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Kolbes Prognose der isomeren Alkohole.
Voraussage in Erfüllung ging. Friedel 1 ) erhielt bei Behandlungvon Aceton mit naszierendem Wasserstoff eine mit Propylalkoholisomere Verbindung, Isopropylalkohol. „Als mir diese Notiz zuGesicht kam", sagt Kolbe, „war mir augenblicklich klar, daßFriedel in jener Verbindung das erste Glied der Klasse alkohol-artiger Körper entdeckt habe, deren Existenz ich nicht nur mehrereJahre zuvor prognostiziert, sondern zu deren Gewinnung ich auchschon den Weg bezeichnet hatte, welchen Friedel hernach mitErfolg betreten hat, und aus deren Zusammensetzung ich schloß,daß sie bei der Oxydation nicht einen Aldehyd und eine Säure,sondern ein Aceton geben." Er forderte Friedel auf, einenOxydationsversuch anzustellen. Dieser tat es und erhielt Aceton.Er bemerkt aber, es habe der theoretischen Ideen Kolbes nichtbedurft, um dieses Resultat vorauszusehen, „weil eine Verbindung,welche aus der anderen durch Aufnahme von Wasserstoff ent-standen ist, wieder in diese sich verwandeln muß, wenn ihr derassimilierte Wasserstoff durch Oxydationsmittel entzogen wird,wenn nicht im Momente der Aufnahme des Wasserstoffs dieGruppierung der Atome eine totale Änderung erfährt". Übrigensspricht er die Meinung aus, „daß der neue Alkohol sich von denwirklichen Alkoholen nur durch die Eigenschaften seines Aldehydsunterscheidet, denn das Aceton ist nichts anderes als der Aldehyddieses Alkohols". „Also", sagt Kolbe, „liefert der neue Alkoholgleich den wirklichen Alkoholen ein Aldehyd, nur ist dieser Aldehydkein Aldehyd, sondern Aceton." In der Argumentierung Friedeissieht Kolbe einen Beweis für die Oberflächlichkeit der typen-theoretischen Auffassung, welche „zur Erkennung des innerenphysiologischen Zusammenhanges der Erscheinungen nicht denSchlüssel bietet."
Kurz nachher (1863) wurde auch der jsrste Repi^mrtajrtjderdritten von Kolbe prognostizierten Klasse von Alkoholen, dertertiären Alkohole, von Butlerow gewonnen 2 ). Durch Einwirkungvon Zinkmethyl auf Chloracetyl erhielt er einen Pseudobutyl-alkohol, der offenbar der trimethylierte Methylalkohol war. DieSynthese öffnete den Weg für die Darstellung anderer ähnlicherAlkohole und es ließ sich „die Existenz einer außerordentlichgroßen Menge isomerer Alkohole vermuten".
Durch den Erfolg wurde_Kolbe veranlaßt, seine Prognoseüber Isomeriefälle auch auf andere Verbindungen, zunächst auf
x ) Compt. rend. 45, 52.
2 ) Zeitsohr. f. Chem. 7, 385.