Druckschrift 
1 (1863) Lehrbuch der anorganischen Chemie : mit Einschluss der experimentellen Technik
Entstehung
Seite
VII
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Vorwort zur ersten Auflage.

VII

Der Versuch eines derartigen Lehrbuches ist es, welchen ichhiermit der Oeffentlichkeit übergehe. Seit zwölf Jahren Vertreterder Chemie an einer Hochschule, an der die grosse Mehrzahl derChemie Hörenden aus Medicinern und Pharmaceuten besteht, habeich vielfach Gelegenheit gehabt, einen näheren Einblick in das, wascrsteren ganz besonders noth thut, und daher beim Unterrichte be-sonders hervorgehoben werden muss, — in ihre gewöhnliche Vor-bildung für das Hören naturwissenschaftlicher Disciplinen, in ihreWünsche und Bedürfnisse zu gewinnen, und dabei die Ueberzeugungerhalten, dass ein Lehrbuch der Chemie, zunächst für Medicinergeschrieben, an allgemeinen naturwissenschaftlichen, namentlichphysikalischen Kenntnissen nichts oder nur höchst wenig voraus-setzen darf, da auf den Gymnasien eine naturwissenschaftliche Vor-bildung entweder gar nicht stattfindet, oder sie doch selten einegründliche ist, und da ferner Experimentalchemie gewöhnlich schonim ersten Semester entweder gleichzeitig mit oder noch vor derPhysik gehört wird. Ein derartiges Lehrbuch soll ferner möglichststreng die Ordnung einhalten, stets vom Bekannten zum Unbekann-ten überzugehen; es soll die Grundbegriffe und wichtigeren Theorienmöglichst klar, ausführlich und die denkbaren Einwürfe des Lernen-den anticipirend, entwickeln, und ausserdem dem Experimente undseiner Erläuterung eine ganz besondere Berücksichtigung schenken,mit der Beschränkung jedoch, dass darunter nur solche Experimentegemeint sind, die zur Erläuterung der Eigenschaften der Körperoder allgemeinerer wichtiger Gesetze dienen. Derartige Experi-mente sind für einen gedeihlichen Elementarunterricht in der Che-mie ganz unentbehrlich, und auch ihre Beschreibung und wo mög-lich ihre Versinnlichung in einem Lehrbuche als Becapitulation undausführlichere Erklärung des Gesehenen von nicht gering anzuschla-gendem Werthe. Während ferner der Grundton der Behandlungin einem für Mediciner geschriebenen Lehrbuche stets ein derarti-ger sein soll, dass der Leser sich dabei bewusst bleibt, er solle inein ihm noch fremdes Land eingeführt werden, müssen andererseitsalle die Beziehungen, die sich zur Medicin im Allgemeinen und zurPhysiologie insbesondere ergeben, hervorgehoben werden. Allestechnologische Detail dagegen, jede umständlichere Beschreibungzweckmässiger Darstellungsmethoden, namentlich im Grossen, sindhier principiell auszuschliessen.