Heterogene Gleichgewichte und Phasenregel
15
Man bringe einen Tropfen Kochsalzlösung auf einem Uhrglaseoder auf einem Objektträger zur Kristallisation und beobachte dieKristalle unter dem Mikroskop. Einmal lasse man dabei langsamverdunsten; dann sieht man die oben erwähnte Kristallerscheinung.Ein zweites Mal nehme man eine sehr verdünnte Lösung und sorgedurch Erwärmen über kleiner Flamme und Daraufblasen für raschesVerdunsten des auf dem Objektträger ausgebreiteten Tropfens; dannerhält man Wachstumskristalle des regulären Systems (Fig. 4).
Man prüfe den Geschmack des Kochsalzes. Man bringe vondem lufttrocknen Salze so viel wie eine Erbse groß in ein Glüh-röhrchen und erhitze: Das Salz verknistert (dekrepitiert), indemmechanisch eingeschlossene Mutterlauge verdampft und den Kristallzersprengt (Eigentümlichkeit des Kochsalzes und einiger andererohne Kristallwasser kristallisierender Salze). Bei stärkerem Er-hitzen schmilzt es bei 815° und erstarrt beim Erkalten kristal-linisch. Man bringe eine Probe des verknisterten Salzes aneinen Platindraht in die nichtleuchtende Flamme des Bunsenbrennersund beobachte die gelbe Färbung der Flamme.
Die bereitete Lösung von Natriumsulfat (Glaubersalz) gebe manaus dem Erlenmeyerkölbchen in eine gewogene Porzellanschale unddampfe in dieser auf dem Wasserbade bis auf 9 g ein. Sollte manzu weit abgedampft haben, so ergänzeman das fehlende Wasser, erwärme damitbis auf etwa 33° (der Temperatur größterLöslichkeit) und lasse erkalten. Wenndie Schale vor Staub geschützt wird,findet das Auskristallisieren oft erstbeim Kratzen der Gefäßwandung inner-halb der Flüssigkeit mit einem scharfenGlasstabe oder beim Hineinbringen einesKörnchens kristallisierten Glaubersalzesstatt. Die Kristalle werden auf porösemTon abgepreßt und trocken gewogen.
Das Glaubersalz kristallisiert mit 10 Molekülen Kristallwasser. Man ver-gleiche die erhaltene Menge mit derjenigen von Na 2 S0 4 + 10H 2 O, welche sichaus 20 com 2-normal Natronlauge nach der Theorie bilden muß.
Fig. 4. Wachstumskristalle
des regulären Systems.
Heterogene Gleichgewichte und Phasenregel.
Ein System aus einem oder mehreren Stoffen, das nicht an allen seinenPunkten gleiche Eigenschaften hat, nennt man ein inhomogenes oderheterogenes System. — Befindet sich dieses System im Gleichgewicht, sospricht man von heterogenem Gleichgewicht. Man bezeichnet in der