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Einführung in die Warenkunde : ein Buch für Schule und Geschäft ; mit 137 Figuren im Text, 4 Weltkarten ... und je 1 Karte Europas und des Deutschen Reiches
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6. Erdöl, Erdwachs, Erdharz, Kohle. 63

die als ,,schlagende Wetter" von den Bergleuten sehr gefürchtet sind,da durch sie die entsetzlichsten Unglücksfälle hervorgerufen worden sind.

1. $itlline sind aus tierischen Resten, namentlich aus dem Fettevon Seetieren entstanden. Von den hierher gehörigen Stoffen ist dasErdöl der wichtigste.

Das Erdöl stellt eine schwärzliche, grünschaumige Flüssigkeitvon unangenehmem Gerüche vor. Die bedeutendsten Ausbeutungs-gebiete hat Rußland mit seiner Naphtastadt Baku und Nordamerikamit seinen Ölgebieten in Pennsylvanien, wo 1859 die ersten Ölquellenerbohrt wurden, während die Entwickelung der russischen Petroleum-industrie erst am Anfange der siebziger Jahre einsetzte. Die Erdöl-gewinnung Rußlands steigt noch immer, die von Nordamerika dagegenscheint ihren Höhepunkt erreicht zu haben.

Nennenswert sind ferner die Lager von Galizien (Boryslaw),Rumänien, N ie d erlä ndis ch-In die n und Birma, Das Erdöl-vorkommen in Deutschland ist unbedeutend, hier werden bei Pechel-bronn im Elsaß und in Hannover kleine Lager ausgebeutet. Die Erd-ölgewinnung der Welt belief sich 1904 auf über 30000000 t und ge-staltete sich folgendermaßen:

Vereinigte Staaten von Nordamerika .... 16000000 t,

Rußland.............. 11000000 t,

Sumatra, Java, Borneo......... 1000000 t,

Galizien.............. 800000 t,

Rumänien............. 500000 t,

Hinterindien ............ 400000 t,

Deutschland............ 90000 t.

Deutschland verbrauchte außer seinem inländischen Erdöle über 1000000 t vonim Auslande gewonnenem (rohen und gereinigten) Erdöle.

Die gesamte Naphtagewinnung der Erde liegt als Recht desAlleinhandels in den Händen einiger weniger Großhandelshäuser, dieNiederlagen an allen bedeutenden Handelsplätzen errichtet habenund von hier aus durch Zwischenhandel die Ware den Verbrauchernzuführen.

Erdölgewinnung. Um das Erdöl aus den gewaltigen unter-irdischen Behältern hervorzulocken, werden Bohrlöcher in die Tiefe ge-trieben. Auf einem 10 qm großen Felde wird ein sogenannter Bohr-turm errichtet, ein etwa 50 m hohes Gerüst aus starken Eichenstämmenmit mehreren Stockwerken, das mit dünnen Holzbohlen umkleidet wird.Inmitten des umrahmten Raumes wird ein etwa 15 m tiefer Schachtabgeteuft. Das Bohren wird mittels eines schweren Meißels, der senk-recht im Bohrturme an einem Seile hängt und bei jedem wuchtigen Fallein wenig gedreht wird, ausgeführt. So entsteht allmählich ein Bohrloch,das mit eisernen Röhrenstücken ausgefüttert wird. Die Röhrensäule hältden Freifallbohrer in gerader Richtung und gibt später' der Naphta dienötige Fassung. Beim Erreichen der Erdölschicht entsteht eine Spring-quelle, die bisweilen so gewaltige Kraft besitzt, daß das Gestänge desBohrturmes und seine Kappe, auf dem die Hebemaschinen stehen, imAugenblicke zertrümmert und in die Luft geschleudert werden. Das