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Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde : mit 81 Taf.
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Das Pulver.

Das reine Pulvis subtilissimus der Apotheken ist leicht durchfolgende Dinge zu identifizieren: durch die oben beschriebenenBastzellen (Fig. 6), die meist noch ganz oder nahezu ganz er-halten sind (man mufs sie messen!), durch die blauschwarzeReaktion, die alle parenchymatischen, meist stark zertrümmer-ten Elemente mit Eisenchlorid annehmen, durch die überall imPräparat verbreiteten Pollenkörner (Fig. 12 a), die zarten Tracheen,die Gefäfsbündelchen, die Epidermis mit den Spaltöffnungen,die zahlreichen kleinen, meist zertrümmerten Oxalatdrusen, so-wie endlich durch die Abwesenheit von Sclereiden, gleichvielwelcher Form, sowie von Stärke. Nach Behandlung mit Kali-lauge oder Chloralhydrat treten auch mehr oder weniger grofseFetzen von durchlüfteten! Parenchym deutlich hervor, oft mitanhängenden Gefäfsbündelresten und kristallführenden Kammer-fasern. Eelativ selten erkennt man im Parenchym noch wohl-erhaltene Ölbehälter (am besten nach Behandeln mit Phloro-glucin). Von dem Vorhandensein von Oxalatkristallsplitternkann man sich auch durch das Polarisationsmikroskop und dieGipsnadelbildimg bei Zusatz conc. Schwefelsäure überzeugen.Trägt man das Pulver in Kalilauge ein, so kristallisiert allent-halben Eugenol-Kalium (C 10 H n K0 2 ) in langen, oft strahlig an-geordneten Nadeln heraus. Die Reaktion gelingt besonders dann,wenn man nicht zu starke (offizineile) Kalilauge anwendet,einige Stunden in derselben liegen läfst und dann mit Wasservorsichtig auswäscht. Durch Eisenchlorid färben sich alle Teiledes Pulvers, selbst die kleinsten Fragmente, schwarzblau, wohlwegen völliger Durchtränkung des ganzen Pulvers mit Eugenol.Die Nelkenstiele.

Nelkenstiele oder Nelkenholz nennt man die Achsen derdichasialen, schirmrispigen Infloreszenz von Eugenia caryophyl-lata Thunb. Die Anheftungsstelle der Blüte ist durch zwei kleinespitzchenförmige, opponierte Vorblätter markiert. Das centraleim Querschnitt gestreckt ovale Markparenchym der Nelkenstieleist von einem gleichfalls gestreckt ovalen Holzcylinder umgeben(Fig. 34), der sowohl auf der Aufsen- wie der Innenseite Bastzellenund sowohl aussen wie innen Siebelemente rinden- und mark-ständiges Phloöm, also bikollaterale Bündelbesitzt(Fig.35, sb).Vor dem äusseren Siebteile liegt ein sehr lüekiger gemischterBing mit vielen Bastzellen und wenigen Sclereiden und aufser-lialb dieses in der sog.Mittelrinde (Fig. 35) viele grofse, oftmalsnicht allseitig gleichmäfsig verdickte, sondern an der einen Seite(besonders aufsen) unverdickt bleibende, überhaupt sehr unregel-mäßige Sclereiden (Fig. 35, sei und 36 l 11). In dem unmittel-bar unter der Blüte sitzenden kurzen Internodium sind dieseSclereiden noch nicht oder doch nur andeutungsweise als dünn-wandige Zellen wahrzunehmen; im (bitten Internodium aberschon selir deutlich, noch schöner im vierten (Fig. 35). Manwird also bei der Prüfung des Nelkenpulvers auf Nelkenstielestets in erster Linie auf Sclereiden zu fahnden haben, dieden Nelken selbst und dem jüngsten, der Nelke oft noch an-sitzenden, kurzen Internodium gänzlich fehlen. Das Parenchymenthält eisengrünenden Gerbstoff.

