Druckschrift 
Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
161
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Einzelne Verbindungen und Körpergruppen 1831—1850.

161

liefert, weshalb ihre Bildung „kein zum Hervorbringen von Äthernötiger Abschnitt zu sein scheint". Er nahm daher, wie Mit-8cherlich, eine Kontaktwirkung an, welches nach Liebig keineErklärung, sondern nur ein anderer Ausdruck für die „nackte Tat-sache war, daß Alkohol in Äther und Wasser zerlegt wird". Dieschließliche richtige Erkenntnis des Vorganges ergab sich ausden Untersuchungen Williamsons (1851) (s. Kapitel IX).

Außer dem Methyl- und Äthylalkohol waren in den dreißigerJahren noch zwei andere dieser Körperklasse zugehörige Ver-bindungen bekannt. Schon Chevreul hatte bei seinen Unter-suchungen über die Fette aus dem Walratfett einen neutralenKörper erhalten, den er Äthal nannte. Derselbe wurde vonDumas und Peligot (1836) näher untersucht, als Alkohol er-kannt und als Cetenhydrat (Cetylalkohol) bezeichnet. Wichtigerwar die Auffindung eines einfacher zusammengesetzten neuenAlkohols aus dem Kartoffelfuselöl. Durch fraktionierte Destil-lation gelang es Dumas (1834), daraus einen neutralen Körper,C 10 H 12 O 2 (C 6 H 12 O), abzuscheiden, dessen Zusammensetzung eineBeziehung zu den Alkoholen vermuten ließ. Er war aber derAnsicht, daß der Körper mit dem Campher und den ätherischenölen verwandt sei. Die chemische Natur desselben wurde vonCahours 1 ) (1839) festgestellt. Er sprach ihn als einen mit demgewöhnlichen Alkohol „isomorphen Alkohol" an, „welcher der inter-essanten Reihe angehört, die den Alkohol, den Holzgeist und dasÄthal in sich schließt". Seine weiteren Untersuchungen, sowiedie von Dumas und Stas (1840), welche den Alkohol in Valerian-säure überführten, und die von Baiard (Gewinnung des ent-sprechenden Äthers, 1844) brachten den vollen Beweis dafür bei.

1 Cahours nannte den neuen Alkohol „Amilenhydrat" (Amyl-alkohol), weil er aus einem Branntwein gewonnen wurde, der

| aus Stärke (Amylum) enthaltenden Stoffen dargestellt war.

Wie sehr man sich der Wichtigkeit dieser Klasse von Ver-bindungen bewußt war, zeigt folgende Äußerung in einer Abhand-lung von Dumas und Stas: „Die Erkenntnis eines Alkohols be-reichert die organische Chemie mit einer Reihe von Verbindungen,denen vergleichbar, welche der Mineralchemie aus der Entdeckungeines neuen Metalles zuwachsen."

Auch unsere ersten Kenntnisse über die den Alkoholen nahestehenden Aldehyde und Ketone stammen aus dieser Zeit.

J ) Ann. Chem. Pharm. 30, 288.

Hjelt, Gesch. d. organ. Chemie.

li