XXV.
Schlufekapitel.
„Immer strebe zum Ganzen, und kannst duselber kein Ganzes werden, als dienendes Gliedschließe an ein Ganzes dich an."
Goethe.
Kaum ein Jahrhundert ist vergangen, seitdem das Studiumder organischen Verbindungen eine bestimmte Gestalt anzunehmenbegann, und die organische Chemie das Interesse der Chemikerstark zu erregen anfing. Die Wildnis, die hier den ersten Pionierenbegegnete, hat sich, durch rastlose, planmäßige und zielbewußteArbeit, in wohlbebaute Felder verwandelt, die reiche Erntentragen. Wie diese Verwandlung stattgefunden, welche Schicksaledie organische Chemie dabei durchgemacht, welche Gesichts-punkte maßgebend gewesen sind und welche Gewinne gemachtwurden, das ist im Vorhergehenden schon teils eingehend, teilsin allgemeinen Zügen auseinandergesetzt worden.
Das Gebiet hat sich umfassender und der Boden fruchtbarergezeigt als jemand hätte ahnen können. Als die geordnete Arbeitin der organischen Chemie begann, waren vielleicht etwa hunderthierhergehörige Verbindungen bekannt, und auch diese bildetenan der Seite der anorganischen eine Sammelgruppe, die keineandere innere Gemeinschaft hatte als die Abstammung von derorganischen Natur. Und nun! Die Zahl der organischen Ver-bindungen ist tausendfach vermehrt worden und eine Grenze istnicht abzusehen. Und was wichtiger ist: In dieser großen Fülleherrscht nicht mehr Chaos, sondern Ordnung und Einfachheit.Man hat die allgemeinen Prinzipien und Faktoren kennen gelernt,die für dieses reiche und mannigfaltige Gebiet der Natur be-stimmend sind, und es ist hier von geringer Bedeutung, ob dieseStoffe in der eigenen Werkstatt der Natur geschaffen sind oderob sie in dem Laboratorium des Chemikers hergestellt wurden.