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Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
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Noll:

unmittelbar wahrnehmen können; man wird zu nichtgrünen Pflanzentheilen greifenoder grüne im Dunkeln beobachten müssen. Bunte oder weisse Blüthen, Wurzeln,keimende Samen und Pilze sind beispielsweise Objecte, an denen sich der Gas-wechsel der Athmung jederzeit nachweisen lässt. Je reicher dieselben an Proto-plasma sind und je energischer ihre Lebensthätigkeit ist, um so kräftiger athmensie auch. Junge, in lebhaften Bildungsprocessen begriffene Prlanzentheile lieferndaher die besten Versuchsergebnisse. — Noch ist aber zu bemerken, dasswir bei den anzuführenden Versuchen nicht das volle Endproduct der Athmungzu sehen bekommen, sondern davon nur die Kohlensäure nachweisen. Wie

theoretische Erwägungen und genaue quan-titative Bestimmungen der bei der Ath-mung entstehenden Trockensubstanzverlusteauf das Bestimmteste ergeben, wird näm-lich bei der Athmung neben Kohlen-säure aus der organischen Substanzauch noch Wasser gebildet.

Den Verbrauch des Sauerstoffs unterBildung von Kohlensäure lässt der neben-stehende einfache Versuch (Fig. 192) klarhervortreten. In der bauchigen Erweite-rung eines umgestülpten Glaskolbens wer-den einige junge Hutpilze oder Compositen-Blüthen (B) durch einen leichten Watte-pfropf (W) festgehalten. Die Halsöffnungdes Kolbens, welcher gewöhnliche Luft ent-hält, taucht in ein offenes Gefäss mit Queck-silber (Q) ein, wodurch die Luft in demKolben abgeschlossen ist. Durch das Queck-silber hindurch werden dann einige Kubik-centimeter Kalilauge (K) oder einige Stück-chen feuchten Aetzkalis in den Hals ein-geführt. In dem Maasse wie die Prlanzen-theile den Sauerstoff im Kolben verbrauchenund Kohlensäure ausathmen, wird diesedurch die Kalilauge absorbirt, und das hatzur Folge, dass das Luftvolumen sich ver-kleinert und das Quecksilber in dem Halsemporsteigt. Nach einiger Zeit hört dasSteigen des Quecksilbers auf, und es bleibtauf seinem höchsten Stand unverändertstehen. Berechnet man das zurückgebliebeneLuftvolumen im Kolben auf normale Dich-tigkeit, so ergiebt sich, dass ein Fünfteldes ursprünglichen Volums verschwunden ist,das heisst aber nichts anderes, als dass der ganze Sauerstoff (der ein Fünftelder atmosphärischen Luft ausmacht) verbraucht worden ist. Stellt mau mit demgleichen Apparat den Versuch an, ohne die Kohlensäure durch Aetzkali zu absorbiren,dann bleibt der anfängliche Quecksilberstand nahezu unverändert, das Luftvolumenalso constant. Daraus folgt aber, dass die Volumina des verbrauchten Sauerstoffsund der gebildeten Kohlensäure annähernd gleich sind; man drückt dies auch kurz

COdurch die Formel aus: -~ = 1. Dieses Verhältniss trifft jedoch nur in den Fällen

0-2

zu, wo der Sauerstoff ausschliesslich für die Athmung und zwar zur vollständigen

Fig. 192. Athmungsversuch. Der bau-chige fheil des Glaskolbens B ist mitWucherblumen (Chrysanthemum) gefüllt.Die von diesen durch Athmung erzeugteKohlensäure wird von der Kalilauge Kabsorbirt und die Absorption angezeigtdurch das Eindringen und Steigen desQuecksilbers Q in die Köhre.