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Strasburger:
Sehen wir von den Wurzeln jener Pteridophyten ab, die sich dichoto-misch, ähnlich wie ihr Stamm verzweigen (vgl. S. 37), so ist die normaleVerzweigung aller andern Wurzeln, sowohl der mit, wie der ohne Scheitel-zelle wachsenden, akropetal und stellt sich erst in merklicher Entfernungvom Vegetationspunkt der Mutterwurzel ein, au Orten, an welchen dieGewebedifferenzirung bereits vollendet ist. Das Gewebe, welches die neuenWurzeln bildet, ist bei den Phancrogamen der Pericykel, bei den Pterido-phyten die innerste Rindenschicht. Die Seitenwurzeln haben somit, umnach aussen zu treten, die ganze Dicke der primären Rinde ihrer Mutter-wurzel zu durchsetzen. Sie stehen entweder vor den Vasalsträngen derMutterwurzel, oder vor den Zwischenräumen, welche Vasal- und Cribralsträngetrennen. Die Zahl der Reihen, welche die Seitenwurzeln an der Mutter-wurzel bilden, ist demgemäss, wie Van Tieghem( 84 j zeigte, entweder gleichder Zahl der Vasalstränge, oder doppelt so gross wie diese. Da der Ver-lauf der Gefässbündelstränge in den Wurzeln ein gerader ist, so stehen auchdie Seitenwurzeln in geraden Reihen. Der seitliche Abstand dieser Reihenist gleich gross, wenn die Seitenwurzeln vor den Gefässsträngen entspringen;je zwei Reihen sind einander genähert, wenn die Seitenwurzeln rechts undlinks von jedem Gefässstrang stehen.
Indem eine vielzellige Pflanze ihre Entwicklung aus der Spore oderdem befruchteten Ei mit einem einzelligen Zustande beginnt, dann ineinen mehrzelligen und einen vielzelligen Zustand übergeht und allmählichdie ihr zukommende Gewebedifferenzirung erlangt, wiederholt sie inihrer Ontogenie ihre Phylogenie. Daher es auch zu unserer Aufgabegehören wird, im speciellen Theile die Ontogenie sowohl des ganzen Pflanzen-körpers, als auch seiner einzelnen Glieder, in den verschiedenen Abthei-lungen des Pflanzenreichs zit verfolgen. Der Gang der inneren Mitoge-netischen Ausgestaltung hat freilich, im Verhältniss zu seiner phylogeneti-schen Entstehung, vielfach tiefgreifende Aendcrungen erfahren. Doch weistManches darauf hin, dass diese Aenderungen oft geringer waren, als die-jenigen, welche die Ontogenie der äusseren Gestaltung gleichzeitig erfuhr.Denn individuelle Abweichungen in der inneren Structur dürften wenigerAngriffspunkte für Auslese durch natürliche Zuchtwahl geboten haben, alsdie individuellen Abweichungen der äusseren Form. So wird die Ontogenieder inneren Differenzirung oft wichtige Anknüpfungspunkte für die Beur-theilung verwandtschaftlicher Beziehungen abgeben. Auch von der innerenDifferenzirung lässt sich im Allgemeinen sagen, dass jeder Zustand derselbenum so allgemeinere Bedeutung beansprucht, je früher er in der embryonalenEntwicklung am Keim und je näher er dem Vegetationspunkt, der die em-bryonale Entwicklung an der erstarkten Pflanze fortsetzt, sich einstellt. Dannpflegt er auch einem grösseren Kreis von Organismen gemeinsam zu sein.Umgekehrt ist ein Merkmal um so bezeichnender für die engere Verwandt-schaft, je später es in der ontogenetischen Entwicklung in die Erschei-nung tritt.
Bildungsabweichungen ( 85 ).
Vertreter der nämlichen Pflanzenart gleichen einander nicht vollständig.Ein jedes Individuum zeigt bestimmte, ihm nur zukommende Merkmale,durch welche es sich von den anderen Individuen derselben Species unter-scheidet. Einzelne dieser besonderen Merkmale können auf Atavismusoder Rückschlag beruhen, d. h. eine Rückkehr sein zu bestimmten Eigen-schaften der Voreltern. Die meisten individuellen Abweichungen sind aber