194 Die neuere Typen theorie.
deutung der Entdeckung auseinander und stellt deren Eesultate inZusammenhang mit Gerhardts und Laurents früheren Arbeiten.
In einer seiner Abhandlungen über die wasserfreien Säurenentwickelte Gerhardt 1 ) in ausführlicher und klarer Weise dieTypentheorie in ihrer neuen Gestalt. Zu den vorher aufgestelltenTypen: Ammoniak (Hofmann) und Wasser (Williamson) fügteer den Wasserstofftypus und den Chlorwasserstofftypus. Eine An-deutung darüber, daß der Wasserstofftypus auch für die Kohlen-wasserstoffe der Sumpfgasreihe verwendbar ist, war schon frühervon Brodie gemacht worden. Gerhardt hebt hervor, wie diefrüher aufgestellten Theorien über die organischen Verbindungen,die Athertheorie, Radikaltheorie, die Theorie der organischenBasen, der Amide usw., ein einheitliches Prinzip vermißten. Einsolches mußte, nach ihm, einerseits in den homologen Reihen,andererseits in einfachen Typen gesucht werden, zu denen dieVerbindungen geführt werden können. Er äußert:
„Bei dem jetzigen Zustand der Wissenschaft lassen sich dieorganischen Verbindungen auf drei oder vier Typen zurückführen,deren jeder gewisse Reihen geben kann, ähnlich denjenigen, welchedie Ameisensäure und die Stearinsäure, das Kali und die Schwefel-säure darbieten. Diese Typen sind:
Wasser...............H 2 0
Wasserstoff............. H 2
Chlorwasserstoff...........HCl
Ammoniak............. H 3 N
Indem diese Typen ihren Wasserstoff gegen gewisse Gruppenaustauschen, lassen sie die Säuren, die Alkohole, die Äther, dieIiydrüre der organischen Radikale, die organischen Chlorverbin-dungen, die Acetone, die Basen entstehen."
„Die durch einen jeden Typus gegebene Reihe hat ihreäußersten Enden, welche man als positive oder linke Seite undals negative oder rechte Seite bezeichnen kann. Eine organischeGruppe, die den Wasserstoff ersetzt und selbst auf die positiveSeite zu setzen ist, wird Verbindungen hervorbringen, die gleich-falls auf diese Seite gehören." Solche sind die Radikale Methyl,Äthyl, Amyl usw. „Sie verhalten sich in der Tat ähnlich wieKalium oder andere sogenannte elektropositive Metalle; die Oxyde(die Alkohole) und die Alkaloide, welche so entstehen, verhaltensich wie Basen, insofern sie fähig sind, sich mit den auf der ent-gegengesetzten Seite der Reihe stehenden Säuren zu verbinden."
!) Ann. Chem. Pharm. 87, 149.