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Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
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Noll:

liegt da hauptsächlich in Quellungswiderständen der Samenschalen (Hartschalig-keit) Auch unter günstigsten Bedingungen keimen solche Samen erst nach Jahren.Der'Keimverzug kann aber auch durch äussere Bedingungen hervorgerufenwerden und unbeschadet der Keimfähigkeit Jahrzehnte lang dauern. So sah Peteraus einem Waldboden, welcher 4 G Jahre vorher Ackerland gewesen war, soforteine Reihe Ackerunkräuter aufgehen, als die Bedingungen für deren Keimung-hergestellt wurden ('■>-). .

Die Keimung wird, nach den Beobachtungen von Klebs, eingeleitetdurch echte Wachsthumsvorgänge; durch dieselben erfolgt erst die Sprengungder Samenhülle^ 3 ). Diese geschieht entweder von dem durchbrechendenWUrzelchen, oder wird an dessen Stelle (bei vielen Monocotylen) vom Coty-ledon besorgt. Bei anderen Samen geht dem Austreiben des Embryos dasOeffnen der Schale durch das wachsende Endosperm- oder Keimblattgewehevoraus. Bei sehr harten und nicht aus zwei, durch Innendruck leicht trenn-baren Hälften bestehenden Samenhüllen (wie sie z. B bei Kirschkernen.Wallnüssen vorliegen), sind oft besondere Stellen zum Austritt der Keim-pflanze vorgebildet. An den grossen und oft sehrharten Samenhüllen mancher Palmen lassen sich dieseStellen leicht finden. An der Spitze der Cocosnussfindet man drei solcher Durchlassstellen für Em-bryonen vorgesehen, indem an diesen Orten derSchale die Bildung von Steinzellen unterblieben ist.Hinter dem dünnsten dieser Flecke findet man denkegelförmigen Embryo im Endosperm stecken. Durchdie" ungemein feste' nnd dicke Samenschale eineranderen Cocospalme, der Cocos lapidea, führen dreilange hohle Keimkanäle, und der Keimling von Acro-comia sclerocarpa braucht nur einen leicht befestigtenPfropf aus der dicken harten Steinscliale vor sichher zu schieben (Fig. 222) (»*). Aehnliche Vorkehrungensind bei Pandanus, Canna, Typha, Potamogetonund manchen Dicotylen (Tetragonia expansa, Medi-cago, Onobrychis-Arten und Portulaca-Arten) ge-soffen. _ Das Eindringen der Keimpflanzein den Boden erfolgt durch die Streckung derHauptwurzel oder des hvpocotylen Stengelgliedes oder aber, wie bei vielenMonocotylen, zunächst durch den geotropischen Cotyledon selbst. Ist derabsteigende Theil durch Wurzelhaare oder Seitenwurzeln völlig befestigt,dann erfolgt das Durchbrechen der Erde nach oben. Dabei bleibendie Keimblätter unterirdisch in der Samenhülle stecken oder aber sie ent-falten sich oberirdisch. Das erstere ist oft der Fall, wenn die Keimblatterselbst mit Reservestoffen gefüllt sind (Phaseolus mnltiflorus, Aesculus, Quercus)oder aber dazu dienen die Nährstoffe des Endosperms aufzusaugen (beiPalmen; Scutellum der Gräser). Häufiger werden die mit Nährstoffen ge-füllten, oder auch dünnen ergrünenden Keimblätter über die Erde erhoben,oft, nachdem sie vorher noch den Inhalt des Endosperms aufgenommen haben;unterirdisch geschieht das bei vielen Monocotylen, wie auch bei Ricinus u. a.,oberirdisch bei vielen Coniferen. — Die Befreiung der Keimblätteraus der Samenschale wird durch das peitschenförmig umgebogene Endedes hvpocotylen Gliedes besorgt, oder aber es ziehen die ebenso gekrümmtenKeimblattstiele die Keimblätter aus den Hüllen heraus (Smyrnium, Delphinium .Die Hüllen werden dabei oft noch mit Hülfe einer Anschwellung am Hvpo-cotyl (Kürbis u. a.) weiter aufgerissen. Sehr häufig folgt der oberirdischen

Fig. 222. Schnitt durch denoberen Theil der Fruchtvon Acrocomia sclerocarpa.iS die harte Steinschale, Pder Pfropf darin, welchervon dem Keimling K beider Keimung- leicht hin-ausgeschoben wird, E En-dosperm. Nach PriTZER.