Druckschrift 
Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
408
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

408

Hydrazine.

charakterisierten Basen gekommen, deren Salze sich von denen derDiazokörper durch einen Mehrgehalt von 4 H unterscheiden undfür die ich den Namen Hydrazinverbindungen in Vorschlag bringe."Die zuerst gewonnene Base war das Phenylhydrazin. Die ent-sprechenden Alkylhydrazine stellte Fischer im Jahre 1879 dar,und zwar durch Reduktion der Nitrosoalkylharnstoffe. Im Jahre1883 beobachtete Fischer, daß das Phenylhydrazin, in gleicherWeise wie Hydroxylamin, leicht mit Aldehyden und Ketonenreagiert unter Bildung von Hydrazonen; es fand bald als Reagensauf diese Verbindungen ausgedehnte Anwendung. Namentlichbeim Studium der Zuckerarten hat das Phenylhydrazin sowohlfür den analytischen Nachweis derselben als bei Bestimmungihrer Konstitution Dienste geleistet, die nicht überschätzt werdenkönnen. Ohne dieses Agens wäre wohl überhaupt eine chemischeKlarlegung der Zuckergruppe nicht möglich gewesen.

Durch Oxydation der Dialkylhydrazine mit Quecksilberoxydgewann Fischer die merkwürdigen Verbindungen, welche alsTetrazone bezeichnet werden und vier aneinander gebundeneStickstoffatome enthalten, R 2 N. N: N. NR 2 .

Das große Reaktionsvermögen des Hydrazins ist auch inanderer Hinsicht, namentlich für synthetische Zwecke, zur Ge-winnung stickstoffreicher Verbindungen ausgenutzt worden. MitHilfe derselben wurden z. B. die Pyrazole, unter diesen das Antipyrin(Knorr, 1887), gewonnen. An diese Untersuchungen schließensich auch die schönen Hydrazinarbeiten von Curtius an (das freieHydrazin war 1889 von ihm entdeckt worden), der dabei unter

/Nanderem die Diazoimide oder Azide, R.N\|| , gewann, welche

als Derivate der Stickstoffwasserstoff säure betrachtet werden können,und aus denen diese höchst interessante Säure zuerst erhaltenwurde (1890). Auch die Entdeckung der Semicarbazide durchThiele (1894) gehört hierher.

In diesem Zusammenhang kann erwähnt werden, daß dieerste Diazoverbindung der aliphatischen Reihe, Diazoäthansulfo-säure, im Jahre 1879 von E. Fischer erhalten wurde. Curtiusgelang es 1883, durch Diazotierung der aliphatischen Amino-säuren die Diazofettsäuren zu gewinnen. Das ganze Gebiet deraliphatischen Diazokörper ist dann von ihm, sowie von Thiele,Angeli u. a. durchgearbeitet worden. Es hat sich ergeben, daßdie durch Diazotierung hier entstehenden Verbindungen nicht