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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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Versuche zur Darstellung der freien Alkoholradikale.

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Kolbe 1 ), der sich den Paarungsansichten von Berzeliusangeschlossen hatte, betrachtete die Essigsäuren und die homo-logen Säuren als mit Alkoholradikalen gepaarte Oxalsäuren. DieRichtigkeit dieser Ansicht wollte er durch die Elektrolyse dieserSäuren prüfen. Er erhielt aus der Essigsäure am positiven PoleKohlensäure (nach seiner Ansicht aus der Oxalsäure durchOxydation entstanden) und „Methyl", CH 3 (C 2 H 6 ), während amnegativen Pol Wasserstoff entwickelt wurde. Aus Valeriansäureresultierte in ähnlicher Weise „Valyl", C 4 H 9 (C 8 H 1S ). Daß hierwirklich die aus den gepaarten Säuren freigemachten Radikalevorlagen, schien ihm außer Zweifel zu stehen.

Da die Versuche mit Cyanäthyl in bezug auf die Isolierungdes Äthyls keine günstigen Resultate geliefert hatten, versuchteFrankland 2 ) die Anwendung eines weniger komplizierten Körpersund eines weniger elektropositiven Metalles als Kalium, um somitder Zersetzung des Äthyls vorzubeugen. Er wählte hierbei Jod-äthyl und Zink, und diese Kombination erwies sich als eine glück-liche. Er erhielt beim Erhitzen in zugeschmolzenen Röhren nebeneinem kristallinischen Körper (Zinkäthyljodyd) ein Gas, welchesnach der Bunsenschen eudiometrischen Methode analysiert, sichals ein Gemenge von Elayl (Äthylen), „Methyl" und „Äthyl" er-wies. Letzteres, als am schwersten flüchtig, konnte in reinemZustande isoliert werden. Seine Zusammensetzung entsprach derFormel C 2 H 5 (C 4 H 10 ) und schien also das erwartete „Äthylgas" zusein. Aus der genannten kristallisierten Verbindung wurde beiZusatz von Wasser ein Gas erhalten, das sich wiederum nichtals Äthyl, sondern als „Methyl" herausstellte, und dieses bildetesich auch, wenn dem Gemenge von Jodäthyl und Zink von vorn-herein etwas Wasser zugesetzt war. Unter ganz ähnlichen Er-scheinungen verlief die Reaktion zwischen Zink und Jodmethyl,nur war das direkt erhaltene Gas reines „Methyl" und das ausdem kristallinischen Produkt erhaltene, mit Wasser gebildete GasGrubengas. Später erhielt er in gleicher Weise das „Amyl". —An diese Untersuchungen Franklands schloß sich auch die Dar-stellung des Zinkmethyls und Zinkäthyls. Wir erwähnen es hier,w eil die Entdeckung dieser „metallorganischen" Verbindungen fürdie Entwickelung der organischen Chemie sehr folgenreich wurde.

Die Untersuchungen Franklands und Kolbes erregten natür-bch die größte Aufmerksamkeit seitens der Chemiker, ihre Er-

x ) Ann. Chem. Pharm. 69, 257.2 ) Ebenda 71, 171.

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