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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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Konstitution der ungesättigten Verbindungen.

er, „auch so verbinden, daß zwei Affinitäten durch zwei gesättigtwerden." Als einfachste ungesättigte Verbindung (oder als ein-fachste Verbindung mit geschlossener Kette) betrachtete er dasÄthylen. Das Methylen, CH 2 , existiert nicht, „denn es läßt sichnicht verstehen, daß zwei Affinitäten, die demselben Kohlenstoff-atom angehören, sich miteinander sollten verbinden können".

Bei Erwähnung der graphischen Formeln von Loschmidthaben wir schon bemerkt, daß in diesen auch die zweifache Bin-dung zweier Kohlenstoffatome (z. B. bei Äthylen und Allylalkohol)durch Bindungsstriche zum Ausdruck gebracht wurde, währendin den Modellbildern von Kekule die mehrfache Bindung durchdie mehrfache Berührung der für die polyvalenten Atome vonihm eingeführten Figuren veranschaulicht wird. Erst in demFormelschema, durch welches Kekule die Konstitution des Ben-zols ausdrückte, wurde eine solche Bezeichnungsweise benutzt. Inden gewöhnlichen Formeln wurden die Doppelbindungen wohl zu-erst von.Wilbrand, 1 ) (1865) angewandt, und zwar zunächst umdie Verschiedenheit zwischen dem dreiwertigen Glyceryl und demeinwertigen Allyl klarzulegen. Er spricht den Satz aus: „Wennzwei Kohlenstoffatome zu dem Kohlenstoffskelett einer organischenVerbindung zusammentreten, so kann das C 2 sechs-, vier-, zwei-oder nullatomig auftreten" und drückt dies graphisch in folgenderWeise aus:

C

0

('

C

c

c

c

C

C 2 H 6

C 2 H 4

C 2 H 2

c 2

Äthylwasserstoff

Äthylen

Acetylen?

Kohlenstoffmolekül

Wie ersichtlich ist, hat er für das Acetylen die dreifacheBindung als wahrscheinlich angenommen.

Diese Auffassung wurde auch bald die allgemein herrschende,und die Bezeichnungsweise Wilbrands kam, wenn auch in ver-einfachter Form, in Gebrauch.

Jedoch erschien die Möglichkeit der Annahme ungesättigterAffinitäten in freien Molekülen keineswegs ausgeschlossen. L. Mey erfand (1866), daß diese Annahme, auch wenn sie bei den Chemikernwenig Anklang findet, „in sich durchaus keine philosophische

!) Zeitsohr. f. Chemie 8, 683.