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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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V.

Atherintheorie. Radikaltheorie.

„Die von Ihnen dargelegten Tatsachen gebenzu solchen Betrachtungen Anlaß, daß man sie■wohl als den Anfang eines neuen Tages in dervegetabilischen Chemie ansehen kann."

Berzelius an Liebig undWöhler.

Das Wort Radikal ist uns oft im vorhergehenden begegnet.Darunter verstand man das Atom oder die Atomgruppe, die inden Sauerstoffverbindungen an den Sauerstoff gebunden ist, „dervon Sauerstoff befreite Rest eines Körpers". Schwefel und Phos-phor waren die Radikale der Schwefelsäure und der Phosphor-säure. Schon Lavoisier hatte die organischen Verbindungenals Oxyde von Radikalen bezeichnet, die aus wenigstens zweiElementen zusammengesetzt sind, und auch nach Berzelius schiender Hauptunterschied in der Zusammensetzung zwischen den an-organischen und organischen Verbindungen darin zu bestehen,daß jene einfache, diese zusammengesetzte Radikale enthielten.Eine weitere Konsequenz wurde aber aus dieser allgemeinen Vor-stellung nicht gezogen. Eine bestimmtere und realere Form er-hielt dieser Begriff durch Untersuchungen über die Cyanverbin-dungen, vor allem durch die von Gay-Lussac 1815 ausgeführten,aus denen hervorging, daß das aus Kohlenstoff und Wasserstoff f/fzusammengesetzte ^Radikal (Cyanogen) sich ganz wie ein Elementverhält und aus der einen Verbindung in die andere übergeht,I ja sogar in freier Form abgeschieden werden kann. Die Cyan-verbindungen hatten aber damals noch nicht ihren rechten Platzunter den organischen Verbindungen gefunden. Aus diesem Radikal-begriff ging die erste umfassende Theorie für die innere Zusammen-setzung der organischen Verbindungen hervor. Dies geschah imJahre 1832 durch Liebig und Wöhler.

Aber schon früher war in bezug auf den Alkohol und ihmnahestehende Verbindungen ein Versuch gemacht worden, ihreZusammensetzungsverhältnisse rationell zu erklären. Gay-Lussac