Begründer der organisch-chemischen Forschung.
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Einen eigentlichen Schöpfer hat die organische Chemie nicht,wenn man nicht Lavoisier als solchen hezeichnen will, dessenArbeiten und Ideen für das richtige Verständnis der ganzenChemie überhaupt maßgebend gewesen sind, und der auch dieelementare Zusammensetzung der organischen Stoffe richtig er-kannte. Paris war die Metropole der Naturwissenschaft und ins-besondere der Chemie. In der französischen Schule erwachteschon früh das Interesse für das Studium der organischen Sub-stanzen, und von hier gingen zunächst die Anregungen von Gay-Lussac aus, während Vauquelin und vor allem Chevreuldurch ihre Untersuchungen einer speziellen Arbeitsrichtung demchemischen Studium der vegetabilischen und animalischen Stoffeden Weg bahnten. In derselben Zeit hatte Berzelius in Schwedenangefangen, dieses Gebiet zu beachten, und eine seiner Haupt-aufgaben wurde es, hier alimählich Ordnung und Klarheit zuschaffen. Die bedeutenden Forscher Englands standen am Anfangdes neunzehnten Jahrhunderts dem organisch-chemischen Gebietefremd gegenüber, und in Deutschland hatte zu dieser Zeit diechemische Forschung überhaupt nur schwache Wurzeln geschlagen.Sie stand hier unter dem Banne der damaligen Naturphilosophie,welche die empirische Naturforschung geringschätzte und dieNaturerscheinungen durch Analogien und Bilder erklären wollte.
Bei Berzelius hatten Mitscherlich und Wöhler und beiGay-Lussac nicht nur Dumas, sondern auch Liebig ihrewissenschaftliche Ausbildung erhalten. Dieser war, wie er sagt,zu der Überzeugung gekommen, daß er seine Ziele in Deutsch-land nicht erreichen konnte. Als er — 21 Jahre alt — in seinVaterland zurückkehrte (1824), brannte er darauf, den Geist derexakten chemischen Forschung in dessen Boden einzupflanzen undneues Leben „in die dürre Wüste" einzuimpfen. Er verfolgteenergisch sein Ziel, allen Schwierigkeiten und jedem Widerstandzum Trotz. Deutschland erhielt nun seine eigene chemischeSchule: Liebigs Laboratorium in Gießen. Diese Universitäts-stadt wurde eine Pflanzschule der chemischen Wissenschaft, derenRuf sich weit über die Grenzen Deutschlands verbreitete, undwelcher so zahlreiche Schüler aus allen Ländern zuströmten, daßdas Laboratorium sie bald nicht mehr zu fassen vermochte.Liebig war nicht Lehrer im gewöhnlichen Sinne. In außer-ordentlichem Maße wissenschaftlich produktiv und reich anchemischen Gedanken, teilte er diese seinen reiferen Schülern mit,veranlaßte sie, seine Ideen experimentell zu prüfen, und regte