Unter der, der Epidermis des Hypanthiums ähnlichen, Spalt-öffnungen führenden, Epidermis liegt eine Reihe von grofsen

Tschirch und Oesterle, Anatomischer Atlas.

schizogenen Ölbehältern, die ganz so gebaut sind wie die Öl-behälter der Nelken selbst, d. h. rundlich-kugelig und in derOrgansachse nicht gestreckt sind. Bei Behandeln von Abschnitzelnder Nelkenstiele mit Schultzeschem Gemisch lösen sich dieselbenmit ihrer Umgebung als kugelige Gebilde heraus und sind leichtaufzufinden. Auf die gleiche Weise kann man auch die Ölbehälterder Nelke samt den sie umgebenden, die Phlorogiucinreaktion(s. oben S. 47) zeigenden Zellen aus dem Gewebe herauslösen.Bei dieser Behandlung werden die Sclereiden (von dem kochen-den Gemisch) leicht angegriffen, indem sich die, nun in ihrerSchichtung deutlich hervortretende, Membran zu lösen beginnt,die Bastzellen und Gefäfse werden isoliert und sind nun leichtzu charakterisieren. Man sieht, dafs der Holzkörper sowohlSpiralgefäfse (im primären Holz) als leiterförmig getüpfelte (imsekundären Holz) führt letztere fehlen den Nelken stets!,und dafs die 826mik dicken und sehr verschieden (bis 0,5 mm)langen Bastfasern knorrig gebaut und mit bald stumpfen, baldknorrigen Enden versehen sind.

Das Pulver.

Im Pulver der Nelkenstiele füllen sofort die sehr cha-rakteristischen, meist isodiametrischen Sclereiden und die un-gewöhnlich zahlreichen knorrigen Bastzellen auf. Danebenfinden sich reichlich Leiter- und Netz-Tracheen und Mark-parenchym. Das Pulver der Nelkenstiele ist also sehr leichtvon dem der Nelken zu unterscheiden.

Antophylli.

Blühen die Nolkenknospen auf, so werden zunächst dieBlütenblätter abgeworfen, dann fallen nach erfolgter Befruch-tung die Staubfäden ab und nun entwickelt sich der Same.Von den ca. 40 Ovulis in den zwei Fächern des Frucht-knotens wird nur eins befruchtet und entwickelt sich zumSamen, die übrigen abortieren. Dieser eine Same aber ver-gröfsert sich stark, füllt nicht nur rasch das eine Fruchtfachganz aus, sondern drängt auch bald das zweite samt denSamenknospen beiseite, dringt nach unten vor, drückt dieKolumella (s. oben) an die Wand und das reich durchlüftete,die Kolumella umgebende Gewebe zusammen und füllt endlichdie ganze Höhlung der, nunmehr von den vier zusammen ge-neigten Kelchblättern und zwischen diesen mit dem (den Griffeltragenden) Discus bekrönten, Frucht aus (Fig. 24). An derreifen, 23 cm langen und 510 mm dicken, bauchigenFrucht giebt es also nicht, wie bei der Knospe, einen solidenunteren und einen gefächerten oberen Teil dos Fruchtknotens,sondern nur eine Höhlung. Das ist auch der Grund, weshalbicli den soliden basalen Teil der Nelke nicht als Receptaculumim eigentlichen Sinne auffassen kann. Die Antophylli (Mutter-nelken) sind die reifen Früchte der Nelke.

Die Fruchtwand (Fruchtschale) zeigt im grofsen und ganzenden gleichen Bau, wie die peripherische Partie der Nelke(Fig. 28). Die Epidermis gleicht ganz der der Nelke. Dannfolgt die Ölbehälter (seb) führende Schicht. Dieselbe enthält,da nach der Befruchtung der Ovula neue Ölbehälter nichtangelegt werden, das Grundgewebe sich aber, dem Druckedes sich entwickelnden Samens folgend, durch Teilung der Zellen