Selen. Tellur.
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das Selen 1 ) und Tellur 2 ) sind Metalloide; sie bilden
IIalle flüchtige Hydrüre der Form, RH-2 — OHz, SHi,Se Hz, TeHz, wovon 0-H% eine flüchtige Flüssigkeit, die
1 ) Selen, Se = 78.9, findet sich in der Natur nur spärlich undmeist als Begleiter von Schwefelmetallen, z. B. in böhmischen undschwedischen Kiesen. Berzelius entdeckte es 1817 im Flugstaub derCondensationskammern resp. im Schlamme der Bleikammern einer Schwefel-säurefabrik, welche Selen-haltige Kiese auf Schefeldioxyd verarbeitete.Wie der Schwefel tritt es in verschiedenen ätiotropen Modifica-tionen auf. Amorphes Selen, ein rothbraunes, in Schwefelkohlen-stoff lösliches Pulver, spec. Gew. 4.26, wird erhalten durch Reductionvon Selendioxyd, SeÜ2, mit Schwefeldioxyd, Süa; SeOs -\-2 SQ2-- Sc -f- 2 SO :1 ; 2 SO;; -4- 2 HsO = 2 SO4H2; aus Schwefelkohlen-stoff krvstallisirt dies in braunrothen Kryställche n. Bei raschemAbkühlen von geschmolzenem Selen erstarrt dasselbe zu einem glasigen,schwarzen, amorphen, in Schwefelkohlenstoff ebenfalls löslichen Körper;spec. Gew. 4.28. Wird letzterer auf 97° erwärmt, so steigt die Tem-peratur plötzlich über 200° und das Selen verwandelt sich in einedunkelgraue, krystalline , in Schwefelkohlenstoff unlösliche Masse;spec. Gew. 4.8. Diese Modification des Selens besitzt Metallglanz, leitetdie Elektricität, und zwar ist die Leitungsfähigkeit proportional derStärke der Belichtung, worauf die Anwendung der »Selenzellen«beim elektrischen Photometer beruht. Selen schmilzt bei 217°, siedetgegen 700° — Farbe des Dampfes: dunkelgelb. An der Luft verbrenntes mit röthlich blauer Flamme und Rettig-ähnlichem Geruch zuSelendioxyd, SeO-2, weisse Nadeln, die sich in Wasser zu selenigerSäure, SeO;iII-2, lösen; dieselbe wird durch Chlor zu Selensäure,Se04Ha, oxydirt. S elen Wasserstoff , analog dem Schwefelwasser-stoff dargestellt, bildet ein farbloses, wiedrig riechendes, giftiges Gas,dessen wässerige Lösung durch Abscheidung von Selen sich trübt.Concentrirte Schwefelsäure löst Selen mit grüner Farbe.
2 ) Tellur, Te = 124.7, kommt in der Natur selten vor, entwedergediegen, oder gebunden an Metalle, z. B. an Gold und Silber im Schrift-erz, an Wismuth im Tetradymit (pag. 268) etc. Aus einer Lösungvon t e 1 1 u r,.i g e r Säure, TeOsEIä, fällt S c h w e f e 1 d i o x y d me-tallisches Tellur als schwarzes Pulver; spec. Gew. 5.93.Geschmolzen ist es silberweiss, metallglänzend, Leiter der Wärmeund Elektricität. Es krystallisirt in Rhomboedern vom spec. Gew. 6.25,schmilzt bef 425°, verdampft bei höherer Temperatur und verbrenntmit b 1 augr m rer Farbe zu Tellurdioxyd, TeOa, eine weisse, kry-stalline, inÄVasser schwer lösliche Masse. Tellurige Säure,TeOsHä, entsteht durch Auflösen von Tellur in concentrirter Salpeter-säure, Tellur säure, Te04lL, beim Behandeln der Tellurate mitSchwefelsäure. Natriumtelliiral, TeOiNaa, durch Schmelzen von Tellurmit Salpeter dargestellt, findet Verwendung in der Medicin. Tellur-wasserstoff ist ein farbloses, sehr giftiges, wiedrig riechendes Gas.Rauchende Schwefelsäure löst Tellur mit rother Farbe. —