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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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Chemikei'versammlun» in Karlsruhe.

Weltzien, eine Versammlung der gelehrten Chemiker aller Länderzusammenzuberufen. Als Hauptpunkte der Beratungen wurden auf-gestellt : Präzisere Definition der durch die Ausdrücke Atom, Molekül,Äquivalent, Atomigkeit, Basizität usw. bezeichneten Begriffe; Unter-suchung über das wahre Äquivalent der Körper und ihre Formeln;Anbahnung einer gleichmäßigen Bezeichnung und eine rationelleNomenklatur.

Die Versammlung trat im September 1860 in Karlsruhe zu-sammen *). Es waren 140 Chemiker aus den verschiedenen LändernEuropas anwesend; unter diesen die meisten der führenden Männerauf dem Gebiete der organischen Chemie, „eine glänzende Ver-sammlung von Chemikern, wie sie seitdem niemals irgendwo inder Welt getagt hat." Namentlich Cannizaro, Kekule, Odling,Strecker und Wurtz traten hier zugunsten des unitarischenSystems und der Einheitlichkeit der Atomgewichte auf, und dererstgenannte hat den Anwesenden seine obengenannte Schriftüberreicht. Abstimmungen über die diskutierten Fragen wurdennicht vorgenommen, man wollte sich nicht majorisieren lassen, unddies namentlich aus Bücksicht für Dumas, der das Präsidiumführte und Hauptvertreter der konservativen Bichtung war. „Merk-würdigerweise", äußert Engler, „spielte hier die Tücke desSchicksals, durch die am Ende der langen Sturm- und Drang-periode in der Entwickelung der Chemie auf dieser größten allerGhemikervereinigungen unseres Jahrhunderts die alte Berzelius-sche Lehre durch den gefährlichsten Gegner derselben, den Vaterdes Substitutionsgesetzes, seinen letzten äußerlichen Triumph feiernkonnte." Aber nur scheinbar war der Erfolg auf der Seite derGegner der Gerhardtschen Lehren. Das Besultat der lebhaftenDiskussionen war ein unzweifelhafter Sieg der von der unitarischenAnschauung vertretenen Ideen. Diejenigen, welche mit Objek-tivität den Verhandlungen folgten, nahmen die Überzeugung vonder Überlegenheit der neuen Bichtung mit sich. L. Meyer hatden Eindruck, welchen Cannizaros Schrift auf ihn machte,lebhaft geschildert: „Auch ich erhielt ein Exemplar, das icheinsteckte, um es unterwegs auf der Heimreise zu lesen. Ichlas es wiederholt, auch zu Hause, und war erstaunt über dieKlarheit, die das Schriftchen über die wichtigen Streitpunkte

x ) Über diese bemerkenswerte Versammlung siehe C. Engler, VierJahrzehnte chemischer Forschung, mit besonderer Rücksicht auf Baden alsHeimstätte der Chemie, Festschrift, S. 346, Karlsruhe 1892 ; Ostwalds Klassiker,Nr. 30, S. 58; E v. Meyer, Journ. prakt. Chem., N. F., 83, 182.