigzusammen und die Samenschale der reifen Samen, die derFruchtschale eng anliegt (Fig. 16), besteht nur aus einer re-lativ schmalen gebräunten Schicht stark obliterierter, paren-chymatischer Zellen (Fig. 14, 5).
Der Embryo des reifen Samen ist stark gekrümmt(Fig. 16). Die beiden Kotyledonen, Plumula und Radicula,sind deutlich. Das Endosperm (End, Fig. 16) ist nur spär-lich entwickelt, umgiebt aber den Embryo ringsum.