Druckschrift 
2. Organische Chemie 2. Abt. (1901)
Entstehung
Seite
1190
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1190

Limetteöl.

Bei längerer Aufbewahrung scheidet sich aus dem Citronenöl einStearopten als amorphe Masse, "bisweilen auch in Form von farblosen, säulen-förmigen Krystallen ab. Letztere Verbindung (Citropten, Citronencampher fCitronenölcampher), welche auch bei der directen Destillation des Citro-nenöls zurückbleibt, lässt sich durch Umkrystallisiren aus Alkohol in weissen,farblosen, geruchlosen, bei 144° C. schmelzenden Krystallen der Formel C 10 H 10 O 4erhalten. In den Mutterlaugen verbleibt hierbei ein zweiter, citronenartigriechender, sauerstoffhaltiger Körper, welcher gegen 50° C. schmilzt (Crismer).

Schwefelsäure, Salpetersäure, Chromsäure, Chlor und Jod wirken aufCitronenöl in ähnlicher Weise und unter Bildung derselben Zersetzungs-producte ein, wie auf das Terpentinöl. Brom bildet unter den auf S. 1184angegebenen Bedingungen das bei 104 bis 105° C. schmelzende Limonen-tetrabromid: C 10 H 16 Br 4 . Gegen Halogenwasserstoff verhält sich das Citro-nenöl im Wesentlichen wie das Limonen (s. S. 1171).

Anwendung. Das Citronenöl findet zu Parfümeriezwecken, sowiezum Aromatisiren von Speisen, Zucker, Backwaaren, Liqueuren etc. Ver-wendung.

Prüfung. Für die Beurtheilung der Reinheit und des Werthes desCitronenöls ist ausser dem Aeusseren (vollkommene Klarheit, blassgelbeFarbe), dem specif. Gewicht 0,858 bei 15° C. und den Löslichkeitsverhält-nissen, besonders der Geruch und der Geschmack von Wichtigkeit. DasCitronenöl wird besonders mit destillirtem Citronenöl, Apfelsinenöl, auchwohl mit Terpentinöl verfälscht. Eine derartige Verfälschung ist meist nurdurch Vergleich des Geruchs und Geschmacks (s. S. 1165) mit dem einesnotorisch echten, gleichaltrigen Citronenöls derselben Provenienz zu ermitteln.Messina-, Palermo- und Nizza-Citronenöl zeigen kleine Verschiedenheiten. Binmit Terpentinöl versetztes Citronenöl zeigt ein etwas höheres specifischesGewicht und unter Umständen auch ein von dem echten Oel verschiedenesVerhalten gegen den polarisirten Lichtstrahl. Ein Vergleich mit notorischechtem Citronenöl dürfte auch bezüglich des Rotationsvermögens den sicher-sten Anhalt bieten; hei 20° C. nicht unter -(-60° im lOOmm-Bohr. Bei derDestillation von echtem, terpentinölfreiem Citronenöl gehen, da dasselbe dasbei 155° C. siedende Pinen nicht enthält (Schimmel u. Comp.), unter170° C. nur sehr geringe Mengen über. Destillirt man von 25 ccm Citro-nenöl die Hälfte ab, so soll das Drehungsvermögen des Destillates grössersein als das des ursprünglichen Oeles und als das des Destillationsrückstandes.Bei Terpentinölgehalt wird das Destillat ein schwächeres Drehungsvermögenbesitzen (Soldaini, Berte).

Beim Zusammenbringen mit gepulvertem Jod fulminirt echtes gepresstesCitronenöl mit Lebhaftigkeit, während das destillirte Citronenöl hei gewöhn-licher Temperatur kaum eine Beaction zeigt. Concentrirte Schwefelsäurefärbt das gepresste Citronenöl sofort rothbraun, wogegen das destillirte Oelunter den gleichen Bedingungen in weit geringerem Maasse eine Färbungerleidet. ____________

Liinetteöl. a) Westindisches. Das aus den frischen Fruchtschalenvon Oitris medica var. acida , entsprechend dem Citronenöl, in Westindien(Montserrat) dargestellte ätherische Oel besitzt bei 15° C. ein specifischesGewicht von 0,882. Von dem echten Citronenöl unterscheidet es sich fernerdurch den Geruch und sein schwächeres Drehungsvermögen nach rechts:-\- 35 bis 40° im 100 mm-Bohr. Der wichtigste Bestandtheil desselben ist dasCitral: C 10 H 18 O.

b) Italienisches. Das aus den frischen Früchten von Citrus Limetta