Tannide enthaltende Drogen.
Als T an n i d e 1 ) (Gerbsäuren, Gerbstoffe) bezeichnet man in Pflanzenweitverbreitete, stickstoffreie, meist wasserlösliche Substanzen, welchehäufig einen herben, adstringierenden Geschmack besitzen. Vieleliefern mit Eisenchlorid dunkelblaue oder grüne Niederschläge, vielesind durch Leim- oder Alkaloidlösungen, durch Lösungen von Kalium-bichromat, Bleiacetat oder Brechweinstein fällbar. Sie liefern meistbraun oder rot gefärbte Oxydationsprodukte (Phlobaphene).
Die Klassenbezeichnnng Tannide (Gerbstoffe) hat eine ausschließ-lich praktische Bedeutung' 2 ). Mit der fortschreitenden Erforschungder Konstitution der einzelnen Glieder dieser Klasse, die in ihremVerhalten oft stark voneinander abweichen, werden sie an den ver-schiedenen Stellen des Systems der organischen Chemie untergebrachtwerden können 8 ).
Nach ihrer chemischen Zusammensetzung sind die Tannide alsDerivate von Phenolen und Phenolsäuren zu betrachten*). Eine
*) JDekker, B. 39 (1906) 2502 schlägt für Gerbsäure die Bezeichnung Gallo-tannid vor. Die ganze Gruppe der Gerbstoffe wäre dann als die der „Tannide"zu bezeichnen und die frühere Bezeichnung „Tannoide" fallen zu lassen.
Vgl. Waage, Ber. d. d. Pharm. Gesellsch. 1 (1891) 92. Thoms, Arbeitenaus d. pharm. Inst, der Universität Berlin 3 (1906) 61. Czapek, Biochemie derPflanzen, Jena 1905 II, 509. Kunz-Krause, Realenzyklopädie d. gesamtenPharmacie Bd. 5 S. 602. Schweiz. Wochenschrift f. Ohem. u. Pharm. 36 (1898) 424.
Über die Untersuchung gerbsäurehaltiger Pflanzenstoffe siehe Councler,in Lunge's Chem. techn. Untersuchungsmethoden, Berlin 1905 III, 698.
Ein erschöpfendes Literaturverzeichnis findet sich in Dekker, De Looistoffen,Botanisch-chemische monographie der tanuiden, Amsterdam 1908.
2 ) Reinitzer, Ber. d. d. botan. Gesellsch. 7 (1889) 187.
3 ) Als Beispiele mögen angeführt werden die Moringerbsäure und dasCatechin.
4 ) Stenhouse, B. 7 (1874) 126, schlug die Einteilung in Pyrogallol- undPyrocatechingerbstoffe vor. Nierenstein, Zur Konstitution der Gerbstoffe, Chem.Centralbl. 1906 I, 940.