XVII.
Die synthetische Richtung in der organischenChemie. Elementarsynthesen von Berthelot. Diesynthetischen Methoden. Synthesen organischerNaturprodukte. Ältere Synthesen. Alizarin. Indigo.Zuckerarten und ihre Derivate. Durinverbindungen.Verschiedene Pflanzenstoffe. Alkaloide. Terpene,Campher, Kautschuk. Synthetische Versuche aufdem Gebiete der Eiweiikörper. Depside, Gerbstoffe.
„Die Geschichte der Wissenschaften giht uns dietröstliche Gewißheit, daß wir auf dem Wege desVersuches und der Beobachtung dahin gelangenwerden, die Wunder des organischen Lehens zu ent-schleiern, daß wir imstande sein werden, über alleUrsachen, welche Anteil an den Lehenserscheinungeunehmen, bestimmtere Aufschlüsse zu erhalten.' -
Liebig.
Lavoisier hatte die Chemie als die „Wissenschaft der Ana-lyse" definiert. „Sie nähert sich", sagt er, „ihrem Ziel und ihrerVollendung durch wiederholte Zerlegung der Körper in einfachereund immer einfachere Bestandteile." Es lag auch in der Naturder Sache, daß die Untersuchungen auf dem Gebiete der or-ganischen Chemie anfangs rein analytischer Art waren. Die künst-lichen organischen Verbindungen waren mehr oder weniger direkteZersetzungsprodukte der in der organischen Natur vorkommendenStoffe. Die Auffassung, daß die Synthese ein Vorrecht der Natur,daß diese an das organische Leben gebunden sei, war, wie frühererwähnt, bis in die vierziger Jahre allgemein. Wenn dies für dieorganische Synthese überhaupt zutreffend war, so hatte es um somehr Gültigkeit in bezug auf die Elementarsynthese der or-ganischen Verbindungen, ihre Bildung aus den freien Elementenbzw. aus ihren einfachen anorganischen Derivaten (Kohlensäure,Kohlenoxyd, Wasser, Ammoniak).
Wöhlers künstliche Darstellung des Harnstoffs war keinevollständige Synthese, weil eine Cyanverbindung (Kaliumcyanat