Druckschrift 
Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
Entstehung
Seite
80
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

80

Strasburger:

los zusammen (Fig. 70), oder sie sind stellenweise von einander getrennt.Solche Lücken im Gewebe werden Zwischenzellräume oder Intercellular-räume, auch kürzer Intercellularcn genannt. In Geweben, die durchVerflechtung von Zellfaden entstanden sind, stellen die Intercellularen zurück-gebliebene Zwischenräume dar (Fig. 105). In Geweben, die aus Zell-theilungen hervorgingen, müssen die Intercellularen nachträglich sich bilden,denn die Scheidewand, die eine Zelle theilt, ist ihrer ganzen Ausdehnungnach einfach.

Erst später, und zwar nach vorausgegangener Verdickung, wird somit dieursprüngliche Scheidewand gespalten und ein Intercellularraum erzeugt. Ursacheder Spaltung ist die Abrundung der Zellen durch späteres Wachsthum. Dem-gemäss geht die Bildung der Intercellularen meist von den Zellkanten aus. Dieaus pectinartigen Stoffen bestehende primäre Wandung verquillt an den ent-sprechenden Stellen.

Der einfachste und zugleich häufigste Fall ist der, dass die Intercellu-laren im Querschnitt die Gestalt kleiner Dreiecke und Vierecke besitzen(Fig. 68 i, 74 i). Sie verdanken einer Spaltung der Zellwand ihre Ent-stehung und werden als schizogene bezeichnet. Bei bevorzugtem Wachs-thum bestimmter Zellwandstellen werden derartige schizogene Intercellularenzu grösseren Kammern oder Gängen von mehr oder weniger regelmässigerGestalt erweitert. Ungleich verthciltes Wachsthum führt oft zur völligenTrennung benachbarter Zellen, ja auch zu einer Dehnung und Zerreissungeinzelner Zellen oder ganzer Gewebegruppen. Die holden Stengel ent-stehen beispielsweise auf diesem letzten Wege. Solche auf Zerreissungoder Auflösung von Zellen zurückzuführende Intercellularen heissen lysi-gene. — Die meisten Intercellularen führen Luft, doch enthalten sie auchin bestimmten Fällen Wasser, in anderen Ausscheidungsproduete wie Gummi,Schleim, Harz oder ätherische Oele, in noch anderen Fällen, doch selten,Milchsaft. Meist bildet Luft den Inhalt schizogener Intercellularen, derenallgemeine Aufgabe auch thatsächlich in der Durchlüftung des Pflanzen-körpers liegt, während die lysigenen Intercellularen oft Wasser oder Secreteenthalten.

Unter den schizogenen Intercellularen sind die mit ätherischem Oel oderHarz erfüllten besonders hervorzuheben. Aetherisches Oel führende kürzereRäume oder längere Gänge sind im Stamm, in den Wurzeln und Blättern beizahlreichen Pflanzenfamilien anzutreffen, im Besonderen reich an ihnen sind dieUmbelliferen, bei welchen Oelgänge auch die charakteristischen Striemen (Vittae)in den Früchten bilden. Mit Harz erfüllte Canäle zeichnen die Nadelhölzer(Coniferen) ganz besonders aus (Fig. 140 h). Schon während des Auseinander-weichens der Zellen erscheint der sich bildende Secretbehälter mit Secret erfüllt.Die Erweiterung des Secretbehälters wird meist von einer Theilung der ihn um-gebenden Zellen begleitet, deren Zahl sich entsprechend vermehrt zeigt. DieseZellen bleiben dünnwandig, schliessen seitlich dicht an einander, wölben sichauch wohl in den Secretraum vor. Die lysigenen Secretbehälter stellen unregel-mässige Hohlräume im Gewebe vor. So weit sie ätherisches Oel oder Harzführen, gehen sie aus Zellgruppen hervor, in welchen diese Stoffe zunächst inTröpfchen auftreten. Dann werden die Wände der Zellen allmählich aufgelöst.Die Auflösung schreitet von der Mitte der Zellgruppe gegen die Peripherie fort.In solcher Weise entstehen unter Anderem die mit ätherischem Oel erfülltenSecretbehälter der Rutaceen, z. B. bei Dictamnus, oder der Aurantieen, z. B. inden Orangen und Citronen. Der Entstehung von sogen. Harzdrüsen oder Harz-gallen bei den Coniferen geht die Bildung eines abnormen Gewebes voraus, dasweiterhin verharzt. Solchen Ursprung hatte auch der Bernstein, der das fossile